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An Scrum und Kanban führt kein Weg vorbei

19.07.2017 – tobias_hildebrandt_sollersVon Tobias Hildebrandt. Die Versicherungswirtschaft unterliegt einem rapiden Wandel, sowohl hinsichtlich der Kundenbedürfnisse als auch der Wettbewerbssituation. Es ist davon auszugehen, dass sich die Wettbewerbsintensität in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird. Neben Insurtechs erhöhen branchenfremde Akteure den Druck auf die etablierten Player und drängen mit digitalen Angeboten auf den Markt.

Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, müssen Versicherer in der Lage sein, sich kurzfristig dem Tempo des Wandels anzupassen. Es ist unabdingbar, die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen und in die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen einzubeziehen. Dies erfordert eine konsequente Transformation hin zu mehr agilen Strukturen.

Agile in den IT-Abteilungen bereits weit verbreitet

In den IT-Abteilungen der Versicherer erfreut sich der Einsatz agiler Projektmanagementmethoden wie Scrum oder Kanban zunehmender Beliebtheit. Der Ansatz erfordert ein hohes Maß an Zusammenarbeit der verschiedenen Stakeholder (Endnutzer, Business & IT) und ermöglicht eine flexible Anpassung an sich ändernde Prioritäten und Anforderungen. Durch eine Entwicklung in vielen iterativen Schritten (Sprints) steigert man die Transparenz und erhöht die Flexibilität. Ein wesentlicher Vorteil agiler Vorgehensweise ist in der Reduzierung des Projektrisikos zu sehen.

So ist man in der Lage, Fehler frühzeitig zu erkennen und entgegenzusteuern. Agile Projekte sind dreimal so erfolgreich wie immer noch weit verbreitete klassisch durchgeführte Projekte, die der Wasserfall-Methode folgen und an einem starren Vorgabenkatalog orientiert sind. Für viele Versicherer bedeutet agiles Arbeiten allerdings einen drastischen Wandel der Unternehmenskultur. Die Umsetzung der agilen Vorgehensweise ist aufgrund gefestigter Strukturen, die sich über die Jahre etabliert haben, mit vielen Herausforderungen verbunden.

Flache Hierarchie und kurze Entscheidungswege wichtig

Agilität bedeutet Flexibilität und kürzere Planungshorizonte. Gerade in Deutschland strebt man dazu, Unsicherheit zu vermeiden und möglichst detaillierte, langfristige Pläne zu verfolgen. Planänderungen werden oft mit einem Scheitern gleichgesetzt. Traditionelle, hierarchische Organisationsstrukturen widersprechen dem Agile-Prinzip, welches von flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen lebt. Viele Unternehmen sind für solche Veränderungen nicht bereit und lassen jede Form von Entscheidungen ausschließlich von Führungskräften treffen. Die Implementation agiler Arbeitsweise weckt bei vielen Mitarbeitern häufig Ängste, da sie einen Verlust von Entscheidungsgewalt fürchten. Das Festhalten an hierarchischen Strukturen führt in der Regel allerdings dazu, dass die Potenziale der Agile-Methode nicht voll ausgeschöpft werden können und sich beispielsweise der „Time to market“ verzögert. In einer agilen Organisation sollte sich ein Vorgesetzter in den Dienst des Teams stellen und Verantwortung übertragen. Es ist wichtig, Wissen zu teilen und eine offene Diskussionskultur zu fördern.

Agilität muss unternehmensweit gelebt werden

Auch wenn innerhalb eines Projekts oder einer Abteilung agil agiert wird, kämpft man mitunter gegen die vorherrschenden Strukturen im Unternehmen. Allerdings ist die Anwendung agiler Projektmanagementmethoden besonders erfolgsversprechend, wenn das Unternehmen geschäftsbereichsübergreifend hinter dem Ansatz steht und die Teammitglieder in der Lage sind, projektrelevante Entscheidungen in Eigenverantwortung zu treffen. Wenn die Voraussetzungen stimmen und eine agile Kultur gefördert wird, kann die Methode optimal funktionieren und sich so positiv auf den Business Value auswirken.

Viele große Versicherer haben bereits reagiert und verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze. So hat die Allianz agile Trainingscenter ins Leben gerufen, um auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtete digitale Produkte zu entwickeln und so die digitale Transformation voranzutreiben.

Unternehmen nutzen externes Know-how

Kundenorientierung sollte bei Versicherern an erster Stelle stehen. Flexible Reaktion auf Kundenbedürfnisse setzt agile Organisation voraus. Es empfiehlt sich, agiles Wissen von außen in das Unternehmen zu tragen. Entscheidende Positionen im agilen Ansatz, wie beispielweise der Scrum Master oder Product Owner, sind essentiell für ein funktionierendes agiles Team. In diesen Rollen muss man den Mut haben, etablierten Vorgehensweisen zu widersprechen und somit oftmals in Konflikt mit Vorgesetzten zu treten. Es ist empfehlenswert, diese Schlüsselrollen in der Anfangsphase mit externen Experten zu besetzen, die den Wandel zu einer agilen Organisation begleiten.

Bild: Tobias Hildebrandt ist New Business Associate bei Sollers Consulting. (Quelle: Sollers)

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