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Coface: Droht den britischen Autos der Stillstand?

20.12.2017 – Auto im November_Rudolpho Duba_pixelio.de.jpg -Vor wenigen Tagen gaben die EU-Staats- und Regierungschefs den Startschuss für die zweite Runde der Austrittsverhandlungen mit Großbritannien. Laut einem Risikoszenario von Coface könnte sich ein harter “Brexit” vor allem für die britische Autoindustrie besonders negativ auswirken. Die Folgen: geringere Wettbewerbsfähigkeit, Verlust der Innovationskraft und ein Arbeitskräftemangel.

So zeige sich die Abhängigkeit der britischen Autoindustrie vom EU-Ausland vor allem darin, dass mehr als die Hälfte der Teile importiert wird. Die Industrie ist eng mit den europäischen Wertschöpfungsketten verbunden, um damit Kosten, Lager- und Produktionszeiten zu optimieren, konstatiert der Kreditversicherer in seiner Analyse. “Bei einem harten Brexit mit strikter Warenkontrolle und Anwendung der WTO-Tarife würde sich das Risiko für die Branche vervielfachen”, erwartet Khalid Aït Yahia, Coface Economist für die Automobilindustrie und die Metallbranche.

Zudem könne die Exportdynamik die geringere Nachfrage aufgrund der nachlassenden Zuversicht der Verbraucher in Großbritannien nicht kompensieren, heißt es weiter. Demnach werden laut Coface 79 Prozent der britischen Autos exportiert, mehr als die Hälfte davon (56 Prozent) in die EU-Länder. “Der Zugang zum EU-Markt bleibt überlebenswichtig für die britischen Autobauer”, betont der Ökonom des Kreditversicherers.

Dabei habe man schon seit 2016 sind geringere Investitionen bei Zulieferern und Herstellern im Vereinigten Königreich festgestellt. So gingen diese im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2015 um 36 Prozent zurück. Diese Entwicklung wird sich laut Coface in diesem Jahr noch verschärfen, trotz der von den Herstellern angekündigten 28 neuen Modelle bis zum Jahr 2024. Demnach prognostiziert der Kreditversicherer im Falle eine harten “Brexit” vor allem drei Szenarien: eine geringere Wettbewerbsfähigkeit, den Verlust der Innovationskraft und einen Arbeitskräftemangel.

Die deutschen Unternehmen sehen die Folgen eines “Brexit” hingegen mit gemischten Folgen: Zwar erwarten nur 3,3 Prozent der deutschen Unternehmen einen Brexit-bedingten Anstieg ihrer Außenstände. “Tatsächlich zeigen sich unter allen Branchen Unternehmen in der Automobilwirtschaft mit einem Anteil von 14,3 Prozent am stärksten besorgt über einen Brexit-bedingten Anstieg ihrer Außenstände im kommenden Jahr”, erklärt Mario Jung, Regional Economist für Nordeuropa bei Coface und Autor einer aktuellen Zahlungsstudien des Kreditversicherer.

Zudem sind die Produzenten von Investitionsgütern aus den Bereichen Maschinenbau (8,5 Prozent) und Mechanik-/Präzisionsindustrie (5,9 Prozent) ebenfalls besorgter als der branchenweite Durchschnitt, konstatiert der Coface. “Zwar erwarten auch mehr als 84 Prozent dieser Unternehmen keine Veränderung bei den Außenständen. Aber immerhin gehen fast 8 Prozent von einem Anstieg aus”, ergänzt Jung.

Trotz der guten Konjunkturlage sind lauf Zahlungsstudie von Coface fast vier von fünf Unternehmen in Deutschland von Zahlungsverzögerungen betroffen. Über alle Unternehmensgrößen und Branchen betrachtet ist dies nach den Berechnungen des Kreditversicherers zwar ein Rückgang um rund sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Für 77,6 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland sind Zahlungsverzögerungen aber weiterhin Alltag. “Im internationalen Vergleich erleben damit mehr deutsche Unternehmen Zahlungsverzögerungen als chinesische”, konstatiert der Coface-Ökonom.

Hauptgrund für Zahlungsverzögerungen sind laut Studie für 46 Prozent der Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten ihrer Kunden. Dieser Anteil ist gegenüber dem Vorjahr (54,5 Prozent) deutlich gesunken. Dagegen haben andere Aspekte etwas an Bedeutung gewonnen. 17,5 Prozent (2016: 14,2 Prozent) benannten Managementprobleme als Hauptgrund, gefolgt von wirtschaftlichen Streitfällen wie beispielsweise Ungereimtheiten im Hinblick auf die Produktqualität mit 11,5 Prozent (2016: 9,4 Prozent). Betrugsfälle machen bei 4,2 Prozent (2016: 3,8 Prozent) der Unternehmen die Hauptursache für Zahlungsverzögerungen aus. Exportorientierte Unternehmen berichten mit 19,1 Prozent weitaus häufiger von Streitfällen. (vwh/td)

Bildquelle: Rudolpho Duba / PIXELIO (www.pixelio.de)

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