Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

“Wollen Hilfestellung bei Solvency II-Umsetzung leisten”

10.10.2014 – Renz_AktuarIn den kommenden zwölf Monaten steht bei der europäischen Aktuarvereinigung AAE die finale Umsetzung von Solvency II im Fokus. Der enge Zeitrahmen für Stellungnahmen und der Umfang der Dokumente, die nicht an allen Stellen konsistent sind, seien die größten Herausforderungen die es nach Ansicht des neugewählten AAE-Präsidenten Michael Renz zu meistern gilt.

VWheute: Sie sind nun Präsident der europäischen Aktuarvereinigung AAE. In Ihre Präsidentschaft wird die finale Umsetzung von Solvency II fallen. Inwieweit wird sich die AAE in die Diskussion einbringen und welche Herausforderungen sind noch zu meistern?

Michael Renz: In den nächsten Monaten werden wir uns intensiv an den Beratungen zu den von EIOPA veröffentlichten Entwürfen der Durchführungsstandards (Implementing Technical Standards) und Leitlinien (Guidelines) beteiligen. Wir haben hierzu ein länderübergreifendes Projektteam eingesetzt, das mit sehr viel Einsatz die umfangreichen Unterlagen sichtet und zu den für die Aktuare wichtigen Themen Stellung nimmt. Die Herausforderung hierbei ist der enge Zeitrahmen für Stellungnahmen sowie der Umfang der Dokumente, die auch nicht an allen Stellen konsistent sind.

Welche Themen stehen bei AAE außerdem auf der Agenda und welches Thema werden Sie in Ihrer Amtszeit besonders forcieren?

In den kommenden zwölf Monaten wird die Solvency II Umsetzung das beherrschende Thema sein. Wir wollen unseren nationalen Mitgliedsorganisationen auch bei der Umsetzung in nationales Recht Hilfestellung leisten. Z. B. wird in einigen Ländern die Beibehaltung der bewährten Rolle des Verantwortlichen Aktuars diskutiert. In Deutschland steht dies bereits im Entwurf für das neue VAG. Wir unterstützen diese Diskussion z. B. mit Erfahrungsaustausch über die Ländergrenzen hinweg.

Für die vom Gesetzgeber neu installierten Rollen der aktuariellen Funktion und der Risikomanagement Funktion sind die europäischen Aktuare aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer ständigen Weiterbildung erste Wahl. Für die Risikomanagement Funktion gibt es mit dem Certified Enterprise Risk Actuary sogar eine zusätzliche zertifizierte Ausbildung.

Weitere Themen, mit denen wir uns befassen müssen, sind Verbraucherschutz, die Überarbeitung der Richtlinie über die Tätigkeit und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV II-Richtlinie), da auf diesem Gebiet europaweit sehr viele Aktuare tätig sind, sowie die beginnende Diskussion über weltweit geltende internationale Kapitalstandards.

Außerdem werden wir Muster-Richtlinien (Model Standards) für Aktuare für unsere Mitgliedsorganisationen erstellen. Wir haben soeben auf unserer Jahresversammlung die Muster-Richtlinie „Grundsätze für die aktuarielle Arbeitsweise“ (General Actuarial Practice) verabschiedet und arbeiten derzeit an einer Richtlinie zum Bericht der aktuariellen Funktion.

Welche versicherungsmathematischen Fragen sind in den nächsten Jahren besonders von Belang?

Vor den europaweiten Trends „steigende Lebenserwartung/alternde Gesellschaften“ und „niedrige Zinsen“ wird es sehr spannend sein, wie die Anbieter unter den neuen Kapitalregeln unter Solvency II Produkt- und Anlagestrategien ausgestalten werden. Zum einen können die Rahmenbedingungen nicht ignoriert werden, zum anderen stellen die Kunden zu Recht steigende Anforderungen an Transparenz und Berechenbarkeit des Produktangebots. Viele steuerliche und arbeitsrechtliche Regelungen sind immer noch national unterschiedlich ausgestaltet. Wir werden deswegen durchaus unterschiedliche Lösungen sehen. Das werden für die Aktuare sehr arbeitsreiche und herausfordernde Betätigungsfelder sein.

Sie sind auch Mitglied im Vorstand der DAV. Was können Sie aus deutscher Sicht in die AAE an Expertise mit einbringen?

Im internationalen Vergleich haben wir in Deutschland eine der besten Ausbildung für Aktuare. Basis ist in der Regel ein Mathematikstudium an das sich dann die dreijährige Praxis und die speziellen Ausbildungsangebote der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. anschließen. Da unter Solvency II an die Schlüsselfunktionen besondere Anforderungen an die Qualifikation gestellt werden, sehen wir unsere Ausbildung schon ein wenig als „best practice“ und als Anregung für einen europaweiten Ausbildungsstandard.

In Deutschland haben wir mit gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge, unserem Drei-Säulen-Modell, bereits Grundsteine für eine größere Diversifizierung in der Gestaltung der Altersvorsorge und Risikoabsicherung gelegt. Ein derart gestaltetes System könnte sich angesichts der oben erwähnten Herausforderungen als sehr robust erweisen, wenn man auch in Zukunft die Weichen richtig stellt. Diese Erfahrungen werden wir deutschen Aktuare in die europäische Diskussion einbringen.

Die Fragen stellte VW-Redakteurin Katja Schuld.

Foto: Michael Renz, Vorsitzender der Europäischen Aktuarvereinigung (AAE – Actuarial Associaton of Europe) (Quelle: DAV)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten