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Garantien sind tot! Es leben die Garantien!

01.02.2017 – lars_heermann_lieImmer mehr Lebensversicherer verabschieden sich von klassischen Garantien. Gleichwohl bleiben Garantien an sich ein zentraler Stellhebel in der Produktgestaltung. Problematisch: Eine Art Marktstandard hat sich bei den neuen Produkten noch nicht herausgebildet. “Es gibt ein ziemliches Durcheinander und keine klare Linie”, kritisiert Assekurata-Analyst Lars Heermann bei der Vorstellung der aktuellen Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2017.

Von den 52 Lebensversicherern, die an der Studie teilgenommen haben, bieten noch 34 Gesellschaften klassische Rentenverträge mit einem Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent. Weitere elf Anbieter agierten mit einem niedrigeren Rechnungszins in einem Randbereich zur Neuen Klassik. Bei den klassischen Produkten sinkt die laufende Verzinsung über alle Tarifgenerationen und Produktarten im arithmetischen Mittel der Studie zufolge für 2017 auf 2,88 (3,11) Prozent. Ältere Bestände profitierten vom Garantiezins, jüngere Bestände lägen zum Teil deutlich unter diesem Wert, so Heermann.

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Mit Ausnahme der SV Versicherung haben alle untersuchten Anbieter ihre Deklaration für 2017 gesenkt. Die garantierte Beitragsrendite des von Assekurata stets zugrunde gelegten Mustervertrags, der unter anderem eine 25-jährige Ansparzeit vorsieht, beträgt im Durchschnitt 0,11 (0,42) Prozent. Elf Anbieter schaffen der Studie zufolge beim Höchstrechnungszins keine positive Beitragsrendite mehr.

Erstmals untersucht wurde auch das klassische Geschäft gegen Einmalbeitrag. Die oft befürchtete Spekulation gegen das Kollektiv lässt sich laut Assekurata nicht bestätigen. Beim Mustervertrag mit einer Aufschubzeit von zwölf Jahre ist die illustrierte Beitragsrendite nach einem Versicherungsjahr mit minus 5,16 Prozent im Durchschnitt negativ. Im günstigsten Fall erhalte der Kunde eine Beitragsgarantie. Die Unterschiede in diesem Geschäft seien größer als in der Prämie gegen laufenden Beitrag, so Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

Bei der Neuen Klassik soll sich das Angebot 2017 um die Continentale, Hansemerkur und Sparkassenversicherung Sachsen erweitern. Gemeinsamer Nenner der Neuen Klassik sind garantierte Rückkaufwerte und garantierte lebenslange Rente, ansonsten unterscheiden sich die Angebote hinsichtlich acht Garantiemerkmalen und der Kapitalmodelle. Trotz geringerer Garantie gewährt der Marktschnitt keine höhere Überschussbeteiligung; unternehmensindividuell sieht dies jedoch anders aus. “Wer Klassik schreibt, gewährt da tendenziell mehr”, so Will.

Auch bei den Indexpolicen sind die Garantiemodell höchst unterschiedlich: Von den zehn (13) Anbietern gewähren beispielsweise drei keinen Beitragserhalt. Die wesentlichen Unterschiede beruhen aber im Investmentmodell. Gemeinsam ist den untersuchten Tarifen, dass das Kapitalverlustrisiko für den Kunden ausgeschlossen ist. Das hat jedoch seinen Preis: Der Kunde wird nur anteilig an der Wertentwicklung des Indexes beteiligt. “Damit ist die Gefahr groß, dass Indexpolicen unglaubwürdig verkauft werden. Denn ob ein Kunde Gewinn einstreicht oder nicht, hängt von den Zeitpunkten des Einstiegs ab. Somit habe ich Sorge, dass ihm nur großartige Zeiten gezeigt werden”, so Heermann.

Wie in den Vorjahren wurde auch die Entwicklung der Zinszusatzreserve untersucht. Für 2016 müssen danach marktweit 13 Milliarden Euro zugeführt werden. Dies entspreche rund 160 Basispunkte Kapitalanlageertrag. Bei Fortschreibung der Zinsentwicklung und der Methode müssten nach Berechnung von Assekurata bis 2025 rund 196 Mrd. Euro Zinszusatzreserve gebildet werden. “Die Belastungen wachsen”, so Will. Er warnt davor, dass einzelne Unternehmen dies in Zukunft nicht mehr finanzieren könnten. (lie)

Grafikquelle: Assekurata

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