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Verdi-Verhandlungsführer Meister: “Abschluss für drei Jahre undenkbar”

29.04.2015 – verdi_meister_kaspar_150Eine gute Stimmung, aber ein unzureichendes Angebot konstatiert der Verhandlungsführer der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Christoph Meister, nach der zweiten Tarifrunde für die mehr als 170.000 Mitarbeiter im Innendienst der Versicherungswirtschaft. Man sei noch ein gutes Stück weit auseinander, auch Warnstreiks seien nicht ausgeschlossen, so Meister direkt nach den Gesprächen gegenüber VWheute.

Angesichts der volkswirtschaftlich volatilen Lage sei die von der Arbeitgeberseite vorgeschlagene Laufzeit von 36 Monaten viel zu lang, so Meister im Telefoninterview, zwölf Monate umfasse der Gegenvorschlag von Verdi. Zwar sei man zufrieden, dass die Arbeitgeber, mit Verhandlungsführer Josef Beutelmann an der Spitze, überhaupt ein Angebot unterbreitet haben, doch das Gesamtpaket sei so nicht abschlussfähig und Nachbesserungen obligatorisch (siehe POLITICS).

In der zweiten Verhandlungsrunde, die nach Karlsruhe nun in Köln stattfand, haben beide Seiten noch einmal ihre grundsätzliche Bewertung der Branche vorgenommen und dabei noch weit auseinanderliegende Positionen identifiziert: Einzelne Kennzahlen zu den Unternehmen differierten ebenso, wie die Bewertung der Gegenwart und Zukunft. Die Arbeitgeber konzentrierten sich zu sehr auf die Risiken, so der Gewerkschaftsführer weiter, während sich Verdi auf den aktuellen Status konzentriere.

Auf die Frage, wie weit die Positionen vor der dritten und letzten Runde noch auseinander lägen sagte Meister: “Materiell liegen wir bei einem von uns ausgerechneten Arbeitgeberangebot von unter einem Prozent sehr weit auseinander.” Jetzt werde das Angebot den Mitgliedern vorgelegt, Reaktionen eingesammelt und das weitere Vorgehen beratschlagt, auch ein Warnstreik sei nicht mehr ausgeschlossen, denn, so wie das Angebot steht sei es nicht akzeptabel.

Eine weitere zentrale Forderung der Gewerkschaft ist eine Regelung zur Übernahme von Auszubildenden. Dem wiederspricht die Arbeitgeberseite aber mit Blick auf die Autonomie der Unternehmen: Dies sei ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit, so der AGV. Vor dem Hintergrund schlechter Nachrichten, wie sie die Bild-Zeitung z.B. in den vergangenen Tagen brachte (Lebensversicherung nicht mehr sicher. Anm. d. Red.) hätten die Arbeitgeber jetzt die Gelegenheit einmal für gute Nachrichten in der Branche zu sorgen, meint Christoph Meister.

Vor der letzten Runde sieht Meister die Stimmung auf beiden Seiten ohne Spannung und sachorientiert. Deshalb zeigt sich der Gewerkschafter auch zuversichtlich eine Einigung zu erzielen und die letzten Meter zu überbrücken. Ein Abschluss aber für drei Jahre “sei undenkbar”.

Jetzt hoffen alle Beteiligten auf eine Einigung in der dritten Verhandlungsrunde, die zwischen Verdi und AGV am 22. Mai in Hamburg stattfindet.

Das Interview führte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar. (vwh/ak)

Bild: Verdi-Verhandlungsführer Christoph Meister. (Quelle: ak)

Link: Siehe auch die Interviews mit Christoph Meister und Josef Beutelmann nach der ersten Verhandlungsrunde.

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