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Bundesbürger wollen “Wirtschaft” als Schulfach

19.09.2017 – Geldbeutel_birgitH_pixelio“Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen”. Mit diesem Tweet sorgte bereits 2015 die damalige Schülerin Naina für mediales Aufsehen. Glaubt man einer aktuellen Umfrage von Swiss Life, scheint es um das Finanzwissen der Deutschen nicht besonders gut bestellt zu sein.

Demnach haben weniger als die Hälfte der Deutschen – nämlich 46 Prozent – ihre aktuellen Kenntnisse im Bereich Finanzen als gut bezeichnet, 40 Prozent kennen sich auf diesem Gebiet nach eigenen Angaben eher mittelmäßig aus. Weitere acht Prozent sind der Auffassung, nur über schlechte Kenntnisse über dieses Thema zu verfügen.

Gleichzeitig würden 72 Prozent der befragten Bundesbürger ein eigenes Schulfach befürworten. Lediglich 14 Prozent haben sich im Rahmen der Umfrage dagegen ausgesprochen. Dabei scheint der Bedarf an Finanzbildung durchaus groß zu sein. So gaben 46 Prozent der Deutschen an, in der Schule eher wenig Finanzwissen gelernt zu haben. Bei 33 Prozent stand das Thema sogar gar nicht auf dem Stundenplan. Lediglich 14 Prozent gaben an, “eher viel” oder “sehr viel” Finanzwissen gelernt zu haben.

“Wissen ist die Voraussetzung, um überlegte Finanzentscheidungen zu treffen, um Chancen zu erkennen und Risiken richtig einzuschätzen”, kommentiert Jörg Arnold, Vorstandsvorsitzender von Swiss Life Deutschland, die repräsentative Umfrage. “Es ist deshalb fatal, dass wir das Thema Finanzwissen in Deutschland so stiefmütterlich behandeln”, betont der Manager.

Wissenschaftsstreit über Sinn und Unsinn

Bei Ökonomen dürfte die Forderung nach einem eigenen Schulfach zum Thema “Wirtschaft” jedenfalls auf offene Ohren stoßen: “Die Schüler leben in einer Marktgesellschaft und müssen diese verstehen, auch wenn sie mal Kapitalismuskritiker werden”, betonte Nils Goldschmidt vom Centrum für Ökonomische Bildung in Siegen Anfang September auf der VfS-Jahrestagung in Wien.

Kritik kommt hingegen von den Sozialwissenschaftlern: Schüler dürften nicht “ökonomistisch verbildet” werden, kritisierte der Frankfurter Sozialwissenschaftler und Didaktiker Tim Engartner gegenüber der FAZ.

Jedenfalls scheint politischer Handlungsbedarf geboten: Während der Freistaat Bayern bereits seit Jahren Pflichtfach Wirtschaft und Recht kennt, existiert in Niedersachsen das Fach Wirtschaft an Haupt-, Real- und Oberschulen und Politik-Wirtschaft an Gymnasien.

In Baden-Württemberg wurde 2015 das Pflichtfach Wirtschaft in Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen eingeführt. 2018 sollen dann die Gymnasien folgen. In Nordrhein-Westfalen will die neue schwarz-gelbe Landesregierung das Thema ebenfalls in den Stundenplan aufnehmen – allerdings frühestens 2020. (vwh/td)

Bildquelle: birgitH / PIXELIO (www.pixelio.de)

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