Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Chinas Versicherer Anbang will HSH Nordbank schlucken

09.05.2017 – anbang_hyDie HSH, die den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, muss auf Druck der EU bis 2018 verkauft werden – sonst droht die Abwicklung. Deutsche Bieter sind nicht in Sicht, dafür haben laut Reuters mehrere Investoren aus China großes Interesse. Dabei sorgen sich die Aufseher aus Fernost, dass die Auslandsakquisitionen viele Versicherer in den Ruin treiben könnten. Besonders Anbang steht unter verschärfter Beobachtung.

Das Magazin Caixin wirft Anbang vor, seine Kapitalstärke künstlich aufgebläht zu haben, indem sie Prämien von Kunden als Gelder von Investoren bezeichnet haben. Nach eigenen Angaben verfügte Anbang Ende 2015 über ein Vermögen von umgerechnet 244 Mrd. Euro. Laut Bloomberg wurden in den vergangenen Jahren mindestens 13,5 Mrd. US-Dollar für Zukäufe ausgegeben.

Vor einem Jahr hat Anbang überraschend den Kauf der Hotelkette Starwood für 14 Mrd. Dollar wieder absagen müssen. Damals wurde spekuliert, dass die chinesische Versicherungsaufsichtsbehörde Circ mit der Entscheidung etwas zu tun hatte. Denn die chinesische Regierung kritisiert schon lange, dass die Gelder ins Ausland strömen und nicht zur Wirtschaftsbelebung im Inland investiert werden.

Zukäufe in den Ruin

Circ befürchtet, dass sich die Versicherer mit den Zukäufen übernehmen können. Besonders bei mittelständischen Versicherern fehlt es an Know-how, wenn es um Auslandsinvestitionen und Unternehmensführung geht. Allerdings wird auch die Versicherungsaufsicht von Korruptionsvorwürfen erschüttert.

Zuletzt ist Anbangs Übernahme des US-Lebensversicherers Fidelity & Guaranty Life geplatzt. Auch Banken gehören zum Portfolio des Versicherers. Aufgrund der rückläufigen Rendite von Inlandsinvestitionen sind Zukäufe in die USA und Westeuropa besonders beliebt. Jedoch liegt die Erfolgsquote der Auslandsakquisitionen durch Unternehmen aus China bei nicht einmal fünf Prozent, konstatiert eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte China. Bei der HSH Nordbank sind noch zwischen sieben und neun Interessenten im Rennen. Neben einem zweiten chinesischen Bieter, der HNA Group, sollen die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Apollo sowie weitere Finanzinvestoren interessiert sein.

Die Bank selbst geht davon aus, dass es keinen Käufer für die ganze HSH geben wird, sondern nur für ihre zwei Teile: Die profitable Kernbank, in der das Firmenkunden- und das Immobiliengeschäft gebündelt sind, könnte an ein anderes Geldhaus gehen. Die defizitäre Abbaubank, in der die meisten faulen Schiffskredite lagern, könnte an einen Finanzinvestor verkauft werden. Ob der Verkauf gelingt, hängt davon ab, ob Bieter in der Restbank mehr Wert sehen, als sie die Altlasten noch kosten dürften. Die HSH war in der Finanzkrise 2008 ins Straucheln geraten, wurde von den Ländern gerettet, leidet aber bis heute unter der andauernden Schifffahrtskrise. (vwh/dg)

Bild: Hauptquartier von Anbang Insurance in Peking (Quelle: hy)

Tags:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten