Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Insurtech: Der erste Hype ist verflogen

06.09.2017 – Digital_Fotolia_99318365Eigentlich wollte sich die Diskussionsrunde auf dem 14. Norddeutschen Versicherungstag in der altehrwürdigen Handelskammer der Hansestadt Hamburg mit den fünf wichtigsten Zukunftsthemen für Vermittler beschäftigen – faktisch aber gab es eigentlich nur ein Thema: Digitalisierung. Hier haben die aktuellen Entwicklungen bei vor kurzem noch hochgelobten Start-ups dazu geführt, dass eine gewisse Skepsis eingezogen ist.

Stefan Herbst von den Haftpflicht-Helden brachte es auf den Punkt: “Nur weil etwas digital möglich ist, heißt das noch nicht, dass es auch gut ist”. Manche Gründer hätten unterschätzt, wie megakomplex es sei, ein Fintech auf die Beine zu stellen. Es genüge nicht, wenn die Oberfläche stimmt, sondern auch das, was dahinter steckt, müsse funktionieren. Und es sei viel Geld draufgegangen, um Kunden anzuziehen – 800 Euro pro Kunden, wie an anderer Stelle der Diskussion bemerkt wurde.

Grundsätzlich ist es aktuell nicht besonders schwierig, zweistellige Millionenbeträge dafür einzusammeln: “Es war noch nie so einfach wie jetzt, in Deutschland Geld zu bekommen”, stellte Johannes Rath, Geschäftsführer von Signal Iduna Digital Ventures GmbH und Gründer von Sijox, fest. Aber auch aus dem Ausland fließen die Millionen, wie Herbst konstatierte. “Es ist für Deutschland ein absolutes Armutszeugnis, dass Geld aus dem Ausland kommen muss.”

Digitaler “Riesen-Stretch”

So zeigten sich Rath, Herbst und Jan Meessen, Industry Manager Insurance von Google Deutschland, schon berufsbedingt davon überzeugt, dass im Bereich Digitalisierung ein “Riesen-Stretch” vorhanden ist, der über neue Entwicklungen wie digitale Bezahlsysteme die großen Veränderungen in der Gesellschaft und auch in der Versicherungswirtschaft vorantreibt. Florian Ebert, Professor an der HSBA Hamburg School of Business Administration, gab jedoch zu bedenken, dass “der größte Asset der deutschen Versicherungswirtschaft nach wie vor die Vermittler” seien, allein schon dadurch, dass sie das gesamte Bundesgebiet abdecken und immer in der Nähe sind, wenn ein Kunde nach emsiger Online-Suche doch lieber eine persönliche Beratung will.

Das heißt aber nicht, dass das eine das andere ausschließt, wie Meessen anmerkte. So gibt es mittlerweile schon die Möglichkeit, mit Hilfe von Videokonferenzen beides miteinander zu verbinden. Sich nur auf die persönliche Beratung zu konzentrieren und den Online-Bereich völlig zu vernachlässigen, sei dagegen keine Option, aber “Digitalisierung muss nicht schwierig sein”. Es gebe genügend Angebote, wie man eine Website responsiv gestalten und omnikanalfähig machen könne, das gehöre zu der Basisarbeit, welche die Versicherer leisten müssten.

Eine Zuhörerin aus dem Publikum verpasste den Diskutanten allerdings eine kalte Dusche, indem sie darauf hinwies, dass sie seit drei Tagen auf einen Rückruf eines Versicherers wegen einer dringenden Auskunft warte. Für BVK-Präsident Michael H. Heinz eine Steilvorlage, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Versicherer eine gesetzliche Pflicht hätten, ihre Exklusivvermittler zu unterstützen. Es sei vor allem ihre Aufgabe, sie in die digitale Welt mitzunehmen. (sgk)

Bildquelle: Fotolia

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten