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Kfz-Versicherung: Minus am Horizont

21.02.2017 – KFZ-Schein_by_RainerSturm_pixelio.deDie Autoversicherung könnte 2017 wieder ins Minus fahren. Das geht aus einer aktuellen Analyse der General Reinsurance (Gen Re) hervor. Danach gibt es in der Kfz-Haftpflichtversicherung in diesem Jahr keinen technischen Gewinn. Schäden und Kosten fressen die Beitragseinahmen vollkommen auf. Noch dramatischer ist die Prognose für die teuerste Sparte, die Vollkaskoversicherung.

Hier geht Marko Morawetz, Head of Consulting bei der Gen Re, für die Branche von einem technischen Verlust von drei Prozent aus. Allein die nach Beitragseinnahmen deutlich kleinere Teilkaskoversicherung kann noch eine positive technische Bilanz vorweisen. In dieser Sparte sollen die Einnahmen aller Voraussicht nach Schadenzahlungen und Kosten um rund zwei Prozent übertreffen.

In der aktuellen Niedrigzinsphase sind technische Verluste für die Autoversicherer brandgefährlich. Denn aus Kapitalerträgen, die traditionell in der Autoversicherung nicht im technischen Ergebnis erfasst werden, können kaum noch Zinseinnahmen generiert werden. Nach der Analyse der Gen Re kommt es bezogen auf alle Einnahmen in der Autoversicherung zu einem technischen Verlust von rund einem Prozent.

Akteure sind hartem Wettbewerb ausgesetzt

Die Ursache ist der immer noch scharfe Wettbewerb. Nach Einschätzung des Gen Re-Experten werden 2017 die durchschnittlichen Beiträge in der gesamten Kaskoversicherung sinken, weil mehr Tarife abgesenkt als angehoben werden. Gleichzeitig steigt der sogenannte Schadenbedarf, der sich aus Schadenhäufigkeit und der Höhe des Durchschnittsschadens zusammensetzt. Hier geht Morawetz in der Kfz-Haftpflicht von einem Plus von zwei Prozent aus, während der Schadenbedarf in der Vollkasko um vier und in der Teilkaskoversicherung sogar um sieben Prozent steigt.

Etwas moderater schätzt Andreas Kelb von E & S Rückversicherung AG die künftige Situation in der Kfz-Versicherung in Deutschland ein. Nach seinen Erkenntnissen reagieren einige Anbieter bereits mit weiteren Tarifanhebungen auf den “spürbar steigenden Schadenaufwand” sowie die “weiterhin ausbleibenden Kapitalerträge”.

Personenschäden werden deutlich teurer

Der Kfz-Experte warnt zudem vor einem deutlichen Trend zur Verteuerung von Personenschäden. So hätten vor fünf Jahren Personenschäden durch einen Autounfall im Schnitt einen Aufwand von fünf bis neun Millionen Euro nach sich gezogen. Aktuell sei die Aufwandsspanne auf sieben bis elf Millionen Euro gestiegen.

So müssten die Kfz-Versicherer aufgrund des geringeren Kapitalmarktzinses den Kunden mehr Geld in die Hand geben, wenn beispielsweise eine Rente mit einem Einmalbetrag abgefunden werden soll. Gleichzeitig würde sich die Lebensdauer wegen des medizinischen Fortschritts erhöhen und der Erstversicherer müsste bei schwereren Unfällen, bei dem später mit einem Heimaufenthalt zu rechnen ist, mit höheren Pflegekosten rechnen.

Seit 2010 waren die Kfz-Prämien kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig stieg auch die Zahl der insgesamt versicherten Fahrzeuge um zwei Prozent. Daher konnten die Kfz-Versicherer in Deutschland im vergangenen Jahr 25,9 Mrd. Euro an Einnahmen erzielen. Auf der Schadenseite öffnet sich seit einigen Jahren eine Schere. So sinkt die Schadenhäufigkeit kontinuierlich, während der Aufwand für den einzelnen Schaden steigt. Im vergangenen Jahr lag der Anstieg des Schadendurchschnitts in der Kfz-Versicherung und der Vollkasko bei drei Prozent. Während die Schadenanzahl bei der Vollkasko um zwei Prozent und in der Kfz-Haftpflicht um ein Prozent sank.

Aufwand pro Schaden steigt

Diese Entwicklung ist nach Einschätzung von Thomas Winkler, Chief Underwriter Kraftfahrt bei der Gothaer Versicherung vor allem auf mehr Sicherheitsausstattung in den modernen Fahrzeugen zurückführen. “Das verhindert Schäden, macht aber den Einzelschaden auch deutlich teurer”, so Winkler. So müssten schon bei einem kleinen Auffahrschaden in der Regel hochwertige Sensoren ersetzt werden.

Das bestätigt Gerald-Alexander Beese, vom Kraftfahrzeugtechnisches Institut (KTI) GmbH & Co. KG aus Lohfelden. So würde die hochwertige Sicherheitstechnik andere, meist teurere Reparaturwege erzwingen. Fahrzeuge könnten beispielsweise nicht einfach am Heckfänger lackiert werden. “Ein Schaden der vor einigen Jahren noch 500 Euro gekostet hat, liegt heute aufgrund der verbauten Sicherheitstechnik schnell bei 3.000 Euro”, so Beese. Auch in den nächsten Jahren gehen die Experten davon aus, dass die Schäden sinken und gleichzeitig teurer werden. Teilweise wird Sicherheitstechnik, wie etwas Abstandwarner, auch abgeschaltet.

So musste die Kravag Versicherung 2016 vier besonders schwere und teure Auffahrunfälle mit Lastkraftwagen bezahlen. “Wir gehen davon aus, dass die Fahrer in allen Fällen die Abstandwarner ausgeschaltet hatten”, sagte Harald Seliger, Leiter Kraftfahrt Vertrag beim Kravag-Mutter Konzern R+V Versicherung AG. Erst wenn ein solches Ausschalten von Sicherheitstechnik verboten wird und die Fahrzeuge etwa im Stopp-Go-Verkehr sogar miteinander gekoppelt werden, dürften die Schadenzahlen extrem nach unten gehen und die Autoversicherung somit in ihrem Bestand gefährden.

Nach einer Prognose der Axa-Versicherung würden bei einem langsamen Fortschritt der digitalen Technik im Fahrzeug, die Einnahmen in der Kfz-Versicherung 2020 immerhin noch bei rund 21 Mrd. Euro liegen. Kommt es jedoch schnell zu einem Wechsel der Mobilitätskultur, dann könnten die Einnahmen der Kfz-Versicherer bis 2030 sogar auf rund 13 Mrd. Euro sinken. (usk)

Bildquelle: Rainer Strum / pixelio.de

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