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Kulturkampf zwischen Versicherern und Insurtechs

09.03.2017 – Ralf_Katank_SDK“Wir sind natürlich IT-mäßige Dinosaurier”, bekannte SDK-Vorstandschef Ralf Kantak gestern auf dem Stuttgarter Versicherungstag in der IHK Stuttgart mit Blick auf die Innovationskraft von Insurtechs. Den Verbraucherschutz sieht Georg Bäuchle, Präsident des VDVM, durch Insurtechs gefährdet und fordert: Gleiche Spielregeln für alle. Einziger Referent mit engem Kontakt zur Startup-Szene, Sascha Noack vom New Players Network, erreicht mit seinem kreativen Vortrag nicht alle im Publikum.

“Insurtechs haben keine IT-Lasten, keine COBOL-Anwendungen so wie ich, sondern fangen auf der grünen Wiese an”, fasst Ralf Kantak, Vorstandsvorsitzender der SDK, die Herausforderung der Digitalisierung für etablierte Versicherer. Diese hätten oft Milliarden in ihre teils jahrzehntealten Bestandssysteme investiert, die Software und Abläufe zu erneuern falle ihnen daher schwer.

“Noch ist das Wissen in den Köpfen unserer Mitarbeiter”, sagt Kantak. “Doch der RoboAdvisor klopft an die Tür.” Dass die Digitalisierung von Versicherern nicht aufzuhalten sei, ist Kantak überzeugt: “Wenn wir einen Leistungsfall bewerten, sind bis zu 900 Elemente einzeln zu prüfen.” Die Digitalisierung biete enormes Einsparpotenzial, das man nutzen müsse.

Anstelle von Beratungsunternehmen setzt die SDK auf die Zusammenarbeit einer Hochschule: Sie lud Studierende der EBS Reutlingen zu einem hauseigenen Innovationlab ein, gemeinsam identifizierte man 36 mögliche Digitalisierungsprojekte und legte einen Index auf, der messen soll, wie weit die Digitalisierung des Unternehmens fortgeschritten ist.

Anglizismus-Gewitter vor konservativem Publikum

Ebenfalls ein Lab betreibt Sascha Noack, vom New Players Network, das von den Versicherungsforen Leipzig initiiert wurde. “Wir stehen noch am Anfang der Digitalisierungswelle”, schätzt er. In seinem Vortrag mit dem Titel “InsurTechs – Das Erwachen der Macht oder schlägt das Imperium zurück?” reitet Noack durch sechs Thesen zu digitalen Startups:

Nach dem Boomjahr 2015, in dem sich 18 Insurtechs neugründeten, sei deren Zukunft ungewiss. Keines der Insurtechs besitze eine USP, eine Unique Selling Proposition. Keines der Insurtechs sei wirklich disruptiv, habe den Markt und Versicherungsprodukte wirklich revolutioniert. Schließlich würden sie von den großen Versicherern aufgekauft. Allerdings sei Kooperation auch “King”, denn 68 Prozent aller Insurtechs hätten ein kooperatives Geschäftsmodell.

Die kreativ gestaltete, jedoch in hoher Wort-Frequenz vorgetragene Präsentation kommt nicht bei allen Zuhörern an, einige nicken – es ist der erste Vortrag – ein. Genau zugehört, hat der VDVM-Präsident Georg Bräuchle: “Welche Spielregeln gelten zukünftig für Insurtechs?”, fragt er sich in seinem Vortrag. Die AGBs einiger Insurtechs seien mangelhaft, entsprächen oft nicht den Pflichten des Versicherungsmaklers.

Besonders der Pflicht zur Unterstützung im Schadensfall kämen Vertrieb-Insurtechs nur unzureichend nach. Für den Fernabsatz gelte bisher keine Beratungspflicht. Diese müsse auch für Insurtechs eingeführt werden, damit „gleiche Spielregeln für alle“ herrschten. Zu große Sorgen um seine Verbandsmitglieder macht sich Bräuchle jedoch nicht: “Im Gewerbe- und Industriegeschäft werden die Makler auch in Zukunft eine herausragende Vertriebsdynamik aufweisen.” (de)

Bild: Ralf Kantak, SDK (Quelle: de)

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