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“Kommende Regierung muss LVRG 2 auf den Weg bringen”

20.09.2017 – Kuehl_Henning_Policen_DirektVon Henning Kühl. Die Lebensversicherung als Produkt privater Altersvorsorge befindet sich im Wandel. Die Politik ist gefragt, langfristige Stabilität bei den Unternehmen zu ermöglichen und gleichzeitig für Transparenz bei den Verbrauchern zu sorgen. Viele Unternehmen müssen sich aktuell fragen, wie sie auch künftig Kunden überzeugen können, in Vorsorgeprodukte zu investieren, die weniger klare Sicherheiten bieten.

Doch ohne diese garantiereduzierten Lebensversicherungen wird es nicht funktionieren. Andererseits benötigen Vorsorgesparer, die über kein besonders hohes Einkommen verfügen, ein gewisses Maß an Sicherheit. Garantien in ihrer ursprünglichen Form sind angesichts des Niedrigzinsumfelds und strenger gewordenen regulatorischen Anforderungen für die Versicherer teils unbezahlbar teuer geworden.

Hier ist die kommende Regierung in der Verantwortung, ein LVRG 2 auf den Weg zu bringen, bei dem die Zinszusatzreserve so reformiert wird, dass der Rettungsanker nicht zur Bedrohung wird: es geht zum einen nämlich darum, dass die künftigen garantierten Leistungen erbracht werden können. Zum anderen sollten die Versicherer auch noch in der Lage sein, zukünftigen Kunden – dem potenziellen Neugeschäft – Überschüsse zu gewähren.

Bafin und Bundesfinanzministerium sollten beim Umgang mit schwächelnden Versicherer stets die Interessen der Versicherungsgemeinschaft im Blick behalten. Das kollektive und langfristige Interesse sollte hier stets vor kurzfristigen Einzelinteressen stehen. Nur mit verbindlichen Regeln und einer starken, von allen Seiten respektierten Bafin lässt sich das meines Erachtens gewährleisten. Diese könnte ihrerseits die Öffentlichkeit durchaus noch mehr an ihren Daten teilhaben lassen. Das würde das Vertrauen in die Aufsicht und in die Versicherungsunternehmen gleichermaßen stärken.

Ein wichtiger Punkt im Interesse des Zweitmarktes für Lebensversicherungen und der Verbraucher ist die Transparenz in der Lebensversicherung. Hier ist die gesetzliche Neuregelung zu den Standmitteilungen ein wichtiger Schritt, stellt aber noch lange nicht das Ende des Weges dar.

Lebensversicherer müssen ihren Kunden mit der jährlichen Standmitteilung künftig deutlich mehr Pflichtangaben machen. Wie diese klar und verständlich kommuniziert werden können, darüber schweigt sich das Gesetz allerdings aus. Praktikable Standards wie die GDV-Mustermitteilung könnten hier in den Fokus rücken. Transparenz und Verständlichkeit sollten sich übrigens auch bei den kommenden Solvenzberichten verbessern – auch hier benötigt es übrigens regulatorischen Druck.

Bild: Henning Kühl ist Chefaktuar (DAV) der Policen Direkt-Gruppe in Frankfurt am Main. (Quelle: Policen Direkt)

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