Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

M&A-Deals unter Versicherern sinken um fast 20 Prozent

27.11.2017 – Fusion Puzzle by_RainerSturm_pixelio.de“Wer nicht wächst, stirbt”, begründete Allianz-Chef Oliver Bäte zuletzt sein Übernahmestreben. In der Tat sind M&A-Deals oft der einzige Weg zum Wachstum für Versicherer. Doch das Risiko des Scheiterns ist groß. Die Anzahl der Insurance-Zusammenschlüsse ist im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17,7 Prozent gesunken, während der Gesamtwert der M&A-Deals um 170 Prozent laut Willis Towers Watson gestiegen ist.

“Aktuell scheitert insgesamt jede zweite Übernahme. Das ist der Schnitt über alle Branchen hinweg”, bilanziert Professor Kai Lucks, Fusionsexperte und Geschäftsführer des Merger Management Instituts (MMI) aus Gauting bei München. Obwohl auch die Finanzinstitute von dieser Entwicklungen betroffen sind, nehmen die weltweiten M&AAktivitäten von Banken und Versicherern kontinuierlich zu. Bis jetzt. Im ersten Halbjahr sind M&A-Deals in der Versicherungswirtschaft um fast 20 Prozent gesunken. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von Willis Towers Watson in Zusammenarbeit mit Mergermarket.

Weltweit wurden 2016 unter Versicherern 387 M&A-Transaktionen durchgeführt, 2015 waren es laut der auf Versicherungsrecht spezialisierten Kanzlei Clyde & Co. noch 444. Dieser 13-prozentige Rückgang ist der niedrigste Stand seit 2013. Brexit, US-Wahl und eine Erholung von Mega-Deals wie zwischen Ace und Chubb sorgten für Zurückhaltung im vergangenen Jahr. Gleichzeitig verhinderten Aufsichtsbehörden zuletzt größere Übernahmen aus Wettbewerbsgründen.

“Die Mittel für große Übernahmen sind da”, stellt Marcus Severin fest. Nach Angaben des Insurance-Leiters des deutschen Blackrock- Geschäfts müsse man sich genau überlegen, was man anfassen möchte. “Viele suchen gerade wegen Solvency II einen Sachversicherer, aber diese sind zu auskömmlichen Preisen derzeit nicht zu bekommen.” Auch Oliver Bäte hält den Markt für überteuert. Konkurrent Axa indes hat durch viele große Akquisitionen bereits eine “kritische Größe” erreicht, sagte CEO Thomas Buberl. “Megadeals sind nicht nötig.” Mitunter sind sie auch meist sehr schwierig umzusetzen.

Die Zeit der “Merger of Equals” wie bei Daimler und Chrysler scheint vorbei. “Die Komplexität, die verschiedenen Produkte, Vertriebe sowie IT-Plattformen sinnvoll zusammenzuführen, sollte man nicht unterschätzen. Dies stellt große Versicherer vor Herausforderungen, insbesondere wenn diese ohnehin mit Überkapazitäten kämpfen”, ergänzt der auf M&A-Recht spezialisierte Rechtsanwalt Peter Etzbach.

Verstärkt werden in der unternehmerischen Praxis kleine Zukäufe im Ausland bevorzugt, weil keiner die Geduld mitbringt, in jahrelanger Pioniersarbeit dort selbst Fuß zu fassen. Schließlich soll die Milliarde an zusätzlicher Prämie bereits morgen konsolidiert werden, sodass die Käufer lieber einen erheblichen Goodwill für ein bereits etabliertes Unternehmen im Ausland zahlen. Doch auch das birgt die Risiken der mangelnden Kenntnis der lokalen Marktgegebenheiten oder der kulturellen Unterschiede.

Ergo scheiterte in Südkorea und in der Türkei, besser lief es mit der Übernahme des polnischen Lebens- und Sachversicherers Hestia, der zum zweitgrößten Versicherer des Landes aufgestiegen ist. Mühselig war hingegen der zweijährige Übernahmeprozess der griechischen ATE Insurance. Die schwierige wirtschaftliche und politische Situation des Landes beschreiben die Düsseldorfer als “herausfordernd”. Ähnliche Probleme warten auf mögliche Käufer der kriselnden Generali, die am Bankenrettungsfonds beteiligt ist und mehr als 70 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen hält. (dg)

Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO / (www.pixelio.de)

Tags: ,
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten