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Börsenjahr 2018: Steigende Kurse beflügeln Versicherer

22.12.2017 – Deutsche Boerse_Deutsche BoerseNiedrigzinsen sind zwar schlecht für Versicherer, doch gut für die Börsen. Diese werden auch 2018 neue Höhen erklimmen. Der Versicherungssektor profitiert davon, weil er positiv mit dem Aktienmarkt korreliert. Jedoch würde eine mögliche Rezession Versicherer härter treffen als den Gesamtmarkt, lautet die exklusive VWheute-Prognose von Burkhard Allgeier, Chief Investment Officer bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG.

Die nahezu exzellente Verfassung der Weltwirtschaft und die nach wie vor insgesamt lockere Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken gaben den Aktienmärkten gegen Ende 2017 kräftigen Rückenwind. Hinzu kam, dass viele börsennotierte Unternehmen ihre Gewinne abermals steigern konnten. Zuletzt legten die Gewinne pro Aktie gegenüber dem Vorjahr in Europa, den USA und Japan im hohen einstelligen Bereich zu. Mit dem Erreichen der berühmt-berüchtigten “Allzeithochs” steigt auch die Nervosität der Anleger: Droht eine Korrektur?

Aktienindizes sind letztlich Preisindizes – bei positiven nominalen Wachstumsraten sollten Aktienkurse grundsätzlich steigen. Im Falle des Dax, der als Performanceindex die Unternehmensausschüttungen (Dividenden) stetig reinvestiert, ist diese Entwicklung sogar noch offensichtlicher. Die robuste Konjunktur – global im Übrigen zunehmend synchroner – und die lockere Geldpolitik bleiben uns in der Eurozone vorerst erhalten. In den kommenden zwölf Monaten dürften die Unternehmensgewinne (in Europa, USA, Japan) zwischen acht Prozent bis leicht über zehn Prozent zulegen. Aber – und das ist das Argument vieler Skeptiker – passt das Verhältnis zwischen den hohen Kursen und den für das nächste Jahr erwarteten Gewinnen der Unternehmen noch?

Fundamentale Daten sprechen gegen eine Rezession

Das so ermittelte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt beim Dax bei etwa 14, und damit nicht weit über dem Mittel der letzten zehn Jahre. Für den S&P 500 liegt diese Relation mit aktuell 18 etwa vier Punkte über dem Mittel. Im einfachen Zwei-Regionen-Vergleich sind europäische Aktien also sogar günstig, was allerdings auch an politischen Risiken wie dem Brexit liegt. Der “teure” US-Markt ist hingegen Folge der Konsumschwergewichte und der bekannten US-Technologiekonzerne (“Big 5″). Die Bewertungsdiskrepanz zwischen beiden Regionen wird an der Lücke zwischen Gewinnen und Kursen besonders präsent. Diese “Kurs-Gewinn-Lücke” ist bei den im S&P 500 versammelten Unternehmen offensichtlich, kaum ausgeprägt ist sie hingegen in Europa.

Eine solche Lücke kann grundsätzlich auf drei Arten geschlossen werden. Die erste: Die Kurse sinken. Die zweite: Die Gewinne steigen. Die dritte: eine Kombination aus sinkenden Kursen und steigenden Gewinnen in unterschiedlichen Ausprägungen. Für die erste Variante sind die beschriebenen fundamentalen ökonomischen Daten fast zu gut. Vorübergehend sinkende Kurse sind immer möglich, eine echte Aktienmarkt-Baisse hingegen erfordert in aller Regel auch eine deutliche konjunkturelle Abschwächung. Aus heutiger Sicht spricht sehr wenig dafür.

Dass hingegen die Gewinne steigen, ist – bei erfolgreicher Umsetzung der Steuerreform in den USA – sogar möglich. Es kann sehr gut sein, dass 2018 ein schwankungsreicheres Aktienjahr wird. Nach unseren globalen Risiko- und Sentiment-Indikatoren sind an den US- und europäischen Aktienmärkten noch keine bald platzenden “Blasen” erkennbar. Das größte Störpotenzial für die Aktienmärkte liegt eher auf der Zinsseite, weniger auf der Gewinnseite. Steigen die Anleiherenditen in den nächsten Monaten kräftig an, würde dies heftig auf die Aktienmärkte drücken. Wer dem Braten nicht traut, kann mit pointierter Titelselektion oder mit gezielten Branchenallokationen versuchen, sich erfolgreich vom allgemeinen Trend am Aktienmarkt abzukoppeln.

Im Gleischritt mit dem Gesamtmarkt

Derzeit etwa erscheinen Telekomwerte ausgesprochen günstig, klassische Konsumwerte sind. hingegen eher teuer. Der Versicherungssektor ist mit einem KGV von rund 14 nicht auffallend teuer bewertet. Auch zeigen langfristige Zeitreihenanalysen, dass der Sektor per se positiv mit dem Aktienmarkt korreliert. So besitzt der Versicherungssektor ein langfristiges “Beta” von durchschnittlich 1. Er bewegt sich also längerfristig im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt. Es gibt aber Ausnahmen.

Erstens: In Rezessionsphasen wird der Versicherungssektor deutlich härter getroffen als der Gesamtmarkt, was einerseits an der operativen Entwicklung (Kundenabschlüsse verzögern sich) und andererseits am gestiegenen Anlagerisiko liegt (Unsicherheit und höhere Volatilität an den Kapitalmärkten). Zweitens: Seit der US-Präsidentschaftswahl hat sich die positive Korrelation zwischen Aktienmarkt und Versicherungsaktien reduziert, und zwar dahingehend, dass Versicherungsaktien den breiten Markt “outperformt”, also übertroffen, haben. Dies kann zum einen mit der Aussicht eines Zinsanstiegs erklärt werden, zum anderen mit dem abnehmenden regulatorischen Druck.

Bildquelle: Deutsche Börse

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