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Advocard: Berliner und Leizpiger “zoffen” sich am meisten

05.12.2017 – Justiz -  Q.pictures  - pixelio.de“Coram iudice et in alto mari sumus in manu Dei” oder “Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand”, heißt es im Volksmund. Auch wenn die Zeiten vermeintlicher “Gottesurteile” Gott sei Dank längst der Vergangenheit angehören, scheint Prozessieren zu einem neuen Volkssport zu werden. Laut einer aktuellen Advocard-Studie ist das Streitaufkommen nämlich weiter gestiegen.

Demnach ist die Zahl der Streitfälle in Deutschland im Jahr 2016 bundesweit um 2,8 Prozentpunkte auf 25,1 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: 2014 lag der Anteil noch bei 22,3 Prozent. Bei jedem dritten Streit etwa geht es um Werte über 2.000 Euro. Auch wenn die Ursachen für Rechtsstreitigkeiten laut aktuellem “Streitatlas 2017″ des Rechtsschutzversicherers vielfältig sind, lassen sich jedoch fünf Ursachenfelder abstecken.

Auf Platz eins stehen demnach private Streitigkeiten mit 40,1 Prozent aller Streitfälle wie zum Beispiel mit einem Reiseveranstalter, an zweiter Stelle folgt der Straßenverkehr (27,9 Prozent). Hier verzeichnet die Advocard das stärkste Plus mit 3,2 Prozentpunkte. Das Arbeitsumfeld (13,4 Prozent) belegt laut Studie den dritten Platz, auf Platz vier kommt der Bereich Wohnen (11,2 Prozent) und auf fünf Behörden und Finanzen (7,5 Prozent).

Rosenkriege sind häufigster Streitpunkt

Häufigste Streitursache im Privatbereich ist demnach die Scheidung mit einem Anteil von 31,4 Prozent, gefolgt vom Erbstreitigkeiten (25,3 Prozent) sowie Auseinandersetzungen mit einem Reiseveranstalter (15,7 Prozent). Im Straßenverkehr sind hingegen Unfälle (36,7 Prozent) die häufigste Ursache für einen Rechtsstreit, gefolgt von Geschwindigkeitsvergehen (32,7 Prozent) und Mängel beim Autokauf (16,7 Prozent).

Im beruflichen Umfeld führen vor allem unterschiedliche Ansichten über die Vergütung (31,8 Prozent) zu einer Gerichtsverhandlung. Auf Rang zwei liegen ordentliche Kündigungen eines Arbeitsverhältnisses (17,3 Prozent), gefolgt von Streitigkeiten um das Arbeitszeugnis (11,9 Prozent).

Kommt es hingegen zwischen Mieter und Vermieter zum Krach, geht es in den meisten Fällen um die Betriebskisten (31,9 Prozent). Nachbarschaftsstreitigkeiten sind in 29,0 Prozent der Fälle der Auslöser, gefolgt von der Wohnungskündigung (14,5 Prozent) oder Mängeln am Mietobjekt (11,5 Prozent).

Streitlustige Berliner und Leipziger

Die meisten Rechtsstreitigkeiten gab es im vergangenen Jahr laut Advocard-Studie erneut in Berlin mit einem Anteil von 31,2 Prozent (2014: 29,3 Prozent). Den zweiten Platz teilen sich dabei die Hansestadt Hamburg und Nordrhein-Westfalen mit jeweils 28,8 Prozent (2014: 26,5 Prozent in NRW und 25,8 Prozent in Hamburg), gefolgt von Brandenburg mit 27,6 Prozent (2014: 24,8 Prozent).

Den größten Anstieg im Länderranking verzeichnete laut “Streitatlas 2017″ jedoch Rheinland-Pfalz mit einem Anstieg von 3,5 Prozentpunkten auf 25,7 Prozent (2014: 22,2 Prozent). Lediglich in der Hansestadt Bremen ging die Zahl der juristischen Auseinandersetzungen um 0,3 Prozentpunkte auf 25,6 Prozent (2014: 25,3 Prozent) zurück.

Schlusslicht ist übrigens Bayern mit einem Anteil von 21,3 Prozent (2014: 18,8 Prozent) hinter Baden-Württemberg mit 23,2 Prozent (2014: 20,2 Prozent). Der Bundesdurchschnitt lag 2016 laut Advocard bei 25,1 Prozent (2014: 22,3 Prozent).

Wie bereits 2014 gehörten zudem die Einwohner der sächsischen Großstadt Leipzig zu den streitlustigsten der Republik mit 33,2 Rechsstreitigkeiten je 100 Einwohner (2014: 29,9 Prozent). Dahinter folgen die rheinische Millionenstadt Köln mit 32,1 Prozent (2014: 29,6 Prozent) und die hessische Finanzmetropole Frankfurt am Main mit einem Anteil von 31,1 Prozent (2014: 27,4 Prozent).

Männer sind besonders krawallgebürstet

Auch wenn der Rechtsschutzversicherer bislang keinen biologischen Beweis führen konnte, sind Männer (67,1 Prozent) wesentlich häufiger zu juristischen Auseinandersetzungen bereit als die Damen der Schöpfung. Zudem streiten sich Menschen zwischen 46 und 55 Jahren streiten statistisch gesehen am häufigsten (28,4 Prozent aller Streitfälle).

Während der Anteil der Streithähne und -hennen über 65 Jahren mit einem Anteil von 8,0 Prozent hingegen kontinuierlich abnimmt, scheinen junge Erwachsene zwischen 18 und 36 Jahren zunehmend streitlustiger zu werden. So stieg der Anteil aller Auseinandersetzungen in dieser Altersgruppe von 3,1 Prozent im Jahr 2002 auf mittlerweile 23,7 Prozent im Jahr 2016.

Verfahren dauern immer länger

“In Deutschland kann man heutzutage immer schneller in einen Streit verwickelt werden. Die Frage, wer Recht hat, wird immer öfter juristisch geklärt. Es wird immer mehr gestritten, zunehmend auch wegen eher geringer Streitwerte. Dies liegt sicherlich auch an der steigenden Anzahl von Gesetzen und Verrechtlichung der Gesellschaft”, kommentiert Peter Stahl, Vorstandssprecher der Advocard, den aktuellen Studienatlas.

Zudem streitet Deutschland verbissener: “Bis ein Streit endlich beigelegt werden kann, dauert es immer länger”, konstatiert Stahl. Demnach ist die Zahl der Streitfälle mit einer Dauer von mindestens zwölf Monaten um vier Prozentpunkte angestiegen.

Streitigkeiten, die in sechs Monaten oder weniger beigelegt werden konnten, sind dagegen rückläufig (- 3,4 Prozentpunkte). Aber es geht auch anders: Der Anteil sehr schnell gelöster Streitfälle (Null bis Drei Monate) steigt ebenfalls an (+ 2,6 Prozentpunkte). (vwh/td)

Link: Die Ergebnisse des “Streitatlas 2017″ im Überblick

Bildquelle: Q.pictures / PIXELIO (www.pixelio.de)

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