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Hybridprodukte: Wer mehr Sicherheit will, muss draufzahlen

27.11.2017 – Aktien, Boerse, Kurs, Sturz minus Verluste Windoria_ pixelio.deVon Simon Radstaak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig: Als Antwort auf Niedrigzinsen und Solvency II setzen Versicherer auf Hybridprodukte. Durch mehrere Anlagetöpfe versprechen sie Sicherheit und eine bessere Rendite. Ob diese realisiert wird, hängt auch von der Kostenbelastung ab. Fraglich ist auch die Kundenakzeptanz: Es gibt zu viele Auswahlmöglichkeiten für Kunden und Vermittler.

Hybridprodukte zeichnen sich dadurch aus, dass die Anlage des Sparanteils in verschiedenen Kapitalanlagearten, sog. Töpfen, erfolgt und zum Ablauf des Vertrags eine Mindestleistung garantiert wird, die in einem bestimmten Verhältnis zu den gezahlten Beiträgen steht. Eine jährliche Gesamtgarantieleistung bieten Hybridprodukte im Allgemeinen allerdings nicht. Stattdessen wird dem Versicherungsnehmer die Möglichkeit eröffnet, wie bei der fondsgebundenen Lebensversicherung, stärker direkt an der Wertentwicklung der Kapitalmärkte zu partizipieren.

Die Sicherstellung der endfälligen Garantieleistung erfolgt implizit durch die Kapitalanlage in den verschiedenen Kapitalanlagetöpfen und wird nicht isoliert davon vorgenommen. Dadurch lassen sich Hybridprodukte von anderen neuartigen Garantiekonzepten wie Variable Annuities, welche vorrangig in angelsächsischen Ländern verbreitet sind und bei denen die Garantieerzeugung separat erfolgt, abgrenzen.

Zwischen den Töpfen

Für die Kapitalanlage bei Hybriden werden entweder zwei Töpfe (das konventionelle Sicherungsvermögen sowie ein Garantiefonds mit Mindestwert) oder drei Töpfe (zusätzlich durch den Versicherungsnehmer frei wählbare Fonds) genutzt.3 Sichergestellt wird die Garantieleistung nun durch eine dynamische Wertsicherungsstrategie, welche nach einem fest definierten Regelwerk sowohl die laufenden Beiträge als auch das bereits angesparte Kapital während der gesamten Vertragslaufzeit in Abhängigkeit der Kapitalmarktentwicklungen zwischen den einzelnen Anlagetöpfen umschichtet.

Dabei ist das Ziel, die Garantie darstellen zu können, ohne dauerhaft einen beträchtlichen Anteil der Beiträge im Sicherungsvermögen (Topf 1) anlegen zu müssen. Das Sicherungsvermögen wird nur dann dotiert, wenn unter Beachtung des maximal möglichen Verlusts in einer Periode der Wert des Garantiefonds (Topf 2) und der freien Fonds (Topf 3) nicht mehr ausreicht, die Garantiezusage zu erfüllen. In diesem Fall wird ein Teil des Fondsguthabens in das konventionelle Sicherungsvermögen umgeschichtet, dessen Anteil, je nach Marktentwicklung, somit zwischen null und 100 Prozent ausmachen kann. Verbessert sich die Marktsituation, so können die Beiträge und auch das vorrübergehend im Sicherungsvermögen angelegte Guthaben wieder in die risikoreicheren Anlagetöpfe umgeschichtet werden.

Endogene und exogene Restriktionen

Auch  Hybridprodukte die (temporäre) Anlage im konventionellen Sicherungsvermögen, samt der dabei zu beachtenden gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen. Die Anlage in freie Fonds hingegen unterliegt weniger strengen (aufsichts-) rechtlichen Regelungen. Insbesondere die Garantieerzeugung bei Hybridprodukten hat dabei inhärente Auswirkungen auf das Kapitalanlagemanagement, da aus ihr die wesentlichen Anlagerestriktionen und -risiken resultieren.

Im Bereich der Kapitalanlageplanung entstehen damit sowohl endogene als auch exogene Restriktionen. Endogene Restriktionen entstammen bei Hybridprodukten insbesondere der Produkt- und Garantiegestaltung. Diese beeinflussen die grundsätzliche Wahl der Kapitalanlagetöpfe und die Kapitalallokation auf die Anlagetöpfe, ebenso wie die Anlagedauer in den Töpfen. So ermöglicht etwa ein Garantieniveau von 80 Prozent der Bruttobeiträge eine stärkere Risikoexponierung als ein Garantieniveau von 100 Prozent. Exogene Restriktionen, wie die Anlagegrundsätze des VAG, betreffen vorrangig, aber nicht ausschließlich das konventionelle Sicherungsvermögen. Durch die Verwendung mehrerer Kapitalanlagetöpfe mit teils konkurrierenden Zielvorstellungen muss der Investmentprozess bei Hybridprodukten zudem mehrfach durchlaufen werden.

Verloren im Kostendschungel

Für die Rendite von Hybridprodukten ist, neben der Entwicklung der Kapitalmärkte, die Kostenbelastung entscheidend. Die Kosten, die durch die Darstellung einer Garantie entstehen, lassen sich in Kosten expliziter Art und solche impliziter Art unterteilen. Explizite Garantiekosten entstehen bspw. durch Gebühren oder Transaktionskosten, während implizite Kosten durch den in Kauf genommenen Renditeverzicht verursacht werden. Bei Hybridprodukten lassen sich diese Garantiekosten jedoch ex ante nicht quantifizieren. Die Ursache liegt in der Pfadabhängigkeit der dynamischen Wertsicherungsstrategie, die zu einer Pfadabhängigkeit auch bei den Kosten führt. Die expliziten Kosten bestehen lediglich aus den für die Umschichtungen notwendigen Transaktionskosten und können daher vernachlässigt werden.

Bedeutsamer für die Kostenbetrachtung sind hingegen die impliziten Kosten, die sowohl auf Ebene des Garantiefonds als auch auf Versicherungsvertragsebene anfallen. Sie entstehen durch die Trendfolgeeigenschaft der Wertsicherungsstrategie und führen dazu, dass das Gewinnpotenzial absolut zwar unbegrenzt ist, relativ zu einem ungesicherten Portfolio aufgrund der möglichen (Teil-)Investition in festverzinsliche Papiere bzw. das Sicherungsvermögen aber geringer ausfallen wird.

Neben den in direktem Zusammenhang mit der Garantieerzeugung stehenden Kosten fallen bei Hybridprodukten zudem Kosten für die Kapitalanlage im Sicherungsvermögen sowie allgemeine Verwaltungs-, Abschluss- und Vertriebskosten der Produkte an. Für die Fondsanlage (Topf 2 und 3) entstehen zudem Kosten für die Entlohnung des Fondsmanagements sowie für die Verwaltung des Kapitals, die dem Fondsvermögen entnommen werden.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der November-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: Windoria / PIXELIO / www.pixelio.de

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