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Polen auf dem Weg zum Silicon Valley für Versicherer

26.06.2017 – michal_trochimczuk_sollersVon Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting. Ohne viel Geräusch hat sich Polen zu einem bedeutenden Hub für IT-Dienstleistungen gemausert. Nach den Banken greifen immer mehr Versicherer auf polnisches Entwickler-Know-how zurück. Was die Modernität der Systeme anbetrifft, sind die Versicherer Polens den Deutschen voraus.

Es ist im Westen Europas wohl nur absoluten Insidern bewusst, dass sich Polen zu einem bedeutenden IT-Hub entwickelt hat. Polnische Unternehmen sind nicht mehr nur gefragte Outsourcing-Partner britischer Banken und kontinentaleuropäischer Versicherer. Mit großem Selbstbewusstsein erobert eine ganze Phalanx polnischer Unternehmen mit IT-Dienstleistungen den Globus.

Wer sich polnische Versicherungsunternehmen anschaut, mag darüber staunen, wie modern ihre IT-Infrastruktur ist. Fast alle großen Versicherer Polens haben bereits Mitte der 2000er Jahre ihre IT-Systeme erneuert. Sollers hatte an diesem Modernisierungsschub einen wesentlichen Anteil. Die Versicherer jenseits der Oder arbeiten jetzt mit Standardsystemen, die es ihnen erleichtern, neue Produkte an den Start zu bringen. Schäden werden bei polnischen Versicherern in der Regel dunkel verarbeitet.

Der Weg dahin war nicht leicht. Die meisten Versicherer haben bei der Implementierung neuer Systeme Neuland beschritten. Bis auf den Marktführer handelt es sich bei allen Versicherern um Neugründungen, Green-Field-Operations, die nach dem Zusammenbruch des Kommunismus entstanden sind. Die 1990er Jahre waren vom Aufbau geprägt. Oft mussten die Versicherer Polens dabei improvisieren, weil die Umstände nicht mehr erlaubten, sowohl finanziell als auch organisatorisch.

Vielen deutschen Versicherern steht dieser Erneuerungsprozess noch bevor. Ein großer Teil von ihnen arbeitet mit einem oder gar mehreren selbst entwickelten Systemen. Was in den 1980er Jahren eine absolute Pionierleistung war, wird angesichts der digitalen Beschleunigung zur Last. Schnittstellen, Sicherheitslücken, überlange Produktentwicklung: Es gibt kaum einen Versicherungsmanager, der sich darüber keine Gedanken macht. IT ist Chefsache geworden. Und die anfälligen Altsysteme rufen sogar Bafin-Chef Felix Hufeld auf den Plan.

Die polnische Regierung versucht, nach dem Backoffice auch das Frontoffice britischer Banken nach Mitteleuropa zu locken. Jetzt zieht es die Versicherer nach Osten. Zuletzt hat Ergo angekündigt, ein Büro mit Entwicklern in Warschau aufbauen zu wollen. Einer der Gründe, warum polnische Entwickler so gefragt sind, ist wohl auch in ihrem Improvisationstalent zu suchen. Geprägt durch die Mangeljahre haben sie agiles Projektmanagement quasi im Blut, für viele Deutsche ist der Weg dahin noch mit langen Lehrstunden verbunden.

Bild: Michał Trochimczuk (Quelle: Sollers)

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