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3D-Druck wird bisherige Geschäftsmodelle verändern

31.01.2018 – michael_hohmann_sgk“Warum machen sich Großkunden wie Sie eigentlich so klein, wenn es um die Forderungen geht, die Sie an Ihren Versicherer stellen?” wollte ein Diskussionsteilnehmer wissen, nachdem Vertreter der Deutschen Telekom, Airbus Industries und SMS die Do’s und Don’t's dargestellt hatten, die sie von ihren Haftpflichtversicherern erwarten. Ähnlich sah das auch Michael Hohmann von Allianz Global Corporate & Specialty.

“Gehen Sie aktiv auf uns zu”, forderte er seine bestehenden und potentiellen Kunden auf. Der Kunde solle nicht warten, was der Versicherer anbietet, sondern aktiv den Dialog suchen. Nur so könne man den vielfältigen Herausforderungen begegnet werden, denen sich die Haftpflichtversicherung jetzt stellen muss, betonte Hohmann auf dem Euroforum Haftpflicht in Hamburg. Da ist zum einen die zunehmende Zahl von immer teureren Großschäden, bei denen insbesondere auch Umweltschäden verstärkt ins Gewicht fallen. Aber auch die Produktrisiken nehmen zu.

So gab es allein im letzten Jahr über 10.000 Rückrufe, nicht zuletzt bedingt durch den zunehmenden Handel zwischen China und der Europäischen Union (EU) und die immer komplexer werdende Lieferkette. Der durchschnittliche Schaden betrug dabei 10,5 Mio. Euro, die Kosten für große Rückrufe konnten aber durchaus auch in die Milliarden gehen.

Weitere neue Risiken sind Hohmann zufolge Cyberrisiken, bei denen es noch viele offene Fragen bei der Versicherbarkeit gibt, wie z. B. danach, wann ein Rückruf gerechtfertigt ist und welcher Trigger das auslöst bzw. wer dazu bereit ist, eine solche Deckung zu bezahlen. Ein Thema mit zunehmender Brisanz ist auch das autonome Fahren. Hier gehe es um die Verlagerung der Risiken vom Halter auf den Hersteller einerseits und neue Dimensionen, wenn es zu Sachschäden kommt, andererseits.

“Erweitertes Testfeld 3D-Druck-Technologie”

Ebenfalls um ein “erweitertes Testfeld” handelt es sich nach Hohmanns Einschätzung bei der 3D-Druck-Technologie, bei der vollkommen neue Materialien eingesetzt werden, über die es bisher kaum belastbare Erfahrungen gibt. Er ist davon überzeugt, dass diese Technologie “die bisherigen Geschäftsmodelle verändern und signifikante Auswirkungen auf Liefer- und Haftungsrisiken haben” wird.

Eine zunehmende Komplexität über der Versicherbarkeit dürfte es auch bei der Shared Economy geben, wenn – wie beim Carsharing – Fahrer und Halter nicht mehr grundsätzlich identisch sind. Ganz neue Anforderungen an die Veränderungsbereitschaft aller Beteiligten werde es vor allem durch die Digitalisierung geben. Mit den traditionellen Produkten und finanziellen Risikotransfers werde man nicht weit kommen, gefragt seien zunehmend spartenübergreifende Lösungen und service-orientierte Dienstleistungen, die einen Mehrwert darstellen und die Kundenbindung erhöhen.

In der anschließenden Diskussionsrunde zeigte Georg Bräuchle, Geschäftsführer von Marsh, ganz nüchtern auf, wo es in diesem Zusammenhang vor allem hakt. Als die Runde reihum gefragt wurde, wo sein eigenes Unternehmen schlecht sei, konstatierte er: “Wenn Sie sich outen müssen, wo Sie schlecht sind, können Sie immer IT sagen, weil da alle schlecht sind.” (sgk)

Bild: Michael Hohmann, AGCS (Quelle: sgk)

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