Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 


- Anzeige -

bAV-Reform teilt den Markt

17.03.2017 – bjoern_achter_axaVon Björn Achter. Aktuell läuft das Gesetzgebungsverfahren zum Gesetz zur Stärkung der Betriebsrenten (BRSG). Die Frage, die uns beschäftigt, ist, wie die voraussichtlichen Änderungen des BRSG den bAV-Markt verändern wird. Dies insbesondere mit Blick auf den Markt für Versorgungen auf Basis der Förderungen des §3.63 EStG, und die Implikationen, die dies auf die Versicherer und Vertriebe haben wird, und welche realistischen Erwartungen an die reine Beitragszusage zu richten sind.

So könnten die verbesserten Förderungen (z.B. Förderbeitrag für Geringverdiener, Teilanrechnung auf die Grundsicherung, Ausweitung des maximal Dotierungsrahmens auf acht Prozent, etc.) unseres Erachtens mittelfristig zu einer Verdoppelung der Prämien führen. Dieses Wachstum wird jedoch ganz wesentlich zulasten anderer Sparformen gehen. Ein zentrales Element der Reform ist die Privilegierung tarifvertraglicher Lösungen hinsichtlich der Anwendbarkeit reiner Beitragszusagen und auch der Nutzung sogenannter Opting-Out Modelle.

Damit ist im Gesetz faktisch schon eine Zweiteilung des Marktes angelegt. Im Markt für tarifvertragliche Lösungen, in denen die Produktauswahl durch die Tarifvertragsparteien vordefiniert ist, und einen frei zugänglichen Markt, in dem die Produktauswahl auf Unternehmensebene getroffen wird. Im tarifvertraglichen Markt werden sich die Angebote auf einige wenige Wettbewerber oder Konsortien fokussieren (The winner takes it all). Im frei zugänglichen Markt werden alle heutigen Anbieter aktiv sein.

Auf Basis der Anzahl der Beschäftigten ohne bAV Anwartschaften ist davon auszugehen, dass der frei zugängliche Markt mit etwa zehn Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigen etwa doppelt so groß ist wie der tarifvertraglich gebundene. Nach Prämien bemessen wird der Unterschied geringer ausfallen. Inwieweit sich nicht-tarifgebundene Arbeitgeber tarifvertraglichen Lösungen anschließen bleibt abzuwarten, hier könnte es noch zu Verschiebungen zwischen den Teilmärkten kommen. Wir erwarten in beiden Märkten eine hohe Wettbewerbsintensität mit entsprechenden Effekten auf erzielbare Margen für Versicherer und Vermittler. Insbesondere werden die tarifvertraglichen Produktangebote als Referenzpunkte auch für den freien Markt herangezogen werden.

bav-grafik_axa

Die aktuell am meisten diskutierte Frage aber ist: Werden reine Beitragszusagen ohne Garantien in tarifvertraglichen Lösungen eingesetzt und finden diese Lösungen Akzeptanz und das nötige Vertrauen, oder setzen Tarifvertragsparteien und Beschäftigte auf Lösungen mit Garantien, z.B. auf Direktversicherungsprodukte mit einem Garantieversprechen.

Befürworter des Garantieverbots argumentieren, dass auch Arbeitnehmer von der Garantiefreiheit profitieren, denn Garantien kosteten Geld und damit Rendite für die Altersversorgung. Das ist grundsätzlich auch richtig. Zu fragen ist, ob Arbeitnehmern Rendite wichtiger als Sicherheit ist und was der kollektive Sparprozess bei einer reinen Beitragszusage leisten kann und wo die Grenzen liegen.

Hinsichtlich der Akzeptanz komplett garantiefreier Lösungen stehen alle Beteiligten noch vor großen kommunikativen Herausforderungen. Unabhängige Marktbefragungen wie der “Global Benefits Attitude Survey 2015/2016″ von Willis Towers Watsons kommen zu dem Ergebnis, dass Mindestgarantien für Menschen wichtig sind. Gefragt, was für sie in Bezug auf die Altersvorsorge am wichtigsten ist, antwortet die Mehrheit der Befragten hier, dass sie Verlässlichkeit und Garantie als die wichtigste Dimension sehen. Das zeigt, wo wir heute stehen und wie hoch der Beratungsbedarf ist.

Die reine Beitragszusage ist so angelegt, dass sowohl die Werte während der Aufschubzeit als auch im Rentenbezug schwanken können. Kollektive Puffer sollen dies weitgehend vermeiden. Wichtig zu verstehen ist, dass das Zusammenspiel der Kapitalanlageentscheidung, der verwendeten Rechnungsgrundlagen und dem Anteil der kollektiven Puffer die Wertentwicklung determiniert.

Unsere Modellrechnungen zeigen, dass das System kollektiver Puffer ein durchaus wirkungsvoller Schutz vor allzu großen Schwankungen sein kann. Gleichwohl könnten auch in realistischen Szenarien einzelne Rentnerkohorten die ursprünglich prognostizierten Renten nicht erzielen oder laufende Renten abgesenkt werden. In der beigefügten Abbildung ist genau ein solches Szenario dargestellt.

Wer beides ausschließen möchte, endet bei einer impliziten Garantie in der reinen Beitragszusage, die faktisch höher liegt als bei heute üblichen Direktversicherungsprodukten. Dies ginge dann definitiv stark zulasten der Rendite.

Bild: Björn Achter, Leiter des Geschäftsfelds Betriebliche Altersversorung bei Axa, sprach auf dem bAV-Symposium in Köln zum Betriebsrentenstärkungsgesetz. (Quelle: Axa)

Tags: ,
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten