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So wird morgen in der KFZ-Versicherung tarifiert

10.07.2017 – Auto - dgIn der Kfz-Versicherung werden völlig neue Methoden des Pricings erwartet. Das Produkt muss künftig um den Preis gestaltet werden und nicht umgekehrt. Diese fünf Trends in der KFZ-Versicherung müssen Underwriter kennen, um nicht überrollt zu werden – mehr in der aktuellen Versicherungswirtschaft.

- Trend 1: Verdrängungskampf auf allen Kanälen

In den verschiedenen etablierten Verkaufskanälen für Kfz-Versicherungen findet eine stetige Umverteilung des Geschäfts statt. Aggregatoren haben davon profitiert, dass die Versicherungsbranche diese Kundenschnittstelle abgegeben hat. Mit hohem Werbedruck versuchen Check24 & Co. immer mehr Kunden zu gewinnen.

Nur die wenigsten Versicherer können heute identifizieren, ob sie einen wirklich wertvollen Kunden vor sich haben, oder welche, die beim passenden Angebot zeitnah zum billigeren Anbieter weiterziehen. Der Kundenwert gehört in die Risikoselektion und auch in das Pricing und sollte im Idealfall auch in der Rabattstruktur verankert werden.
Autohändler bzw. –hersteller können in Kooperation mit einem Rückversicherer (oder sogar ohne) selbst Policen anbieten und so Versicherer aus diesem Kundenkanal drängen. Es entsteht ein Verdrängungswettbewerb.

Eine potenzielle Bedrohung sind Insurtechs. Bei Anbietern von Direktabschlüssen steht Kfz derzeit nicht im Fokus. Eine Momentaufnahme – denn über kurz oder lang werden auch Insurtechs auf Kfz setzen. Bei Anbietern, die ein Maklermandat einholen, ist Kfz heute schon ein Thema: ohne Kooperation kein Geschäft.

- Trend 2: Mehr Heterogenität in Pricing und Produktinhalt

Technische Neuerungen in den Fahrzeugen verschieben die Gewichtung der versicherten Gefahren bei der Tarifierung von Kfz-Versicherungen immer wieder drastisch. Zwar werden Fahrassistenzsysteme die Schadenhäufigkeit sukzessive nach unten schrauben, wenn es allerdings kracht, wird es auch teurer. Das Thema “Big Data” hat den Trend zu komplexeren Tarifierungsmodellen noch erhöht, da sich heute deutlich mehr potenzielle Tarifierungsmerkmale technisch erfassen lassen. Das hat zur Folge, dass sich zum einen Tarifanpassungen häufen. Zum anderen herrscht selbst für klassische Kfz-Produkte, wie die Teilkasko, eine noch größere Heterogenität im Markt – sowohl für das Pricing als auch für Produktinhalte. Kundenwert und -bedürfnisse haben dadurch bestenfalls marginalen Einfluss auf die Tarifierung.

- Trend 3: Probleme, neue Produkte zu Geld zu machen

Andere Industrien schaffen es besser, Neuerungen auch in bare Münze umzuwandeln, Beispiel Unfallstecker, der Kosten von über 30 Euro verursacht, die aber nicht wieder hereingeholt werden. Es fehlt an den Grundlagen der Monetarisierungsstrategie.

- Trend 4: Telematikanbieter stecken im Dilemma

Telematik ist ein zweischneidiges Schwert. Viele Akteure sind auf den Zug aufgesprungen und bieten Telematik-Tarife an. Dabei müssen trotz erheblich höherer Kosten deutlich günstigere Produkte angeboten werden, um Kunden zu überzeugen. Darüber hinaus fördern Telematiktarife ein “Race-to-the-bottom” für die besten Risiken.

Das Prämienvolumen sinkt langfristig, da der Kunde die Funktionsweise der Technik versteht und sein Verhalten entsprechend anpasst. Aufgehen kann diese Rechnung auf lange Sicht nur durch eine massive Schadenkostenreduzierung. Je nach Ausgangslage müssen es 25 Prozent oder mehr sein. Das scheint extrem unrealistisch bei den bereits sehr granularen Tarifen in Deutschland.
Allerdings bietet die Telematik auch Vorteile. So werden beispielsweise durch attraktive Rabatte Sparfüchse angezogen, deren Wechselwahrscheinlichkeit in der Folge sinkt und auch junge Fahrer haben so die Möglichkeit, attraktive Prämien zu erzielen.

- Trend 5: Autonomes Fahren als Game Changer für die Tarifierung

Das Modell wird zwar als disruptiv wahrgenommen, jedoch gibt es aktuell noch hohe technische und rechtliche Hürden. Eine flächendeckende Einführung innerhalb der nächsten fünf Jahre gilt als eher unwahrscheinlich.

Essenziell für die Tarifierung von autonomen Kfz wird die Frage der Haftung (Mensch oder Maschine) sein, die nach wie vor nicht final geklärt ist.

Sollte das autonome Fahren Marktreife erreichen, würde der Faktor Mensch, heute Kernkomponente in Tarifierungsmodellen, bzw. der Faktor Fahrererfahrung erheblich an Bedeutung verlieren. Durch diese obsoleten Preisdifferenzierungsmerkmale in Kombination mit der deutlich reduzierten Zahl an Unfällen würde das Prämienvolumen drastisch schrumpfen. Für Versicherer gilt es daher, neue Erlösmodelle zu entwickeln und zu monetarisieren, um das zukünftig schrumpfende Prämienvolumen für autonome Kfz aufzufangen.

Autonome Fahrzeuge werden bis zum Anschlag mit High-Tech ausgestattet sein. Selbst wenn die Schadenfrequenz abnimmt, könnten die Schadenhöhen steigen.

 

Zum Text: Zusammenfassung aus dem Artikel “Der Preis muss stimmen”aus der aktuellen Versicherungswirtschaft, die sie HIER kaufen können. Autoren des Original-Textes: Dirk Schmidt-Gallas, Global Head of Insurance, Frank Gehrig, Director Insurance Practice, und Maximilian Effing, Senior Consultant sind bei Simon-Kucher tätig. (vwh)

Bild: Auto (Quelle: dg)

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