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Industrieversicherer brauchen Kopierschutz

05.12.2017 – achim_hillgraf_lieAllein mit Versicherungsdeckungen werden die Industrieversicherer nach Meinung von Achim Hillgraf nicht künftigen Wettbewerbern wie Google, Amazon und Co. trotzen können. “Wenn wir uns in den kommenden Jahren ausschließlich darauf konzentrieren, unsere finanziellen Ressourcen auszubalancieren, werden wir scheitern,” betont der Hauptbevollmächtigte bei FM Global.

Denn: “Einige sind risikobereiter, wesentlich schneller und haben mehr Geld als Versicherer.” Seine Lösung: Versicherungskunden gegen Risiken “resilienter” zu machen. Dafür habe die Branche sowohl das Wissen als auch die Kundenverbindungen mit den entsprechenden Daten. Resilienz biete einen gewissen “Kopierschutz” und bedeute, dass Versicherungsnehmer Schäden “anders widerstehen könnten, als mit der Versicherungspolice auf den Scheck im Schadenfall zu warten.“

Am Beispiel der jüngsten Unwetter in Puerto Rico und Houston zeigte er, dass mit vorbeugenden Maßnahmen sich auch solche Extremfälle meistern ließen. Der Hurrikan “Maria” in Puerto Rico Ende September sei hinsichtlich Stärke, Ausbreitung und Zeitpunkt in etwa mit “Hugo” vor 23 Jahre vergleichbar gewesen.

Zwischenzeitlich habe man für die dort ansässige Wirtschaft, vor allem die Pharmazeutische Industrie ist dort stark konzentriert, mit entsprechenden Bauvorschriften vorgesorgt. Hillgraf schätzt, dass FM Global nun trotz eines zehnfach so großen Portefeuilles wie vor 23 Jahren nun weniger als ein Zehntel der damaligen Schadenlast zu ersetzen hat.

Angesichts von Faktoren wie Klimawandel, Globalisierung und ähnlichem werde die “Lücken zwischen dem was versichert ist und dem, was passieren kann, immer größer.” Daran müssten Versicherer, Makler und Kunden arbeiten, damit die Industrieversicherung relevant bleibe.

Angesichts des marktweit noch geringen Digitalisierungsgrades in der Industrieversicherung fordert Peter Knaus, Leiter Industrievertrieb und Direktionen bei der Axa Konzern AG: “Bei der digitalen Transformation geht es meist nur um einseitige Optimierung. Jeder versucht, sein Geschäftsmodell in Ordnung zu bringen. Vernachlässigt werden oft Schnittstellen und Standards. Es ist höchste Zeit, dass wir über Schnittstellen und Standards reden!”

Blockchain macht händische Arbeit überflüssig

Andreas Berger, Vorstand der Allianz Global Corporate & Specialty SE, berichtet am Montag auf der MCC-Fachkonferenz “Industrieversicherung 2018″ in Köln unter anderem über erste Erfahrungen mit Blockchain. Auch dort müssten Standards entwickelt werden für Effekte, die für die Branche “enorm” sein würden.

Bei einem globalen Versicherungsprogramm für 100 Länder und mit 2.000 Beteiligten kämen jährlich 28.000 Mails zusammen. “Mit Blockchain wären 80 Prozent dieser händischen Arbeit nicht mehr notwendig”, so Berger. Denn ein Großteil dieser Mails bezögen sich auf “Trouble shooting” und Zuständigen, die durch diese Technik eindeutig geregelt werde.

Einen wesentlichen Aspekt in den Vorträgen wie auch Diskussionen nahm die Konzentration auf den Kunden. Auch Berger sagte, dass man “stärker vom Kunden her denken” müsse. Die bisherige Vorgehensweise fällt der Branche jetzt bei den Cyberdeckungen auf die Füße. Die unterschiedlichen Absicherungen von Eigen-, Dritt- und Betriebsunterbrechungsschaden lassen sich eindeutig nämlich keiner der bestehenden Sparten zuordnen.

Interessant ist auch die Resonanz der versicherungsnehmenden Industrie auf das neue Eigenkapitalregime Solvency ll. “Die SCR-Quote ist für uns ein Zusatzfaktor, um das Counterpart Risiko zu beurteilen”, sagte Eberhard Faller, Senior Vice President Corporate Insurance BASF. “Zuerst schauen wir auf das Rating und die Bilanzen sowie die Geschäftsberichte“, sagte er weiter. Die SFCR-Berichte hält er für eine “Infrarot-Momentaufnahme”, für die “man nicht die Zeit habe, das alles durchzulesen”. (lie)

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