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Digitalisierung Light macht keinen Sinn

21.09.2017 – gregorz_obszanski_sollersVon Grzegorz Obszański. Die Versicherer haben jetzt die Chance, zu einem Vorreiter der Digitalisierung zu werden. Als datengetriebene Branche kann sie von den Möglichkeiten durch Blockchain, künstliche Intelligenz und durch das Internet der Dinge so stark profitieren wie kaum eine andere. Doch die Unternehmen werden durch ihre alten Backend-Systeme ausgebremst.

Vor der Umstellung auf ein flexibles Standardsystem scheuen viele Versicherer allein wegen der Größe eines solchen Vorhabens zurück. Zweifellos: Mit dem Umfang eines IT-Projektes steigt das Risiko des Scheiterns, mit weitreichenden Folgen. Doch deswegen den Kopf in den Sand zu stecken, ist definitiv die falsche Strategie. Wer es heute versäumt, sein Back-end zu modernisieren, der wird es in absehbarer Zeit schwer haben, dem Wettbewerb standzuhalten.

Gute Planung ist essenziell. Es sind meist Planungsfehler, die dazu führen, dass Projekte aus dem Ruder laufen. Diese Fehler basieren meistens auf zu hoch gesteckten Zielen. Qualität und Quantität des Neugeschäfts, Kostensenkungen: Wer hier mit zu großem Optimismus nach vorne prescht, kann ein Projekt um seinen Erfolg bringen.

Hauseigenes Know-how aufbauen

Erfolgsentscheidend ist letztendlich das Engagement des Top-Managements. In einem von Sollers Consulting unterstützten Großprojekt bei einem polnischen Versicherer waren drei Vorstände mit 40 bis 80 Prozent ihrer Arbeitszeit involviert. Das Projekt wurde ein Erfolg. Hinzu kommt die Kontrolle: Wen man es hier schleifen lässt, kann ein Projekt regelrecht versanden. Der Aufwand für die Nachhol- und Aufräumarbeiten ist am Ende viel größer als der für das Projektcontrolling. Von der Frustration im Team ganz zu schweigen.

Ein weiterer Faktor sind technologische Fehlentscheidungen. Es mag kaum verwundern, dass Großprojekte als Dauerbaustelle enden, wenn ein Versicherer kaum adäquates Know-how im eigenen Hause hat. Starke Product-Owner mit einer klaren Vision ihres Produktes sind gefragt. Wer sich fast ausschließlich auf Dienstleister und Produktlieferanten verlässt, kann schnell in einer Sackgasse landen, aus der er schwer wieder heraus kommt.

Und dann ist noch das Problem der individuellen Anpassungen. Bei der Einführung eines Standardsystems geraten zwangsläufig lieb gewordene oder ausgetretene Geschäftsprozesse auf den Prüfstand. Doch das ist leichter gesagt als getan. Nicht wenige Manager scheuen vor der Einführung eines einheitlichen Standardsystems allein deshalb zurück, weil sie den Widerstand ihrer Belegschaft fürchten. Es gibt unzählige Argumente dafür, bestehende Strukturen unangetastet zu lassen.

Eines der besten ist der Verweis auf die Profitabilität eines Bestandes. Und so werden mitunter geschlossene und in der Größe überschaubare Altbestände mit in die neue Welt genommen, ohne dass Aufwand und Nutzen in einem adäquaten Verhältnis zueinander stehen. Das Zielsystem wird dadurch nicht besser. Die Entscheidung sollte man sich also nicht zu leicht machen.

Bild: Grzegorz Obszański ist Senior Consultant bei Sollers Consulting. (Quelle: Sollers)

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