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Was bringt das Gutachten zum Morbi-RSA diese Woche?

16.10.2017 – gesundheitskongress_akWettbewerbsverzerrung durch Fehlanreize, Manipulation und mangelnde Chancengleichheit, so lauten die wichtigsten Vorwürfe gegen den seit dem 1. Januar 2009 installierten morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA), der den damaligen RSA abgelöst hatte. Doch die von Ersatzkassen, Betriebs- und Innungskrankenkassen vorgebrachte Kritik ist in der Politik nicht auf taube Ohren gestoßen. Diese Woche wird unter Federführung des Bundesversicherungsamtes (BVA) ein Gutachten zur Reform vorgestellt. Die Ergebnisse werden mit großer Spannung erwartet, wie auch auf dem am Wochenende zu Ende gegangenen 16. Europäischen Gesundheitskongress in München deutlich wurde. Bedeutet gerechter Wettbewerb unter den Krankenkassen auch eine gerechte Finanzierung? Diese provokante Frage hatten die Veranstalter des 16. Europäischen Gesundheitskongress in München dem Fachpanel “Krankenversicherung” vorangestellt und schnell wurde deutlich, das dem nicht so ist. Zusatzbeitrag führt nicht zu mehr Qualität Nicht wenige Kassen beklagten, dass der Zusatzbeitrag zwar zu mehr Preis- aber nicht zu mehr Qualitätswettbewerb geführt habe, worauf in der Konsequenz bei steigenden Zusatzbeiträgen junge Kassenmitglieder zu Hunderttausenden ihre angestammten Versicherer verlassen haben. Die AOK frohlockt zwar, der Morbi-RSA “funktioniere so gut wie nie zuvor”, doch die Ersatzkassen und BKK kritisieren, dass das derzeitige Modell die AOK bei der Zuweisung ganz generell bevorteile. Ein Umstand der so nicht bestehen bleiben dürfe, so Vertreter der Branche. Weitere Kritik entzündet sich an der Missbrauchsanfälligkeit, wenn, wie geschehen, Einfluss von außen auf die ärztlichen Diagnosen ausgeübt würde. Zwar hat der Gesetzgeber erst im Juni neue Sanktionen dagegen auf den Weg gebracht, wovon das Bundesversicherungsamt auch “konsequent Gebrauch machen werde”, wie es heißt. Zusätzliche Reformen seien aber unausweichlich, wenn man nicht den Bestand der Ersatzkassen, Betriebs- und Innungskrankenkassen gefährden wolle. Darüber waren sich alle Beteiligten, vom Bundesversicherungsamt, über Forschung und Wissenschaft, Politik und Verbandsvertreter unisono einig. Deckungslücke wächst weiter an Auf 1,8 Mrd. Euro ist die Deckungslücke zwischen Ersatzkassen und der GKV bereits angewachsen. Ein für die Branche gefährlicher Trend, der durchaus die ein oder andere Kasse zum Opfer fallen könnte, Stichwort City BKK. Deren Pleite wirkt bis heute nach. Auch wenn die Politik der Meinung ist, 50 bis 60 Ersatzkassen würden für ein funktionierendes System ausreichen, in der Branche setzt man weiter auf den fairen Wettbewerb und hofft, das für diese Woche angekündigte Gutachten des Morbi-RSA, weise in die richtige Richtung. Mit Spannung erwarten nun alle Beteiligte die Vorschläge zur Verbesserung des Instrumentariums, mit besonderem Blick auf die Ausgestaltung der regionalen Komponenten. Volker Ulrich von der Universität Bayreuth zumindest hat schon mal einen Blick in das neu Papier werfen können. Hier im Video seine Ausführungen dazu: Eine besondere Rolle kommt hier dem Bundesversicherungsamt zu, welches als Aufsichtsbehörde die Spielregeln zwar einhalten soll, aber sich derzeit wohl eher wie der Hase im Märchen vom Wettlauf zwischen Hase und Igel vorkommen muss: Aktuell prüft man dort die Folgen falscher sogenannter Codierungen aus dem Jahr 2011 (!). Ganz anders in der Schweiz: Dort verzichtet man auf die Codierung, hat damit also auch keine Probleme mit falschen Angaben und falschen Anreizen, mit dem Ergebnis eines gesunden Wettbewerbs, wie Verena Nold, Direktorin und Vorsitzende der Gruppenleitung von Santésuisse ausführte. Wieso das in Deutschland anders ist erläuterte Frank Plate, Chef des Bundesversicherungsamtes in Bonn. (vwh/ak) Bild: Reformen ja, aber welche? Darüber diskutierten der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Frank Plate, Ruth Nowak, vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Ralf Langejürgen vom Verband der Ersatzkassen e.V., Volker Ulrich von der Universität Bayreuth und Verena Nold, Anne-Katrin Klemm vom BKK Dachverband sowie schließlich die Direktorin von Santésuisse aus der Schweiz. (Quelle: Alexander Kaspar)

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