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DVAG gibt Treffen mit AWD-Rufmörder Schabirosky zu

25.10.2017 – andreas_pohl_dvagStefan Schabiroskys Enthüllungen seiner Rufmord-Kampagne gegen den Finanzdienstleister AWD und seinen Gründer Carsten Maschmeyer im Auftrag der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) könnten der Wahrheit entsprechen. DVAG-Aufsichtsratschef Friedrich Bohl bestätigte gegenüber dem Manager Magazin, dass er sich mit Schabirosky traf und ihn verpflichtete. DVAG-Chef Andreas Pohl will an Bohl festhalten. “Ein Skandal”, findet Schabirosky.

Der Buchautor fordert Bohl auf, Konsequenzen zu ziehen: “Ein solches Verhalten ist ein Hohn für einen Milliarden-Konzern wie die DVAG und eines Aufsichtsratschefs unwürdig”, urteilt Schabirosky. Der Hamburger Fachwirt für Finanzberatung teilt die Einschätzung des Manager Magazins, nach der Bohl genau wisse, dass er seinen “Schnitzer” bei jedem anderen Unternehmen mit “Amtsentzug” bezahlt hätte. Sein Verhalten sei ein Fehler gewesen, räumte Bohl nun ein: Er würde dies “nicht wieder tun”.

Schabirosky schildert in seinem Buch  (“Mein Auftrag: Rufmord”, Herbig-Verlag), wie er seinen Job beim AWD wegen einer unglücklichen Büroliebe verlor und daraufhin sich an den konkurrierenden Finanzvertrieb DVAG wandte und anbot, Maschmeyer und den AWD durch eine Rufmordkampagne mit größtenteils erfundenen Vorwürfen zu schädigen. Dieses “Unternehmen Donnerwetter” hörte sich ein “bisschen großspurig an”, gibt Schabirosky zu. Dass
es Erfolg haben wird, hat er anfangs auch nicht geglaubt. “Damals ahnte ich noch nicht, wie einfach es wurde, Carsten Maschmeyer zum Sündenbock zu machen. Dabei trug er an der Schieflage einiger geschlossener Fonds keine Schuld”, heißt es in dem Buch.

Versicherungsfuzzi bringt AWD-Imperium zu Fall?

Schabirosky behauptet, dass er monatliche Honorarzahlungen der DVAG zwischen 6.000 und 15.000 Euro in den Jahren 2003 bis 2008 erhielt. Zudem habe die DVAG Schabiroskys Spesen und Kosten der Anwälte übernommen, die Strafanzeigen gegen Maschmeyer erstatten sollten. Bohl hatte mit Schabirosky angeblich acht Verträge verhandelt und unterschrieben. Mehr als 500.000 Euro hatte die DVAG dem Rufmörder überwiesen, der u.a. Artikel in zahlreichen Leitmedien lanciert hatte. Eine vertraglich in Aussicht gestellte Sonderprämie verweigerte die DVAG ihrem als “Controller” getarnten Kampagnenführer.

Der Autor vermutet einen Steuer-Skandal hinter seinem Deal mit dem Frankfurter Konzern und fragt: “Hat die DVAG meine Honorare als Werbekosten oder Betriebsausgaben beim Finanzamt abgerechnet?” Dann hätten “die deutschen Steuerzahler meine Rufmord-Kampagne im Auftrag der DVAG indirekt mitfinanziert”. Bereits im August hatte die DVAG eine “sachliche und rechtliche Überprüfung” der Vorwürfe ankündigt. “Das Ergebnis scheint das Bekenntnis von Friedrich Bohl zu sein”, vermutet Schabirosky.

Hat Maschmeyer bei der Entstehung des Buchs mitgeholfen?

Da jedoch das Enthüllungsbuch nicht an Lobeshymnen für Maschmeyer mangelt, stellen sich viele die Frage, ob der ehemalige AWD-Chef bei der Veröffentlichung ein wenig mithalf. Der ZEIT liegen zwei frühere Fassungen des Buchmanuskripts aus den Jahren 2014 und 2015 vor, die sich an wichtigen Stellen vollkommen vom jetzt veröffentlichten Buch unterscheiden. “Für mich war die Falschberatung des AWD klar, denn ich war ja dabei”, heißt es aus dem Manuskript. Im veröffentlichen Buch klingt das aber so: “Maschmeyer trug an der Schieflage einiger geschlossener Fonds keine Schuld.”

Ohnehin ist das Buch nicht wirklich spannend, zum Teil auch unrealistisch. Es ist kein Krimi, obwohl Schabirosky sagt, dass es sich so anfühlte, weil er sich mit seinem Auftraggeber regelmäßig “in der Anonymität eines Airport-Restaurants” traf. Berichte über sein Privatleben mit “seinen Buddys” wirken extrem konstruiert, langatmig wird es, wenn Schabirosky das tausendste Treffen mit Journalisten, Anwälten und der DVAG schildert. Glaubhaft erscheint nur, dass Schabirosky eigentlich nicht genau wusste, wie er den AWD konkret in Bredouille bringen wollte. Ebenso verliefen seine Versuche, kompromittierendes Material der Presse zu stecken, nicht hürdenlos. Meist haben ihn die Journalisten selbst
darauf gebracht, was er “liefern” müsste, damit was über die AWD gedruckt würde.

Das konnte er nicht immer, bekam zufällig selbst Hilfe durch gestohlene Dateien eines Informanten. Und als Schabirosky mit seinem Latein am Ende war und auch die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren einleitete, kam der Glücksfall: Die Swiss Life stieg bei der AWD zum Hauptaktionär auf. An dieser Stelle hat man die Hälfte des Buches durch. Zum Weiterlesen muss man sich aufrappeln. Denn es folgt die Erzählung wie Schabirosky sich um seine Millionenabfindung mit der DVAG streitet, sein Geld an der Börse verzockt und weiterhin negative AWD-Berichte in der Presse lancieren lässt, um sich finanziell über Wasser zu halten. Ein spannendes Finale sucht man vergeblich. (dg)

Bild: Andreas Pohl, Vorsitzender des Vorstands Deutsche Vermögensberatung AG, Geschäftsführer und Gesellschafter der Deutsche Vermögensberatung Holding GmbH (Quelle: DVAG)

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