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Cyber-Versicherungen mit großem Potenzial

09.02.2017 – heyen_markus_waelder_joergVon Markus Heyen und Jörg Wälder, KPMG AG. Thema Nummer Eins in der Branche ist die Digitalisierung. Kehrseite der Medaille ist die rapide Zunahme der Cyber-Risiken. Zum einen müssen die Versicherer selbst erheblichen Aufwand betreiben, um ihre Systeme und damit vor allem die Daten ihrer Kunden besser zu schützen. Das wird sich in der Ergebnisrechnung durch höhere Kosten niederschlagen.

Auf der anderen Seite lässt sich aus der Not eine Tugend machen – nämlich eine neue Versicherungssparte ‘Cyber’. Diese hat das Potenzial, der Kfz-Versicherung im Laufe der nächsten 20 Jahre den Rang als volumenstärkste Schaden/Unfall-Versicherungssparte abzulaufen. Das ergibt eine aktuelle Modellrechnung von KPMG im Rahmen einer neuen Studie zur Digitalisierung.

Demnach dürfte das Prämienvolumen für Cyber-Versicherungen in Deutschland von Anfang 2017 ca. 90 Mio. Euro jährlich auf bis zu 20 Mrd. Euro im Jahr 2036 steigen. Unser Prognosemodell kommt – je nach Ausprägung der Bereitschaft von Unternehmen und privaten Haushalten zur Absicherung von Cyber-Risiken – für die DACH-Region auf ein Prämienvolumen in Cyber zwischen 12,1 Mrd. (“verhaltene Bereitschaft”) und 26,2 Mrd. Euro (“Bereitschaft stärker als erwartet”) im Jahr 2036. Bei einer sich erwartungsgemäß entwickelnden Zahl von Cyber-Kriminalitätsfällen und einer entsprechenden Bereitschaft von Unternehmen und privaten Haushalten, sich gegen solche zu versichern, erwarten wir in DACH ein Prämienvolumen von 19,6 Mrd. Euro im Jahr 2036 – davon 15,2 Mrd. in Deutschland.

Der mit rund 75 Prozent mit Abstand größte Anteil der zukünftigen Cyber-Prämien dürfte auf das Segment der privaten Haushalte und kleineren Unternehmen entfallen. Die durch Cybercrime verursachten Schäden belaufen sich in Deutschland heute schon auf über 50 Mrd. und weltweit auf rund 450 Mrd. Euro pro Jahr – bei stark steigender Tendenz. Unternehmen und private Haushalte werden deshalb nicht umhin kommen, sich gegen die entsprechenden Gefahren zu versichern. Der Europa mindestens um fünf Jahre vorauseilende US-Markt verzeichnet schon heute ein Prämienvolumen von umgerechnet wenigstens 2,5 Mrd. Euro.

Wir gehen davon aus, dass es zwei Hauptdeckungselemente im Cyber-Versicherungsgeschäft geben wird: Deckungen für Eigen- und für Fremdschäden – analog zum Kasko- und Haftpflichtteil in der Kfz-Versicherung. Diese Deckungen der Sach- beziehungsweise Haftpflichtversicherung zuordnen zu wollen, scheint uns wenig sinnvoll, weil in allen wesentlichen Bereichen der Cyber-Versicherung neue Skills benötigt werden und und diese mit den angestammten Sparten kaum kompatibel sind. Produktdesign, Pricing, Schaden – all dies ist bei Cyber deutlich anders. Wir sehen die klare Notwendigkeit, Cyber zu einer neuen, völlig eigenständige Sparte zu machen.

Weitere Kernthesen der Digitalisierungsstudie lauten:

  • Viele Geschäftsmodelle von InsurTechs digitalisieren derzeit lediglich die Wertschöpfungsschritte traditioneller Versicherungs-Geschäftsmodelle und stellen sich als wenig disruptiv heraus.
  • Eine Folge hieraus wird sein, dass einzelne InsurTechs den Aufbau einer eigenen Risikotragungs-Position in Erwägung ziehen werden. Manche InsurTechs werden von Versicherern übernommen werden, andere werden vom Markt verschwinden.
  • Der Anteil der Dunkelverarbeitung wird in der Assekuranz bis 2020 deutlich zunehmen. Bis dahin dürften im Vertragsmanagement der Schaden-/Unfall-Versicherung rund 70 Prozent und in der Schadenbearbeitung etwa 45 Prozent der Geschäftsvorfälle voll automatisiert bearbeitet werden.

Bild: Markus Heyen und Jörg Wälder (Quelle: KPMG)

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