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Haften Versicherer bei vergifteter Babynahrung?

29.09.2017 – Baby by_Helene Souza_pixelio.deEin oder mehrere Täter erpressen Handelskonzerne um einen “niedrigen zweistelligen Millionenbetrag”. Sollten die Unternehmen nicht zahlen, würden bundes- und europaweit vergiftete Lebensmittel in den Filialen der Konzerne deponiert, laute die Drohung. Bereits fünf Produkte mit einer womöglich tödlichen Menge Gift wurden in Friedrichshafen am Bodensee sichergestellt. Droht eine Rückrufaktion und haften dafür Versicherer?

Die ausgelegten manipulierten Produkte wurden laut Polizei allesamt sichergestellt. Der oder die Täter hätten aber die weitere Ausbringung von vergifteten Lebensmitteln angedroht. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer “schweren Straftat von außergewöhnlicher Bedeutung”, die Polizei von einem “herausragenden Erpressungsfall”. Es sei davon auszugehen, dass der Täter “sehr skrupellos” sei.

Laut Bild hätten Mitte September die Lebensmittelkonzerne und Drogeriemarktketten Aldi, Rossmann, Lidl, DM, Müller, Edeka, Norma und Rewe Erpresserschreiben bekommen. Der Erpresser forderte demnach zehn Mio. Euro von Supermärkten in Friedrichshafen.

Es ist noch unklar, ob Versicherer für mögliche Umsatzeinbußen haften müssen. Grundsätzlich sind Lebensmittelkonzerne zahlreichen Gefahren ausgesetzt, die sich über eine Produkthaftpflicht- und eine Produktschutzversicherung tragen lassen. Die Produkthaftpflichtversicherung deckt geltend gemachte Schadenersatzansprüche eines geschädigten Dritten infolge eines Personen- bzw. Sachschadens ab. Als nicht versichert gelten hier Eigenschäden – zum Beispiel Herstellungskosten sowie entgangener Gewinn – und Kosten des fremden oder eigenen Rückrufes. Diese wiederum können durch eine Produktschutzversicherung gedeckt werden.

Wenn Lebensmittel während des Produktionsprozesses versehentlich oder vorsätzlich durch Dritte – inklusive Mitarbeiter – kontaminiert werden, dann greift die Produktschutzdeckung. “Der Rückruf und die Ersatzleistungen gegenüber den Geschäftspartnern sind nur eine von vielen Konsequenzen, die betroffene Unternehmen zu tragen haben. Neben der gesetzlichen Rückrufverpflichtung, die auf den drohenden Personenschaden abstellt, können auch behördlich angeordnete Rückrufmaßnahmen – ohne drohenden Personenschaden – Auslöser für einen Rückruf sei”, erklärt Denise Dogan, Food-Expertin bei Aon Risk Solution.

“Zudem kann es negative Presse über die Lebensmittelsicherheit eines Unternehmens oder einzelner Produkte geben, was Auswirkungen auf die Reputation und damit einhergehend auf den Umsatz haben kann. Ferner werden Endverbraucher beispielsweise nicht weiter konsumieren oder der Einzelhändler das Produkt oder sogar das Unternehmen aus dem Sortiment listen. Solche Langzeitschäden sind eingeschlossen.”

Dazu kommen sogenannte Rehabilitationskosten, die anfallen, wenn das betroffene Produkt und die Marke wieder etabliert werden sollen. Dafür sind etwa Werbemaßnahmen oder Neuentwicklungen nötig, weil das Unternehmen seine Produkte nicht länger unter gleichlautender Aufmachung vertreiben kann. Die Krisenberatung gehört ebenfalls zum Umfang der Produktschutzversicherung, da das Verhalten von Unternehmen einen massiven Einfluss auf das Ausmaß einer Krise, den zu erwartenden Imageverlust, die Länge der Erholungsphase, die Beschädigung der Marke und auch die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen hat. (vwh/dg)

Bildquelle: Helene Souza / PIXELIO / www.pixelio.de

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