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Atradius warnt vor Umsatzsteuermodellen

28.06.2017 – Steuern_Denis_Junker_fotoliaSogenannte Umsatzsteuermodelle machen derzeit vor allem den Groß- und Einzelhändlern von Unterhaltungselektronik in Deutschland und Osteuropa zu schaffen, konstatiert der Kreditversicherer Atradius. Die Folge seien zunehmende Zahlungsausfälle für die Lieferanten und Dienstleister der Branche, deren Zahlungsmoral traditionell als eher stabil gelte, heißt es weiter.

Besonders betroffen von diesen zweifelhaften Modellen ist laut Atradius vor allem die IKT-Branche, da diese Steuerbetrügern aufgrund der Art ihrer Produkte viele Möglichkeiten biete. Dabei sei der logistische Aufwand zum An- und Verkauf von Mobiltelefonen, Bildschirmen, Festplatten, Tablets im Vergleich zu anderen Branchen relativ gering, auch bei hohen Stückzahlen. Gleichzeitig sind die Innovationszyklen kurz, so dass die jeweiligen Modelle schnell weiterverkauft werden, konstatiert der Kreditversicherer. Gerate ein Händler dabei ins Visier der Ermittler, können die Folgen laut Atradius verheehrend sein. Im schlimmsten Fall drohe dabei gar die Insolvenz.

“Verwicklungen in Umsatzsteuerkarusselle sind auch von außen oft schwierig zu erkennen”, erläutert Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS bei Atradius: “Einkäufer sollten nach unserer Erfahrung vorsichtig sein bei Angeboten deutlich unter dem üblichen Marktwert – gerade dann, wenn die Waren vom Verkäufer als einmalige Gelegenheit oder Sonderposten deklariert werden. Beim Weiterverkauf ist es ein Indiz, wenn der Firmensitz des Käufers und der Lieferort in unterschiedlichen Ländern liegen, wobei der Lieferort oft ein Lager eines externen Logistikanbieters ist. Die Ware wird dort gegen Vorkasse oder Direktzahlung freigegeben und vom Käufer abgeholt – unter anderem, weil sich der Abnehmer so einer Prüfung durch die Kreditversicherung des Lieferanten entzieht, da in diesem Fall keine zu versichernde Forderung entsteht. Skeptisch sein sollte man auch bei Geschäftskontakten, die nicht persönlich bekannt sind und als Vermittler für regelmäßig wechselnde Lieferanten oder Kunden auftreten.”

Betrüger bedienen sich Ausnahmeregelung im EU-Recht

Das Problem bei diesen Steuertricksereien: Die Umsatzsatzsteuerkarussell nutzt laut Atradius eine Ausnahme im geltenden EU-Recht. Demnach müsse bei innergemeinschaftlichen, grenzüberschreitenden Lieferungen zwischen Unternehmen nicht wie sonst üblich der Verkäufer die Umsatzsteuer abführen, sondern erst der Kunde, welcher das Produkt beim Weiterverkauf der Ware innerhalb des eigenen Landes erwirbt.

Dies werde laut Kreditversicherer von Betrügern für ihre Steuerdelikte ausgenutzt, in dem sie die Waren aus dem EU-Ausland oftmals über Briefkastenfirmen zum Nettopreis (= ohne Umsatzsteuer) beziehen. Diese Waren werden dann im Inland weiterverkauft. Dabei geben sie ihren ursprünglichen Nettoeinkaufspreis (= ohne Umsatzsteuer) als Bruttoeinkaufspreis (inklusive Umsatzsteuer) aus.

Auf den neuen, gefälschten Nettoeinkaufspreis geben die Steuerbetrüger dann einen geringen Preisaufschlag und veräußern die Waren zuzüglich Umsatzsteuer. Später lassen sie sich dann vom Finanzamt die Umsatzsteuer erstatten, die sie beim Kauf gerade nicht bezahlen mussten. So erzielen sie insgesamt einen Gewinn, konstatiert Atradius. Um diese Tricksereien zu vertuschen, bedienen sich die Betrüger neben Scheinrechnungen oft auch ein komplexes Firmengeflecht, in dem die Waren schnell und mehrfach den Eigentümer wechseln – stets mit Ausweisung der Umsatzsteuer, so dass es nach außen den Anschein eines normalen Handelsgeschäftes habe.

“Wird die Betrugsmasche professionell durchgeführt, ist es für Firmen oft kaum zu erkennen, dass sie in einem solchen Karussell involviert sind. Gleichzeitig gehen Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft schon im Verdachtsfall sehr strikt gegen Beteiligte vor. Selbst wenn am Ende ein Freispruch für ein Unternehmen erfolgt, ist häufig die finanzielle Basis bereits zerstört durch die bis dahin erfolgten Maßnahmen wie Pfändungen, eingefrorene Konten oder der Untersuchungshaft von Mitarbeitern”, ergänzt Karrenberg. (vwh/td)

Bildquelle: Fotolia

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