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Barmer beklagt schlechte Versorgung älterer Menschen

20.07.2017 – behandlung_fotoliaDass die Menschen in Deutschland im Durchschnitt immer älter werden, ist bekanntlich nichts neues. Dass Menschen mit zunehmendem Alter auch desöfteren ins Krankenhaus müssen, ebenfalls nicht. Laut einer aktuellen Untersuchung der Barmer GEK werden ältere Geriatrie-Patienten hingegen länger als nötig oder kürzer als erforderlich in Krankenhäusern behandelt. Die Gründe sieht die Krankenkasse vor allem in finanziellen Fehlanreizen.

“Hintergrund ist die starre, an der Dauer des Krankenhausaufenthalts orientierte Vergütungskomponente für die sogenannte geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung (GFKB). Diese Vergütungskomponente nach Sieben-­Tage-­Intervallen ist in ihrer jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß. Sie sollte sich stattdessen stärker am tatsächlichen Bedarf des Patienten und an der medizinisch sinnvollen Dauer der Behandlung orientieren”, kritisiert Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

So lehne er zwar “das bisherige Vergütungssystem im Krankenhaus nicht an sich ab. Weil es aber stets als lernendes System betrachtet wurde, wünsche ich mir an dieser Stelle eine Weiterentwicklung”. Demnach würden “immer mehr Patienten nach mindestens 14 Behandlungstagen entlassen. Deren Anteil stieg von 58 Prozent im Jahr 2006 auf 75 Prozent im Jahr 2015″, so Straub. Gleichzeitig “sank der Anteil der GFKB-­Patienten mit einem Behandlungsintervall von zumindest sieben Tagen von 15 auf zehn Prozent und derer mit mindestens 21 Tagen von 27 auf 15 Prozent. Aus rein medizinischer Sicht darf man zumindest ein großes Fragezeichen hinter diese Praxis setzen”, betonte der Barmer-Chef.

Demnach sollte die “Vergütung für die GFBK sollte flexibler ausgestaltet werden. Außerdem sollte die Komplexbehandlung möglichst nur in großen Kliniken erfolgen und zwar dann, wenn die Patienten noch stationär behandelt werden müssen. Dies wären wichtige und durchaus gangbare Schritte, um die Altersmedizin auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten”, fordert Straub.

Große regionale Unterschiede in der Krankenhausbehandlung

Laut aktuellem Krankenhausreport der Barmer lagen die durchschnittlichen Ausgaben je weiblichem Versichertem im Jahr 2016 bei 771 Euro bei körperlichen Erkrankungen und 99 Euro bei psychischen Erkrankungen. Bei männlichen Versicherten fielen 789 Euro bzw. 88 Euro an. Ein Krankenhausaufenthalt kostete nach Angaben der Krankenkasse bei weiblichen Patienten im Schnitt 3.664 Euro bei körperlichen und 7.110 Euro bei psychischen Erkrankungen. Bei männlichen Patienten betrugen die durchschnittlichen Kosten 4.145 Euro bzw. 5.650 Euro. Häufigste Diagnosen war die Herzinsuffizienz, gefolgt von Vorhofflattern und Vorhofflimmern, Psychischen und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Angina pectoris, sowie Intrakranielle Verletzung.

Große regionale Unterschiede gibt es zudem bei den Krankenhaustagen pro Jahr und den Ausgaben für vollstationäre Krankenhausbehandlungen. Spitzenreiter im Ranking der Bundesländer ist demnach Thüringen mit 1.528 Krankenhaustagen je 1.000 Versichertenjahren vor dem Saarland (1.468 Euro) und Sachsen-Anhalt (1.448 Euro). Schlusslicht ist Baden-Württemberg mit 986 Euro, hinter Hamburg (1.091 Euro) und Berlin (1.160 Euro). Die höchsten Ausgaben weist laut Barmer-Statistik ebenfalls Thüringen auf mit 917 Euro je Versichertenjahr vor Sachsen-Anhalt (890 Euro) und dem Saarland (874 Euro). Schlusslicht ist ebenfalls Baden-Württemberg mit 647 Euro hinter Bremen (688 Euro und Hamburg (713 Euro). (vwh/td)

Bildquelle: Robert Kneschke / Fotolia

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