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IBM: Insurtechs werden Branche inspirieren und zerreißen

19.02.2018 – digital_98172431_FotoliaSich vom Markt abhebende Versicherer arbeiten mit oder investieren in Insurtechs. Die Langsamen werden vom Druck zerrieben. Das ist das Kernergebnis eines Marktreports von IBM, wofür 1.200 Spitzenkräfte inklusive Vorstände weltweit befragt wurden. Der Computerriese macht den Insurtech- und Technik-Verweigerern wenig Mut und begründet das, indem er die Branche selbst zu Wort kommen lässt. Es geht ein Riss durch die Branche.

Die Branche arbeitet mit Insurtechs zusammen und lässt sich inspirieren, zumindest die Outperformers, von denen noch einige Male die Rede sein wird. Stolze 81 Prozent dieser Überperformer haben bereits in Insurtechs investiert oder arbeiten mit Ihnen zusammen. Laut IBM begrüßen diese Unternehmen den Effekt, dass Insurtechs Wachstum, neue technische Möglichkeiten und Effizienz in die Branche tragen. In diesen Bereichen sind die Neuen zuhause.

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Die Versicherer hätten verstanden, dass durch Insurtechs neue Wege der Kundenkommunikation entstünden, besonders durch artificial intelligence (AI), cognitive capabilities, Internet of things, blockchain und cloud. Die Kunden schätzen die neuen Möglichkeiten und fordern sie von ihren Versicherungspartnern, egal ob etablierte Kraft oder Neuling. Die Botschaft scheint angekommen, über die Hälfte (56 Prozent) der 1200 befragten Entscheider sehen Insurtechs als Chance, die eigenen Kundenbeziehungen zu verbessern. Das lässt sich auch monetär ausdrücken, die Investments in Insurtechs betrugen zwischen 2014 und 2016 über “5 Billions US-Dollar”.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Die Insurtechs werden die Branche “zerreißen” (disrupt) glauben fast 75 Prozent der Vorstände. Allerdings sehen nur 43 Prozent diesen Effekt bei ihrem eigenen Geschäft. IBM warnt vor einer Selbstüberschätzung der eigenen Stärke. Die Insurtechs selbst schätzen ihren disruptiven Einfluss sehr viel geringer ein. Lediglich rund 33 Prozent sehen sich in einem Verdrängungskampf mit den etablierten Kräften. Immerhin 44 Prozent bezeichnen sich als Partner. Eine Evolution in der Branche sehen 52 Prozent der Insurtechs, unabhängig davon, ob sie sich als Partner oder Konkurrent sehen. Am stärksten vertreten sind die Insurtechs in digital solutions, comparsions und beim software provide.

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Die Grafik zeigt, dass die Insurtechs keineswegs nur Bereiche besetzen, die den Interessen der Versicherer diametral gegenüberstehen. Interessanter Fakt, lediglich 26 Prozent der 400 untersuchten Insurtechs arbeiten ausschließlich digital.

Die dynamischen Organisationen auf Seiten der Versicherer reagieren bereits und setzen digitale Technologien ein, um in Bereichen wie Versicherungsfunktionen, Operationen und Kundenbetreuung Vorteile zu erzielen, stellt IBM fest.

Die Waagschale neigt sich bereits

Es wird zu einer Wende auf dem Markt kommen, dass sind sich Insurtechs und ihre Kapitalgeber ebenso sicher wie die Versicherer. Geschehen wird das dadurch, dass traditionelle Produkte durch persönliches Risiko-Management, Micro-Produkte und Versicherung als Service verdrängt werden. Diesen Weg, hin vom Versicherer zum Partner der Kunden haben auch einige deutsche Versicherer bereits eingeschlagen. An die genannte Entwicklung glauben 80 Prozent der Insurtechs und sogar noch mehr der Kapitalgeber, die ja selbst oft Versicherer sind.

Die genannte Entwicklung wird dazu führen, dass die die Versicherten in die Lage versetzen werden, ihre Risiken selbstständig besser zu managen (Riskmanagement). Das wird ihrer Affinität für herkömmliche Produkte abträglich sein und zum Kauf von Mini-Produkten führen.

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Das Problem liegt nicht im Erkennen der kommenden Situation, sondern in der Umsetzung. 68 Prozent der befragten Vorstände sehen die beschrieben Umwälzung im Bereich Riskmanagement, doch schrecken vor einer strategischen Umzusetzen zurück. Nur knapp über die Hälfte der Befragten hat die Erkenntnis bereits umgesetzt.

Das Problem ist dargestellt, der Markt wird sich wandeln und das bedeutet, dass einige Etablierte und natürlich auch einige Insurtechs auf der Strecke bleiben werden. Trotz des Drucks in der Branche arbeiten beide Seiten aber zusammen, es entsteht eine Mischung aus Akquisition und Partnerschaft, wie beide Seiten übereinstimmend bezeugen.

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Die langsamen Anderen

Viel wurde über die Outperformer gesprochen, die die Neulinge und ihre Innovation begrüßen. Doch wie steht es mit den Langsamen? IBM hat eine klare Ansicht und spricht davon, dass die Insurtechs für diese Unternehmen einem Alptraum gleichkommen.

Der Druck wird für die Verweigerer sehr stark werden, weniger durch die Insurtechs selbst, sondern besonders wegen der unternehmerisch schnellen Outperformers. Diese werden die neuen Möglichkeiten mit Hilfe oder durch Kauf der Insurtechs verbessen und weiterentwickeln, auch über die Grenzen des eigentlichen Geschäftes hinaus. Damit ziehen Sie Kunden an, die an den neuen Möglichkeiten partizipieren wollen und sie bei ihrem Partner im Bereich Absicherung voraussetzen.

Es sei nicht wichtig, ob die Insurtechs am Markt bestehen würden, oder ob sie selbst der Disruption zum Opfer fallen, ihre Ideen “are here to stay”. (vwh/mv)

Link: Die vollständige Studie im Überblick

Bildquelle: Fotolia

Grafikquelle: IBM

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