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Greco: “Nur Krieg kann die Globalisierung aufhalten”

11.09.2017 – greco_symposium_akDie Globalisierung ist bekanntlich längst auch in der Versicherungswirtschaft angekommen. Für Zurich-Chef Mario Greco liegt die Zukunft der Branche längst nicht mehr in Europa. Der Grund: der Kontinent leide an Überalterung, dessen Einwohner seien zu wenig digital-affin und zu wenig innovativ, betonte er auf dem GVNW-Symposium in München. Die Zukunft sieht Greco dabei vor allem in den USA und Asien.

Mit rund 700 Teilnehmern aus der aller Welt, davon allein 30 Prozent als Vertreter der versicherungsnehmenden Industrie, ist das GVNW-Symposium eine der wichtigsten und größten “Jahreshauptversammlungen” der Industrieversicherer überhaupt. “Globale Risiken und Trends – lokale Herausforderungen!” lautete das lange vor den aktuellen Krisen gewählte Motto der diesjährigen Veranstaltung in München. Dem entsprechend standen Reden, Panels und Workshops ganz im Zeichen von Globalisierung, Digitalisierung und Brexit.

Auch wenn für die Betroffenen der aktuellen Wirbelstürme in der Karibik katastrophale Konsequenzen zu konstatieren sind, für die Vertreter der Industrieversicherer sind solche Ereignisse die Grundlage des Geschäftsmodells, eines Geschäftsmodells welches durch niedrige Zinsen, neue Marktteilnehmer und insgesamt zurückgehende Schadenereignisse weltweit unter Druck geraten ist. Was im Bankensektor bereits Realität ist, kann und wird wohl auch in der Versicherungswirtschaft Einzug halten: Bankgeschäfte ohne Banken gibt es bereits, aber Versicherungen ohne Versicherer? Das bleibt erst einmal schwer vorstellbar.

Laut Alexander Mahnke, Risikomanager bei Siemens und seines Zeichens Vorsitzender des Gesamtverbandes der Versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) präsentieren sich die Märkte sehr unterschiedlich: Kapazitätsengpässe gebe es keine, der Bereich Haftpflicht bleibt weiter weich. Schwierig bliebe, so Mahnke in seiner Eröffnungsrede, jedoch die Ertragslage bei der Sachversicherung, wohingegen die Sparten Technische Versicherung, Transport- und Warenversicherung weiter stabil blieben.

Attraktiv bleibt weiter auch das Segment der D&O und durchaus auch die Kreditversicherung, wobei sich hier zwei Player 50 Prozent des Marktes teilen. Einen Rückgang ist bei der Flottenversicherung feststellbar, wobei Cyber noch die höchste Dynamik aufweist. Hier ist die Branche jedoch noch in der Erprobungsphase, zahlreiche Produkte befinden sich noch in der Pipeline und die Gewinnung der Marktreife ist hier ein ganz besonders langer Prozess. Wo Mahnke die größten Wachtumspotenziale erkennt und was er dem Vertrieb ins Stammbuch schreibt, erklärt er im Interview mit VWheuteTV:

Noch weiter spannte den Betrachtungsbogen Mario Greco, Group Chief Execution Officer der Zurich Group. In einer Tour d’Horizont, die manchem Zuhörer in den Ohren geklungen haben dürfte, skizzierte Greco die Zukunft der Versicherungswirtschaft. Diese liegt laut Greco nicht in Europa, denn der Kontinent leide an Überalterung, dessen Einwohner seien zu wenig digital-affin und zu wenig innovativ.

Erfindungen kommen in diesem Bereich vor allen Dingen aus Asien und den USA, Europa könne da lediglich die Rolle des ausgleichenden Moderators spielen. Eine echte Revolution hat Greco identifiziert, einen Umsturz der von asiatischen “digital natives” angetrieben werde. Künstliche Intelligenz (AI) und Robotik sind die weiteren Innovationstreiber. Konkrete Antworten, wie diesen Herausforderungen begegnet werden könnte hat aber auch Greco noch nicht.

Nur soviel steht fest, wer diese neue Dynamik nicht aufnimmt, macht demnächst weniger Geschäft oder verschwindet gleich ganz von der Bildfläche. 4.000 Versicherungsunternehmen gibt es in Europa, die gleiche Zahl kommt noch einmal aus den USA hinzu. Dieser Bestand wird sicher nicht so bleiben, zeigte sich der Manager überzeugt.

Als Optimist sieht Greco vor allen Dingen den Bereich Health als Wachstumssparte, der geringen Sozialabsicherung in weiten Teilen der Welt sei Dank. Der Kunde zwischen zunehmender Personalisierung bei gleichzeitiger Standardisierung sei aber kein Paradoxum, sondern Ausdruck des Kultur- und Paradigmenwandels. “Nur Krieg kann diese Entwicklung aufhalten”, zeigte sich Greco überzeugt. Das Fazit seines in englischer Sprache gehaltenen Vortrages hier im Video:

(vwh/ak)

Bild: Mario Greco beeindruckte die Teilnehmer des GVNW-Symposiums mit einer aufrüttelnden Rede. (Quelle: Alexander Kaspar)

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