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VdU: Frauenquote ja – aber keine staatlichen Vorgaben

30.03.2015 – vdu_bschorrDie Verabschiedung eines Gesetzes zur Einführung einer Frauenquote durch den Bundesrat am vergangenen Freitag hat Stephanie Bschorr, Präsidentin des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen (VdU) begrüßt. Als Wirtschaftsverband lehnt der VdU staatliche Eingriffe in die unternehmerische Freiheit allerdings ab, doch überwiege insgesamt der Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft, sagte Bschorr im Interview gegenüber VWheute.

VWheute: Aus Sicht des VdU: schadet ein Gesetz zur Frauenquote den Begünstigten tatsächlich eher oder überwiegt der Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft?

Stephanie Bschorr: Ganz klar: der Nutzen überwiegt. Und zwar für Frauen, Wirtschaft und Gesellschaft. Für die Frauen, weil sie nicht mehr durch die Gläserne Decke ausgebremst werden. Für die Wirtschaft: zahlreiche Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass gemischte Teams den unternehmerischen Erfolg positiv beeinflussen. Und für die Gesellschaft, die schließlich mit in die Ausbildungen der Frauen investiert hat. Als Wirtschaftsverband begrüßen wir die Einführung der gesetzlichen Quote für Aufsichtsratsgremien börsennotierter und mitbestimmungspflichtiger Unternehmen. Wir wissen, dass genügend qualifizierte Frauen bereitstehen, um Mandate zu übernehmen. Quote und Qualifikation sind keine Gegensätze. Die Quote ist nur ein anderer Zugang zu qualifiziertem Personal.

Einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zufolge kollidiert das geplante Gesetz zur Einführung einer Frauenquote mit dem Grundgesetz sowie wie mit Europäischem Recht. Wie ist in diesem Zusammenhang die Position des VdU?

Als Wirtschaftsverband lehnt der VdU staatliche Eingriffe in die unternehmerische Freiheit ab. Darum treten wir für eine Quote in Aufsichtsgremien ein, wenden uns aber entschieden gegen entsprechende  staatliche Vorgaben für die operative Unternehmensebene. Die im jetzt beschlossenen Gesetz enthaltene Regelung einer festen Vorgabe für die Aufsichtsräte und einer von den Unternehmen festzulegenden Selbstverpflichtung unterstützen wir grundsätzlich, hätten uns hier aber mehr Flexibilität gewünscht, um die Unternehmen zu animieren, möglichst viele Frauen in ihren Führungsebenen zu fördern.

Immer wieder werden in der Öffentlichkeit und in den Medien erfolgreiche junge Unternehmerinnen präsentiert. Sind diese Beispiele lediglich Alibi-Fälle zur Illustration erfolgreicher Politik, also Symbolpolitik, die nur einen Kulturwandel in der Wirtschaft vorgauckeln?

Das sehe ich ganz anders. Wir brauchen ganz dringend sichtbare Vorbilder, damit mehr Frauen unternehmerisch tätig werden. Die Medien spielen dabei eine wichtige Rolle. Ich würde es begrüßen, wenn sie daran mitwirken würden, das Bild von Frauen und Unternehmertum positiv zu besetzen und so mehr Frauen Lust aufs Gründen machen würden. Natürlich ist es wichtig dabei keine „heile Welt“ vorzuspielen; die Zahlen sprechen hier ja eine klare Sprache:  Nur knapp jede dritte Firma wird von einer Frau gegründet, Startup-Gründer sind im Schnitt sogar zu knapp 90 Prozent männlich. Das Gründerinnenpotenzial in Deutschland ist also bei weitem nicht ausgeschöpft. Wir brauchen vor allem eine öffentliche Debatte über die Ursachen, die diesen Zahlen zugrunde liegen und endlich eine Infrastruktur, die auch Menschen mit familiären Verpflichtungen eine entsprechende Flexibilität ermöglicht.

Was wäre aus Sicht des VdU eher geeignet einen Kulturwandel herbeizuführen, benötigen wir einen solchen Wandel überhaupt oder sollte auch hier gelten: Heute ist jeder selbst seines Glückes Schmied, jeder und jede kann heute alles werden, Vorfahrtsstraßen sind überflüssig.

Wir brauchen ganz dringen einen Kulturwandel. Wir sind überzeugt, dass die feste Quote in den Aufsichtsgremien eine große Strahlkraft für mehr Frauen im gesamten Unternehmen mit sich bringen wird. Aber natürlich sind weitere Schritte notwendig. Unternehmen müssen u.a. wegkommen von einem reinen Frauenförderungsgedanken und hin zu einem umfassenden Diversity-Management-Ansatz kommen, der beide Geschlechter in den Blick nimmt. Die Frage der Vereinbarkeit etwa sollte nicht länger als Frauenthema diskutiert werden, sondern die Männer mit berücksichtigen und auch ihnen Freiräume schaffen. (vwh/ak)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

Bild: Stephanie Bschorr, Präsidentin des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen (VDU). (Quelle: VDU)

Siehe auch MÄRKTE

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