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Lebensversicherer in schwieriger Lage

21.11.2017 – Pleite_Insolvenz_Petra Bork_pixelio.deDie Lebensversicherung wackelt: Bei 30 von 84 Lebensversicherern reichen die im Jahr 2016 erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht für die Garantieverpflichtungen. Ebenso könnte die gesetzliche vorgeschriebene Reserve nicht bedient werden. Im Vorjahr war dies bei knapp 20 Versicherern so gewesen. Droht eine Massenpleite?

Die Versicherer müssen für die Garantien anderen Ertragsquellen anzapfen, beispielsweise Verwaltungskosten und Risikogewinnen. Das zeigt eine Studie von Policen Direkt, nach eigener Angabe Marktführer im Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Die Lage sei ernst, betont Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt: “Unsere Analyse zeigt, dass die Belastung der Lebensversicherer stark zunimmt. Mit Blick auf die Run-Off-Diskussion ist dieses Ergebnis alarmierend für einige Lebensversicherer.”

Für die Kunden bestehe “aktuell kein Grund” für Panik. Kühl erläutert: “Die Zeiten in denen es um die Höhe von Überschüssen geht, sind Vergangenheit. Heute zählt für Versicherte vor allem die Sicherheit der Garantien. Die gesetzlichen Vorgaben sind da. Hier braucht es keinen politischen Aktionismus.” Die Bafin müsse dafür sorgen, dass Versicherte auch bei einem Run-offs nicht schlechter als vorher gestellt werden. Kühl: “Es geht jetzt um die Einhaltung bestehender Gesetze und der damit verbundenen Verpflichtungen. Es geht hier nicht um Sentimentalitäten wie Unternehmensnamen.”

Keine vorschnelle Handlung

Einer vorzeitige Kündigung des eigenen Vertrages erteilt Policen Direkt eine Absage: “Die Nachricht, dass der Vertrag Ihres Kunden womöglich bald an eine andere Gesellschaft verkauft wird, stellt aktuell keinen hinreichenden Grund dar für die vorzeitige Beendigung des Vertrages”, erklärt Kühl. “Wenn Lebensumstände es dennoch erfordern, dann ist in jedem Fall der Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt, bei Anbietern wie Policen Direkt, weiterhin die bessere Alternative.”

Die (geplanten) Verkäufe großer Lebensversicherer haben das Geschäft verändert. Hermann Weinmann von der Hochschule Ludwigshafen sagte gegenüber VWheute: “Durch die Run-offs der Ergo und Generali ist es in der Branche zu einem Strukturbruch gekommen.” Nicht nur Experten, auch Branchenkollegen überschlagen sich auch nicht gerade mit Liebesbeweisen für die Run-Off-Idee. Rainer M. Jacobus, Vorstandschef der Ideal bezeichnete Run-off als Kollateralschaden für die Branche. (vwh/mv)

Link: Ertragsquellen der Lebensversicherungen im Überblick

Bild: Petra Bork / www.pixelio.de / PIXELIO

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