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Ist der Klimawandel noch versicherbar?

12.02.2018 – Unwetter_Katastrophe_Klima_Schaden_Blitz_Falk Bluemel_pixelio.deDer Klimawandel ist längst bei den Versicherern angekommen. Allein das vergangene Jahr 2017 ist mit seinen Naturkatastrophen zu einem der teuersten für die Versicherer geworden. So musste allein die Munich dank “HIM” einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen. Doch was bedeutet die zunehmende Schadenbelastung für das künftige Geschäft der Rückversicherer?

“Der Klimawandel hat uns in den letzten 20 Jahren in der Rückversicherung nicht unerwartet stark getroffen”, wird Ulrich Wallin, Vorstandsvorsitzender der Hannover Rück, im Handelsblatt zitiert. Dennoch bleibe die Frage, wie sich das Klima in den kommenden Jahren weiter entwickelt. Sollte die Häufigkeit der Stürme kurzfristig und nachhaltig zunehmen, dürfte dies bei den Rückversicherern zu weiteren Verlusten führen. “Die Preisgestaltung ist nicht auf stark steigende Schadenlast eingestellt, dann würden Rückversicherer sicher Geld verlieren”, konstatiert Wallin.

Immerhin hat der Hannoveraner Rückversicherer stärker von den Naturkatastrophen des vergangenen Jahres als der große Konkurrent in München. So beziffert die Hannover Rück den diesjährigen Gewinn auf rund 950 Mio. Euro. Zudem hat der weltweit drittgrößte Rückversicherer bei der Vertragserneuerungsrunde von den hohen Schäden profitiert.

Demnach sind die Preise im Schnitt um 1,4 Prozent im klassischen Rückversicherungsgeschäft gestiegen. Der Grund: Es wurde mehr Kapazität angeboten, was zu einem Angebotsüberhang im Vergleich zur Nachfrage geführt hat. Zum Vergleich: Die Munich Re verzeichnete in der jüngsten Erneuerungsrunde einen Preisanstieg um 0,8 Prozent. “Ein Trend, der sich bei den kommenden Erneuerungsrunden verstärken dürfte”, konstatierte Finanzvorstand Jörg Schneider.

Einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Klimawandel und den jüngsten Naturkatastrophen wollen die Experten des Münchener Rückversicherers hingegen nur bedingt erkennen: “Bei den Hurrikanen ist es wohl so, dass die Windstärke nicht vom Klimawandel geprägt ist, die Wassermenge allerdings schon”, ergänzte Schneider.

Und dennoch: “Wir haben sicherlich eine steigende Zahl von Flutschäden und auch Hagel. Wir sehen starke Indizien dafür, dass mindestens in manchen Regionen der Welt und bei manchen Gefahren veränderte Wettermuster – Stichwort Klimawandel – sich heute schon mindestens teilweise in den Daten bemerkbar machen”, betonte kürzlich der Klimaexperte der Munich Re, Ernst Rauch.

Sicher ist aus Sicht der Klimaexperten der Munich jedenfalls folgendes: Der Klimawandel ist überwiegend vom Menschen verursacht. Und auch, dass er Wetterextreme wie Stürme, Hagel, Starkregen oder Hitzewellen beeinflusst. Dennoch sei der Zusammenhang extrem komplex: Natürliche Klimaschwankungen haben einen großen, bisher sogar viel stärkeren Einfluss auf Wetterkatastrophen, und die Schadenanfälligkeit von Gebäuden oder Infrastruktur beeinflusst die Schäden erheblich, heißt es in einem Topics-Beitrag der Munich Re.

Zudem sei die Erderwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu sicher zum allergrößten Teil durch Menschen verursacht worden. Dabei gehören alle 16 Jahre seit 2001 zu den 17 wärmsten seit Beginn der Messungen. Die Jahre 2014 bis 2016 waren sogar die wärmsten überhaupt. Diese Entwicklung macht sich auch in den langfristigen Statistiken bemerkbar: So ist die Zahl der extremen Wetterereignisse seit 1990 nahezu verdoppelt.

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Dass einige Länder ganz besonders vom Klimawandel betroffen sind, zeigt auch der jüngste Weltrisikobericht 2017. Trauriger Spitzenreiter ist dabei der pazifische Inselstaat Vanuatu: Eine schwache Katastrophenvorsorge, erhöhte Erdbeben-Gefahr, Wirbelstürme und Starkregen machen das Inselreich zum am stärksten bedrohten Land auf der ganzen Welt.

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So will die Politik die Entwicklungs- und Schwellenländer im Rahmen der Initiative “InsuResilience Solutions Fund künftig stärker gegen Klimarisiken absichern. Diese verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2020 in Entwicklungsländern 400 Millionen Menschen zusätzlich gegen Folgen des Klimawandels zu versichern. Dafür waren bislang 550 Mio. Dollar (471,8 Mio. Euro) bereitgestellt worden, davon 190 Mio. Euro von Deutschland.

Denn: “Mehr Schutz gegen die Folgen von Naturkatastrophen ist zwingend nötig, um die humanitären und finanziellen Folgen nicht ungedämpft wachsen zu lassen. Die finanziellen Schäden kann mehr Versicherung teilweise abfedern – die Menschen und die betroffenen Volkswirtschaften profitieren davon”, glaubt Klimaexperte Rauch von der Munich Re. (vwh/td)

Bildquelle: Falk Bluemel / PIXELIO (www.pixelio.de)

Grafikquellen: Statista und Bündnis Entwicklung hilft

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