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Insurtechs wollen keine Preisbrecher sein

13.06.2017 – roman_rittweger_uskDer private Krankenversicherer Ottonova, das Sachversicherungs-Start-up Flypper und der bereits gestartete Finanzdienstleister Fairr.de, einem Preisrebellen in Sachen Altersvorsorge wollen die Branche aufmischen. Dennoch wollen die Newcomer trotz weitgehender Digitalisierung nicht als Preisbrecher an den Markt gehen. So rechnet Ottonova laut seinem Gründer Roman Rittweger mit einem niedrigeren Rechnungszins als der übrige Markt.

“Daher haben wir anfänglich einen Nachteil”, sagte der Ottonova-Chef. Er schätzt aber, dass Ottonova durch reine Nettotarife auf Dauer die Nase vorne haben wird. Das Start-up hat bisher rund 40 Millionen Euro in den Aufbau gesteckt und beschäftigt bereits 50 Mitarbeiter. “Die PKV ist digital spät dran, weil sie komplexer und noch stärker reguliert ist, als die anderen Branchen”, so Rittweger.

Trotzdem sei jetzt die Zeit reif. “Bei uns ist alles digital.” Demgegenüber sei ein Versicherungsvertreter, der heute zu den Kunden nach Hause kommt, vollkommen aus der Zeit gefallen. Das Unternehmen betonte aber, das auch künftig die Kunden den Versicherer weiterhin beispielsweise telefonisch erreichen könnten.

Die Gründung des PKV-Versicherers werde in der Branche sogar begrüßt. Ein entsprechendes Feedback habe man vom PKV-Verband erhalten. So werde der Start dem angestaubten Image der Branche gut tun. Das Unternehmen will erst einmal mit zwei Tarifen auf den Markt kommen. Zielgruppe seien vor allem freiwillige Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung. Beamte wird das neue PKV-Unternehmen nicht versichern.

Flypper setzt auf “cooles” Schadentracking

Auf wechselwillige Kunden setzt der neue Sachversicherer Flypper, den sein Gründer und künftiger Marketingleiter Dominik Groenen vorstellte. Das Unternehmen will sich vor allem auf den Schaden fokussieren. Es sei Ziel bei der Regulierung eine hohe Kundenbegeisterung zu schaffen. “Wir wollen Kommunikatoren erreichen und so eine gestützte Bekanntheitsquote von 40 Prozent erreichen”, erläuterte Groenen im Rahmen einer Veranstaltung der Forschungsstelle aktuarielles Risikomanagement (FaRis) und der Deutsche Akturavereingung (DAV).

Das sei der Wert, den derzeit die VHV habe. Dafür werde es ein “cooles” Schadentracking geben und der Kunde könne immer Naturalersatz erhalten. So werde man mit einem großen Handwerkernetz kooperieren. Laut Groenen wir dieser Teil der Wertschöpfungskette noch viel zu gering genutzt. “Der Kunde kauft sich ja doch etwas Neues. Dabei können wir ihm helfen”. Der Digitalisierungsexperte verwies darauf, dass die Neugründung durch die Kooperation mit dem Assekuradeur Konzept & Marketing über ein enormes statistisches Wissen über Schäden verfügen würde. Das helfe bei den Zulassungsgesprächen mit der Bafin.

Fairr.de setzt Fokus auf die betriebliche Altersvorsorge

Das Insurtech Fairr.de möchte sich in Zukunft deutlich stärker auf die betriebliche Altersvorsorge konzentrieren. “Nach einer klassischen Direktversicherung, werden wir künftig auch eine Portfoliolösung anbieten”, erläuterte Jens Jennissen, Gründer und Geschäftsführer der Fairr.de aus Berlin. Zudem werde es gemeinsam mit der Zurich Versicherung eine betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) geben. Das Angebot werde als Gruppenvertrag konzipiert sein. Zudem arbeitet der Versicherungsmakler, der auf reine Nettopolicen setzt, an der Zielrente. Hier gebe es ebenfalls einen Partner.

Insgesamt gebe es für digitale Start-ups in der Versicherungsbranche derzeit paradiesische Zeiten. So das Fazit einer Bestandsaufnahme von Volker Schulz, Geschäftsführer des gleichnamigen Beratungsunternehmens aus Winnenden. Laut Schulz ist die Ausgangslage vor allem im Sachversicherungsmarkt “so gut wie nie”. Hier gebe es ein weites Feld für die Versicherer um kundenfreundlicher, günstiger und einfacher zu werden. (usk)

Bild: Roman Rittweger, Gründer von Ottonova (Quelle: usk)

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