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KPMG: Deutlich weniger Prämien für Lebensversicherer

08.03.2018 – Lebensversicherung_FotoliaDie Lebensversicherung zählte einst zu den beliebtesten Produkten der Deutschen, wenn es um den Aufbau des eigenen Vermögens sowie die Absicherung im Alter ging. Allerdings machen die niedrigen Zinsen und die demografische Entwicklung der Branche zunehmend zu schaffen. Laut einer aktuellen KPMG-Studie dürften die Prämieneinnahmen der deutschen Lebensversicherer bis 2030 um rund sechs Mrd. Euro sinken.

Dabei zeichnen die Wirtschaftsprüfer von KPMG je nach Szenario ein noch düsteres Bild für die Branche. Dabei haben die Experten im Rahmen einer Modellrechnung die Entwicklung der Demografie und der Lebensversicherungsbeiträge analysiert. Dabei haben die KPMG-Ökonomen auch untersucht, inwieweit die prognostizierten Beitragseinbußen durch den vermehrten Abschluss von Biometrieprodukten kompensiert werden könnte.

So genießt die Lebensversicherung noch immer einen hohen Stellenwert, konstatieren die Studienautoren von KPMG. Allerdings fließen aufgrund der sinkenden Sparquote auch immer weniger Mittel in die Lebensversicherung. Wurden demnach im Jahr 2008 noch rund 184 Mrd. Euro – und damit zwölf Prozent des verfügbaren Einkommens – gespart, lag der Anteil im Jahr 2016 mit 181 Mrd. Euro noch bei zehn Prozent. Mit entsprechenden Folgen für die Lebensversicherer: Wurden 2008 noch 4,1 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Lebensversicherung aufgewendet, waren es im Jahr 2016 nur noch 3,4 Prozent.

Zudem hat die klassische Lebensversicherung zur Altersvorsorge im gleichen Zeitraum deutlich an Bedeutung verloren, heißt es in der KPMG-Studie weiter. Machte dieser Bereich im Jahr 2008 mit 47 Mrd. Euro an laufenden Beiträgen noch einen Anteil von 73 Prozent an den gesamten Beitragseinnahmen aus, lag der Anteil im Jahr 2016 mit rund 39 Mrd. Euro bei nur noch 63 Prozent. Zum Vergleich: Verträge mit Einmalbeträgen entwickelten sich in diesem Zeitraum hingegen sehr unterschiedlich: So verzeichnete KPMG im Zeitraum vom 2008 bis 2010 einen deutlichen Anstieg der Beiträge auf 26,62 Mrd. Euro. Im Jahr 2016 lagen die Einmalbeiträge jedoch nur noch bei 24,6 Mrd. Euro.

Viel deutlicher fällt der Rückgang hingegen im Neugeschäft aus: Lag das Neugeschäft im Jahr 2008 noch bei laufenden Beiträgen in Höhe von 6,9 Mrd. Euro, ging das Neugeschäft bis 2016 auf 5,4 Mrd. Euro spürbar zurück.

Biometrische Versicherungen trotzen dem Trend

Entgegen dem Trend verlief hingegen das Geschäft mit sogenannten biometrischen Versicherungen – also den Risiko-, den Berufsunfähigkeits- und den Pflegerentenversicherungen. So verzeichneten die Studienautoren von KMPG zwischen 2008 und 2016 einen deutlichen Anstieg bei den BU-Policen von 2,4 Millionen auf 4,3 Millionen Policen, Zudem hat sich der Bestand der Pflegerentenversicherungen im gleichen Zeitraum auf 208.000 Policen vervierfacht.

Deutlich wurde die Entwicklung auch im Neugeschäft: So stieg der Anteil der biometrischen Versicherungen am gesamten Neugeschäft von zehn Prozent im Jahr 2008 auf einen Anteil von 16 Prozent im Jahr 2016. Gleichzeitig stiegen die laufenden Beiträge im gleichen Zeitraum um 150 Mio. auf insgesamt 840 Mio. Euro im Jahr 2016.

Wie wirkt sich der demografische Wandel aus?

Allerdings wirkt sich nach den Berechnungen der KPMG-Experten auch der demografische Wandel zunehmend auf die Lebensversicherungsbranche aus. So erwartet die Ökonomen in den besonders relevanten Altersgruppen zwischen 20 und 54 Jahren einen Rückang von 10,7 Millionen Menschen bis zum Jahr 2060. Unter Annahme unveränderter Prävalenzraten – also Zahl der Verträge pro Person und durchschnittlichem Beitrag pro Vertrag – müssen die Versicherer daher insgesamt mit einem Prämienrückgang in Höhe von über 15 Mrd. Euro bis 2060 rechnen. Dies entspricht einem Minus von 31 Prozent, so KPMG. Geht man von einem bereits gesättigten Markt für Biometriepolicen (Berufsunfähigkeits- und reine Todesfallabsicherungen) aus, würde die Branche bis dahin sogar knapp 19 Milliarden Euro Prämieneinnahmen verlieren.

Daher legen die Experten von KPMG einen besonders großen Wert auf die Berührungspunkte mit den Kunden: “Wenn es Versicherern gelingt, hier ein Kundenerlebnis zu schaffen, können neue Kunden gewonnen und damit die Penetrationsquoten in den entscheidenden Altersgruppen gesteigert werden. Entscheidende Faktoren sind breite Informationsangebote vor Vertragsabschluss und ein möglichst unkomplizierter Vertragsabschluss – und das auf digitalen Wegen. Eine Herausforderung dabei ist die Schaffung einer Schnittstelle, um moderne Prozesse in die oftmals veraltete IT-Struktur der Versicherer zu integrieren. Wenn dies gelingt, bieten neue Technologien wie Blockchain und Chatbots die Chance, auch die junge Zielgruppe anzusprechen und für sich zu gewinnen”, kommentiert Wadim Doulger, Senior Manager bei KPMG.

Zudem unterschätze die Branche nach Ansicht der KPMG-Experten auch das Potenzial durch einen Run-off. “In Zeiten schrumpfender Einnahmen und immer strengerer Regulierung ist ein kapitalschonender Umgang mit dem Bestand ein Thema, das inzwischen auf der Agenda der Versicherer ganz oben steht. Die Bestandsoptimierung legt den Fokus auf die Verbesserung der Profitabilität. Das Thema ist in der Branche bekannt, wird aber bisher nur zögerlich genutzt – dabei ist die umfassende Betrachtung von Potenzialen aber gerade in diesen Zeiten gleichermaßen für den Versicherungsnehmer und den Aktionär von hoher Bedeutung. Es gibt dabei nicht die eine umfassende Lösung, stattdessen geht es um viele kleine Maßnahmen, um das Optimum aus dem bestehenden Portfolio herauszuholen”, erläutert Stefan Heyers, Partner bei KPMG. (vwh/td)

Bildquelle: Fotolia

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