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Atradius: Autozulieferern drohen Zahlungsprobleme

18.08.2017 – 182224_web_R_B_by_Kurt_pixelio.deOb Dieselgate oder der Verdacht auf Kartell-Absprachen: Die deutsche Automobilkrise steckt derzeit in einer dicken Krise – mit entsprechenden Folgen für die Zahlungsfähigkeit der Automobilzulieferer. Nach Einschätzung des Kreditversicherers Atradius drohen in absehbarer Zeit mehrere spezialisierte Komponenten- und Einzelteilanbieter in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten, sollten die Dieselzulassungen in Deutschland weiterhin zurückgehen.

Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) lag der Anteil von Dieselfahrzeugen auf Deutschlands Straßen im Juli 2017 bei 40,5 Prozent. Im Vormonat betrug dieser immerhin noch 47,1 Prozent. Aufgrund dieser Entwicklung befürchtet der Kreditversicherer in der Folge erhöhte Liquiditätsgefahren bei nachgelagerten, kleinen und mittleren Zulieferern für Dieselfahrzeuge, deren Kernprodukte zum Beispiel bei Einspritzanlagen, Filtersystemen, Antriebswellen, Abgasanlagen oder Getrieben zum Einsatz kommen.

“Zahlungsprobleme können im schlimmsten Fall bereits innerhalb von zwei Quartalen eintreten”, befürchtet Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS von Atradius. “Die Spezialisierung auf einzelne Verbrennungsmotorkomponenten – worauf viele Anbieter bis vor wenigen Jahren noch gesetzt haben – könnte sich jetzt als Nachteil erweisen. Künftig werden diejenigen Akteure am wettbewerbsfähigsten sein, die breiter aufgestellt sind, sich bereits auf die neuen Technologien eingestellt haben oder über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um schnell auf Innovationsanforderungen reagieren zu können. Der Ausgang des Nationalen Forums Diesel dürfte den Trend zu alternativen Antrieben weiter beschleunigen. Das vergrößert erneut die Unsicherheit bei vielen Zulieferern”, prognostiziert der Experte des Kreditversicherers.

Atradius registriert höheres Anspruchsdenken

Gleichzeitig registriert der Kreditversicherer nach eigenen Angaben eine Reihe von Trends und Entwicklungen, die sich auf das Geschäft der Automobilindustrie auswirken. Dazu zählen für die Atradius-Experten zum Beispiel höhere Ansprüche an die Umweltverträglichkeit von Fahrzeugen und sich verändernde Mobilität, etwa durch so genannte Carsharing-Modelle. Aufgrund der jüngsten Ereignisse rund um Abgasfahrzeuge rechnet der Kreditversicherer mit einer weiteren Beschleunigung dieses Wandels.

“Früher oder später wird die veränderte Mobilität die gesamte Wertschöpfungskette von Verbrennungsmotoren betreffen”, prognostiziert Karrenberg. “Viele Subzulieferer stehen vor der Herausforderung, schnell ihr Produktportfolio den neuen Anforderungen anzupassen und Dienstleistungen rund um die Elektromobilität zu entwickeln. Insofern werden wir die Geschäftsmodelle der Firmen künftig noch intensiver hinterfragen. Geringe Risiken sehen wir hingegen bei großen diversifizierten Systemlieferanten und bei den Herstellern selbst, unter anderem, weil sie über ausreichend Forschungs- und Entwicklungskapazitäten verfügen, den Wandel mitzugehen. Die entscheidende Frage wird sein, wann auf die neue Mobilität umgestellt wird”, ergänzt der Experte.

Deutsche lieben weiterhin ihr Auto

Beim Verbraucher scheint die Krise der Autoindustrie jedenfalls nicht anzukommen. Laut einer aktuellen Trend-Studie des Mineralkonzerns Aral sind Deutschlands Autofahrer dank guter Konjunktur, robustem Arbeitsmarkt und niedrigem Zinsniveau derzeit in Kauflaune. Demnach planen 41 Prozent der Befragten, sich in den nächsten 18 Monaten ein anderes Fahrzeug zulegen wollen. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch fünf Prozentpunkte niedriger. Gleichzeitig stagniert das Interesse an einem Jahreswagen laut Arak bei zehn Prozent. Ein Gebrauchtwagen kommt nur noch für sechs Prozent der deutschen Autofahrer in Frage. Dies entspricht einem Minus von vier Prozentpunkten gegenüber 2015.

Neuer Spitzenreiter bei der Markenwahl ist hingegen Audi. Laut Aral-Studie würden demnach 17 Prozent der Studienteilnehmer beim nächsten Autokauf dieser Marke den Zuschlag geben. Dies sind damit mehr als doppelt so viele wie bei der Vorgängerbefragung aus dem Jahr 2015. Damit löst der Ingolstädter Automobilbauer den langjährigen Spitzenreiter Volkswagen ab, der mit nur noch 13 Prozent (minus vier Prozentpunkte) auf Rang drei landet. Einen deutlichen Sprung nach vorne macht hingegen der bayerische Autokonzern BMW mit einem Plus von sechs Prozentpunkten auf nunmehr 14 Prozent.

Besonderer Beliebtheit scheinen sich auch Reisemobile und Caravans zu erfreuen. Demnach stiegen die Neuzulassungen von Caravans nach Angaben des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18,7 Prozent auf 2.504 Fahrzeuge. Bei den Reisemobilen meldet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg für den Juli 3.866 Neuregistrierungen. Dies entspricht laut CIVD einem Plus von 16,2 Prozent gegenüber 2016. Insgesamt seien nach Angaben des Branchenverbandes allein zwischen Januar und Juli 2017 insgesamt 48.384 Freizeitfahrzeuge neu registriert worden. Damit sei das Rekordergebnis vom Vorjahr um 13,7 Prozent übertroffen worden. (vwh/td)

Bildquelle: Kurt / PIXELIO (www.pixelio.de)

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