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Digital-Konzepte der Versicherer auf dem Prüfstand

01.06.2017 – mcc-podium_akIn Zeiten der Digitalisierung besteht an Schlagworten wie “agile”, “lean”, “IoT” oder “Digitalisierung zweite Welle” kein Mangel. Doch Begriffe machen keine Revolution, es gilt sie mit Leben zu füllen, dabei die Kultur im eigenen Hause zu verändern und gleichzeitig alle Abteilungen mitzunehmen. Das gilt vor allen Dingen auch für die IT-Sparte die ebenfalls eine “unternehmens-enzyklopädische Brille” aufsetzen muss.

Vertreter der MunichRe, Talanx und Generali gaben Einblicke am zweiten Tag des MCC-Kongress in Düsseldorf in den Stand der Entwicklungen in ihren Häusern. Dabei wurde klar: Die Branche steht noch ganz am Anfang. Wie das Versicherungsgeschäft heute funktioniert, weiß jeder ganz genau. Wie es aber morgen läuft lässt sich in den unendlichen Weiten der Festplatten und Platinen nur undeutlich erkennen.

Sicher ist, nichts bleibt wie es einmal war, Null und Eins, Bits und Byts bedrohen die alten Geschäftsmodelle gleich reihenweise. Davon sind auch die ganz großen Player betroffen, wie die MunichRe. “Wie gehen wir mit der Veränderung um?”, fragte dazu Olaf Frank, seines Zeichens Global Application Development Officer beim weltgrößten Rückversicherer und gab die Antwort gleich selbst: “Wir wollen die Veränderungen maßgeblich mitgestalten, Versicherer brauchen mehr IT, denn wenn sie in der reinen Dienstleistungsperspektive verharren haben sie zukünftig ein Problem”, so Frank zur Rollenveränderung.

Allerdings können neue Probleme nicht mit alten Lösungen beantwortet werden und das schließt die eigene IT-Abteilung mit ein. Notwendig ist hier ein “Change des IT-Mindset”, so der Manager weiter, damit Entwickler gleich zu Beginn darüber nachdenken, wie und wo ihr neuartiger Ansatz langfristig Geld verdienen kann.

Einen Abschied von alten Entscheidungsprozessen forderte auch Andreas Nolte, CIO bei der Allianz Deutschland: “Heute sind wir noch ganz verliebt in unser Wasserfallmodell” kritisierte der Vorstand in seinem Vortrag der mit “The shift to an new digital Allianz Germany” überschrieben war. Doch statt in kleinen Boxen und Zuständigkeiten, reguliert von Hierarchien vor sich hin zu experimentieren, sei morgen eine “agile Arbeitsweise” notwendig, bei der in einer End-to-End Verantwortung selbststeuernde und selbstverantwortliche Teams an einem Ort zusammenarbeiten.

Damit einher geht allerdings auch ein Kompetenzverlust für das oberste Management. Früher hatte der Vorstand eine Idee wie ein Kundenproblem gelöst werden kann. Aber heute sagt man, diese Idee hört sich gut an ist aber falsch, denn sie repräsentiert nur eine Stimme. Und morgen bringen die eigenen Incubatoren im 100-Tage-Rhythmus neue Vorschläge aufs Tapet, testen diese und stampfen sie auch wieder ein. Das nennt sich Fehlerkultur und ist für eine Branche, die sich viel auf ihre Zuverlässigkeit hielt noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Ihren eigenen Weg geht dabei die Generali Deutschland AG: “Aus Versicherung wird Verbesserung”, so der Titel des Vortrages von Generali COO Rainer Sommer. “Agile” zeigen sich denn auch die Italiener wenn der Vorstand einen Kulturwandel fordert: Vom “To do Digital” zu “To Be Digital”. Nichts weniger als “Versicherung neu erfinden” hat man sich bei der Generali auf die Fahnen geschrieben. Gemeint sind hier z.B. die neuen Vitality-Produkte. Dabei sollen die Kunden mit Tipps und Belohnungen zu einem gesunden und damit kostenbewussten Verhalten ermutigt werden. 30 Prozent der Kunden sind dafür empfänglich führte Sommer weiter aus, bis jetzt haben sich rund 10.000 Kunden dafür entschieden. Nudging nennt das der Experte und wie das konkret umgesetzt wird, erklärt Sommer im Interview mit VWheuteTV:

Weitere Einblicke in die Maschinenräume der beteiligten Unternehmen boten zum Abschluss der zweitägigen Veranstaltung in Düsseldorf zweit große Podiumsdiskussionen. Vom Durchschlagen des “Gordischen Knotens” war dabei die Rede, wie Innovationen auch von innen kommen müssen und welche Faktoren dabei die wichtigste Rolle spielen erfuhr das interessierte Publikum hier aus erster Hand:

Die Zeiten von groß angelegten Investitionsprogrammen, bei denen 15 Mio. Euro auf fünf Jahre, oder acht Mio. Euro auf drei Jahre verteilt werden scheinen endgültig vorbei zu sein. Das Geld geht heute in Start-ups, Garagen und Inkubatoren. Früher nannte man das “Prinzip Gießkanne”. (vwh/ak)

Bild: Podiumsdiskussion auf dem MCC-Kongress mit den Teilnehmern (v.l.n.r.): Rainer Sommer, COO Generali Deutschland, Björn Münstermann, McKinsey & Company, Florian Dreifus, SAP Deutschland, Moderator Walter Brenner und Andreas Nolte, CIO Allianz Deutschland. (Quelle: Alexander Kaspar)

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