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Hochkonjunktur mit etwas Wasser im Wein

08.09.2017 – schroeder_heise_mvbAlle wesentlichen Konjunkturdaten in Deutschland weisen nach oben und werden dies auch 2018 tun. Von einer “beeindruckenden Entwicklung” sprach Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise bei der Vorstellung des “Konjunkturausblick 2017/18″ in Frankfurt am Main. Der Export befinde sich dank einer Wiederbelebung des globalen Welthandels wieder im Aufwind, die Binnennachfrage sei weiter gestiegen, und im Baubereich werde kräftig investiert.

Auf Jahresrate gerechnet ergab sich im ersten Halbjahr 2017 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,7 Prozent. “Das ist das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem ersten Halbjahr 2011″, betonte Heise. Er erwartet, dass sich diese Entwicklung im zweiten Halbjahr fortsetzt, auch wenn die Zahlen dann etwas moderater ausfallen könnten. Für das Gesamtjahr 2017 lautet seine Prognose preisbereinigt 2,0 Prozent. Dies gelte auch für 2018. Für den Export erwarten die Allianz-Volkswirte für dieses Jahr einen Zuwachs um vier Prozent. Einer ähnliche Größenordnung dürfte auch für 2018 gelten.

Seitenhieb auf EZB-Präsident Mario Draghi

Kritische Stimmen, wonach Deutschland als “Exportweltmeister” zu wenig für die Binnenkonjunktur tut, finden in den objektiven Daten der von Allianz-Volkswirt Rolf Schneider und seinem Team erstellten Analyse keine Bestätigung. Betrachtet man den Zeitraum vor der Wirtschaftskrise seit 2008 bis heute, so wurde das um 10,9 Prozent gestiegene BIP zu 8,9 Prozent von öffentlichen und privaten Konsumausgaben getragen, während Außenhandel und Bruttoinvestitionen nur 1,2 bzw. 0,8 Prozent dazu beitrugen.

“Kräftiges Wachstum” habe es auch bei der Entwicklung der nominalen Einkommen gegeben. Doch die Intention von EZB-Chef Mario Draghi, dass die Deutschen angesichts des Niedrigzinses zur Ankurbelung der Konjunktur ihr Geld lieber konsumieren statt anlegen sollten, ging nur teilweise auf. Denn interessanterweise stieg auch die Sparquote der Anleger weiter an.

Also alles gut? Nicht ganz – bei aller Freude über die Lage gebe es auch Verbesserungsbedarf, so Heise. Insbesondere bei den Ausrüstungsinvestitionen sieht er “eine erhebliche Schwäche der deutschen Wirtschaft”. Man habe hier erst jetzt in etwa wieder das Niveau von 2008 erreicht. Die gute Liquiditätslage, steigende Kapazitätsauslastung der Unternehmen und die günstigen Finanzierungskonditionen sollten diesem Bereich eigentlich mehr Schwung verleihen.

Unsicherheiten bei den Finanzmärkten und im Fachkräftemangel

Hemmnisse lägen indes häufig in einer gewissen Unsicherheit über die Entwicklung neuer Technologien und der Finanzmärkte sowie im Fachkräftemangel. Auch im öffentlichen Bereich laufe bei weitem nicht alles rund. Mit Blick auf die vorhandenen Überschüsse des Staates in Höhe von 30 Mrd. Euro müsste in viel stärkerem Maße in die Infrastruktur investiert werden. Doch zeige sich beispielsweise im Bausektor, dass die Kommunen aufgrund des Abbaus fachlichen Know-hows in den Verwaltungen in den Vorjahren jetzt Probleme bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten hätten.

Allgemein müsse sich das Investitionsklima am Standort Deutschland weiter verbessern, mahnte der Chefvolkswirt und folgte damit der Empfehlung der “Wirtschaftsweisen” und ihrem Leitsatz “Zeit für Reformen”. Dennoch: Die Allianz-Volkswirte erwarten neben einer Verdoppelung von Ausrüstungsinvestitionen in 2018 gerade vom Baubereich “deutliche Wachstumsimpulse” – allein fünf Prozent Steigerung im Wohnungsbau. “Wir gehen von einer bereits vorhandenen Hochkonjunktur in einen Aufschwung”, so die optimistische Einschätzung Schneiders. (mvb)

Bild: Rolf Schröder (links) und Michael Heise (rechts) bei der Vorstellung des “Konjunkturausblick 2017 / 2018″. (Quelle: mvb)

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