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In Deckung vor gefallenen Managern

17.04.2018 – Zeit Uhr Manager Krawatte Stephanie Hofschlaeger_pixelio.deWenn Bilfinger von Ex-CEO Roland Koch Schadenersatz fordert, dann betrifft das auch die Versicherer. Denn der Baukonzern hat für Vorstände und Aufsichtsräte eine Managerhaftpflichtpolice abgeschlossen, die Directors’ and Officers’ Liability (D&O). Eine Deckung, deren Vorgänger ihren Ursprung zwar in Deutschland hatte, die sich jedoch zunächst in den USA entfaltete und erst in den achtziger Jahren wieder nach Deutschland “schwappte”.

Erst 1997 im Anschluss an das “Arag-Garmenbeck-Urteil” des BGH erlebte die D&O-Versicherung auch hierzulande eine rasante Entwicklung. Allerdings hat sich die gesetzliche Rechtslage seit Inkrafttreten des AktG (1937) und des GmbHG (1892) im Kern nicht verändert. Es brauchte also über 60 Jahre, um diesen Quell der Haftung aufleben zu lassen.

Verfolgen wir den Zeitstrahl bis zum heutigen Tag, so zeigt sich eine bedrückende Entwicklung für Organmitglieder und Entscheidungsträger – gleichzeitig jedoch auch ein Auftrag an Versicherer und Makler, neue Konzepte zu entwickeln. Der Grund hierfür: Nicht nur werden immer mehr Klagen und Prozesse gegen Organmitglieder angestrengt, sondern zusätzlich immer höhere Schadensummen eingeklagt. Es kursiert bereits der nicht unberechtigte Begriff der “Klagegesellschaft” Deutschland.

Noch nie war das Privatvermögen der Organmitglieder durch Inanspruchnahmen derart gefährdet wie zur heutigen Zeit. Das Wissen, dass eine Versicherung desselbigen “lebensnotwendig” sein kann, hat sich nicht nur bei Organmitgliedern von
Großkunden, sondern auch im Mittelstand herumgesprochen.

Der Großteil der Organmitglieder legt jedoch in der heutigen Zeit peniblen Wert auf die D&O-Versicherung und lässt sich ihren Schutz durch Verschaffungsklauseln im Dienstvertrag zusichern. Bietet die Firma einen solchen Versicherungsschutz nicht an, sind Rücktritte von Organmitgliedern nicht ausgeschlossen.

Neben dem Schutz des privaten Vermögens der Organmitglieder, erfüllt die Konzern-D&O-Versicherung einen zweiten, nicht minder wichtigen Zweck: den des mittelbaren Bilanzschutzes. Aufgrund der strengen Organhaftung in Deutschland bestehen oftmals hohe Schadenersatzforderungen. Diese sind wirtschaftlich gesehen jedoch häufig nicht durchsetzbar, da das Vermögen der Organmitglieder den zum Teil hohen Forderungen im zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag nicht entsprechen würde.

Losgelöst von den Kriterien des Verwaltungsrundschreibens zum Thema “geldwerter Vorteil der D&O-Versicherung”, wird hier deutlich, dass die Konzern-D&O eben nicht nur zu Gunsten von Organmitgliedern, sondern durchaus zum Vorteil des Unternehmens abgeschlossen wird.

Die beiden Schutzmechanismen der Konzern-D&O-Versicherung werden schlussendlich auch in der Praxis bestätigt: Neben einer stetig wachsenden Anzahl an Neuabschlüssen, drängt sich auch das Thema Ausbau der Deckungssumme in den Vordergrund. Dieser kann wiederum durch vielfältige Varianten realisiert werden. Offenkundig ist hierbei die bloße Erhöhung der Versicherungssumme.

Abgerundet wird diese Entwicklung durch separate und individuelle Versicherungslösungen für bereits ausgeschiedene Organmitglieder. Zwar sind ehemalige Organmitglieder auch nach dem Ausscheiden grundsätzlich vom Versicherungsschutz einer Konzern-D&O-Police umfasst, allerdings besteht meist weder eine aktive Einwirkungsmöglichkeit auf die Deckung, noch – wie bereits angemerkt – weitreichende Informationsmöglichkeiten.

Eine eigenständige Police mit unveränderbarer Deckung, zugeschnitten auf den Zeitraum der Haftung nach Verlassen des Unternehmens, bietet hier entsprechende Sicherheit für die ausgeschiedenen Organmitglieder. Zusammenfassend wird ersichtlich, dass die D&O-Police noch immer klassisch eingesetzt wird. Aber immer komplexere Haftungskonstellationen lassen auch Raum für neue Konzepte.

Autoren: Patrick Seul, Team Leader Commercial D&O/Crime, und Michael Unglaub, Financial Lines Claims, bei AIG DACH.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO (www.pixelio.de)

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