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Doppel X: Die Digitalisierung der Versicherung ist weiblich

02.06.2017 – Innovate_Insurance_2017_deAuf der Veranstaltung „Innovate Insurance“ von Fraunhofer IAO in Stuttgart erklärt Carolin Kröger, warum W&W Digital den Mutterkonzern nicht erneuern will. Lina Schröppel von der Digital Factory der Allianz Deutschland stellt vor, wozu die hauseigenenen “Agilen Training Center” dienen. Dass der Branche die Digitalisierung gelingt, davon zeigt sich Alexander Erdland in seiner Keynote-Rede überzeugt.

Schicke Folien, aussagekräftige Infografiken und Fachkompetenz – den überzeugendsten Vortrag auf dem erstmaligen “Innovate Insurance” der Fraunhofer IAO in Stuttgart hielt Carolin Kröger. Die Geschäftsführerin von W&W Digital, einer Ausgründung des Traditionskonzerns am Orte, verfolgt eine “Digitalisierung mit Start-up-Methoden”. Es ist der Versuch, die “Stärken aus beiden Welten” zu kombinieren. Dem Versicherungsunternehmen vertrauten nicht nur die Kunden, er verfüge auch über Erfahrung und das nötige Kleingeld – die eine Welt. Aus der anderen Welt kommend brächten IT-Start-ups ihren Unternehmergeist, ihre Organisationskultur und ihre wendigen bis trendigen Entwicklungsmethoden ein.

Die Tochter scheitert, die Mutter macht den Haushalt

Nicht das Kerngeschäft der Württembergischen soll Kröger digitalisieren, schließlich müsse der Konzern weiterhin funktionieren, die Konzerndigitalisierung werde außerdem von anderen Abteilungen vorangetrieben. W&W Digital diene vielmehr dazu ein “attraktives Start-up-Portfolio” als Finanzinvestor in den Kernthemen “Health-Tech, Insur-Tech und Prop-Tech” aufzubauen. Und der Spin-Off dient quasi als Praktikumsstelle für W&W-Kollegen, die sich in Lean Start-Up, Design Thinking, Agile Development,  – den Arbeitsmethoden – ertüchtigen wollen.

Die Digitaleinheit biete einen geschützten Raum, in dem schnell erste lebensfähige Prototypen erzeugt würden. Ausprobieren sei hier gewünscht, Scheitern erlaubt. “Wird jetzt ein Teil des Unternehmens Schmetterling und der Rest bleibt Raupe?” fragt ein Zuhörer kritisch. Kröger entgegnet, die digitale Inkubatoren erlaubten, in kleinen Projekten die größten vom Kunden gemeldeten Probleme zu adressieren. “Plattformen im ganzen Unternehmen zu verändern, schaffen sie nicht in 100 Tagen.”

Auf die agile Schulbank

Anders als bei den Württembergern soll bei der Allianz Deutschland eine Digital Factory als Motor der kundenzentrierten Digitalisierung des Konzerns dienen, erklärt Lina Schröppel. Die bisher vorherrschenden Geisteshaltung beschreibt sie wie CIO Andreas Nolte: “Man liebt den Wasserfall, jeder macht sein Stück und gibt es weiter, ohne daran zu denken, was daraus wird.” Dies gelte auch für Innovationsprozesse. “Der Projektleiter wird in der Wasserfall-Welt durch Hierarchien gelenkt.”

In den “Agile Training Centern” werden die Allianzer aus den Fachabteilungen daher – ähnlich dem W&W-Ansatz – in Geschäftsentwicklung à la Start-up geschult. “Wenige, die neu dorthin kommt, kennen  die dort verwendeten Methoden und Arbeitsweisen”, erklärt Schröppel. “Die Kollegen müssen sie erst lernen.” An gleich drei Orten haben sie hierzu Gelegenheit. Ein Trainings-Center steht in Stuttgart, eines in München und die Kaiser X Labs der Allianz, ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt, komplettieren das Angebot.

Packen die das?

“Innovation fängt im Kopf an”, zitiert der GDV-Präsident Alexander Erdland zu Beginn seiner Keynote den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Zwar unterscheidet sich seine Sprache deutlich von jener der jungen Disruptoren, doch stößt er ins gleiche Horn: “Müssen wir nicht über die reine Versicherungspolice hinausdenken und den Kunden vorher abholen?” Vom “hybriden Kunden” müsse man ausgehen, sagt Erdland. Dieser verlange persönliche Beratung und die Möglichkeit zum Abschluss im Internet.

Die Gretchen-Frage für die etablierten Versicherungsunternehmen formuliert Erdland mit: “Packen wir das?” Die Branche werde oft mit ihren alten IT-Systemen konfrontiert. “Das ist eine Herausforderung, diese zu konsolidieren, diese zum Teil zu überwinden”, gebe er gerne zu. Allerdings sei der Umgang mit Daten das Kerngeschäft der Versicherung. “Wir waren die vorderste Front der Computerisierung.”

“Kommt es zur großen Disruption bei der die neuen Anbieter die alten Versicherer verdrängen?” soll das Publikum beantworten. In der Blitzabstimmung per Smartphone erhält die These nur 4,7 von 10 Punkten, für die Zuhörer trifft sie eher nicht zu. Der ehemalige W&W-Chef zeigt sich überzeugt davon, dass der Wandel “vom Produktversteher zum Kundenversteher, vom Kostenauszahler zum Problemlöser” den Versicherern gelingt. Schließlich kann die Versicherungswirtschaft ihre ideellen Werte wie Verlässlichkeit, Beständigkeit und Nachhaltigkeit in die Waagschale werfen. Außerdem besäße sie immer noch eine hohe Finanzkraft. (de)

Bild: Lina Schröppel, Allianz Deutschland, und Carolin Kröger, W&W Digital (v.l.n.r.) (Quelle: de)

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags stand, dass die Allianz drei Trainings-Center, zwei in München und eines in Stuttgart, betreibt. Dies wurde korrigiert.

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