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Unwetter kosten LVM rund 20 Mio. Euro

30.06.2016 – mathias_kleuker_lvmDie Unwetterschäden im Mai und Juni wird die LVM voraussichtlich etwa 20 Mio. Euro kosten. Bis Ende Juni gingen rund 11.300 Schadenmeldungen ein, konstatiert der neue LVM-Vorstandschef Mathias Kleuker im Exklusiv-Interview mit VWheute. “Insgesamt rechnen wir aber auch für 2016 mit einem positiven Jahresergebnis”, betont Kleuker.

VWheute: Wo sehen Sie Ihre dringlichsten Aufgaben als LVM-Chef?

Mathias Kleuker: Die dringlichste Aufgabe sehe ich darin, die erfolgreiche Strategie der LVM Versicherung mit Kontinuität und Besonnenheit fortzuführen. Die LVM ist ein erfolgreiches Unternehmen mit einer ganz besonderen Unternehmenskultur, bei der die Menschen im Mittelpunkt stehen – unsere Kunden, unsere Mitarbeitenden und unsere Vertrauensleute. Diese Kultur gilt es zu bewahren.

Aber natürlich gibt es auch aktiven Handlungsbedarf. Der Wettbewerbsdruck nimmt weiter zu. Durch die Digitalisierung werden nicht nur neue Serviceangebote geschaffen, sondern auch Prozesse verschlankt und Einsparungspotenziale gehoben. Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit auf der Kostenseite ist daher für jeden Versicherer eine Pflichtaufgabe, der auch wir durch ein internes Kostenprojekt nachkommen. Auch mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen wir uns im Rahmen unseres Strategieprojekts sehr intensiv.

VWheute: Wie lange können Sie den Niedrigzins mit Blick auf die Garantieprodukte noch aushalten?

Mathias Kleuker: Die hohe garantierte Verzinsung von Bestandsverträgen erfordert erhebliche Mittelzuführungen zur Zinszusatzreserve, und sinkende Zinsen gehen zu Lasten der Solvabilität. Die LVM-Lebensversicherung aber weist eine gute Solvabilität auf: zum einen dank hoher Eigenmittel, zum anderen dank guter Reserven auch auf der Kapitalanlageseite.

Das unterstreichen auch Projektionsrechnungen, die wir auf Basis unserer bestehenden Planung vornehmen: Sie zeigen trotz des anhaltenden Niedrigzinsszenarios eine solide Entwicklung der Sicherheitslage auf – und lassen damit eine positive Bedeckung der Eigenmittelanforderungen erwarten.

Diese Mittel dienen also der Erfüllung der Garantieverpflichtungen im Bestand. Um im Neugeschäft die Zinsrisiken im Rahmen zu halten, haben wir bereits neue Garantieformen geschaffen, die eine Anpassung an aktuelle Rechnungsgrundlagen bei Rentenbeginn ermöglichen.

VWheute: Mit welchen neuen Produkten in der Lebensversicherung wollen Sie die so wichtige Altersvorsorge für die Kunden wieder attraktiv machen?

Mathias Kleuker: Die LVM-Lebensversicherung möchte ihren Kunden trotz des schwierigen Kapitalmarktumfelds weiterhin Garantien bieten, die den Versicherten eine langfristige und verlässliche Planung ermöglichen. Hierfür haben wir im vergangenen Jahr ein neues Garantiemodell mit Abschnittsgarantien eingeführt. Hier ist zum Rentenbeginn ein Übergang auf die dann aktuellen Rechnungsgrundlagen vorgesehen. Gleichzeitig wird aber weiterhin eine Mindestrente zugesagt, so dass das Risiko einer Zinsänderung nach unten begrenzt ist.

Diese modifizierte Fortführung der bisherigen Rentenversicherung ist in unserer Kundschaft auf volle Akzeptanz gestoßen. An weiteren Anpassungen der Garantien bei unseren Produkten mit Kapitalanlage im Deckungsstock wird derzeit gearbeitet.

Darüber hinaus eignen sich fondsgebundene Rentenversicherungen hervorragend als ergänzendes Instrument zur Altersvorsorge. Deswegen hat sich bei der LVM-Lebensversicherung die Fonds-Rente mit TrendInvest auch zu einer festen Größe im Produktportfolio entwickelt: Der Anteil aller fondsgebundenen Versicherungen am gesamten Neugeschäft liegt rund zwei Jahre nach der Einführung von TrendInvest bei über 15 Prozent.

VWheute: Sehen sie in den Autokonzernen tatsächlich eine Bedrohung für Ihr Kfz-Geschäft? Und wie sehen Sie die neuen Telematiktarife?

Mathias Kleuker: Keine Frage: Durch den Mitverkauf von Versicherungslösungen und dem Angebot weiterer Services durch die Autohersteller versuchen diese Ihre Kunden zu binden. Der Wettbewerbsdruck wird dadurch erhöht. Problematisch für den Kunden ist, dass beim Autokauf die Leistungen der mit angebotenen Versicherung häufig kaum ganzheitlich thematisiert werden. Wir sehen diesen Vertriebsweg daher auch mit einer gewissen Skepsis – und übrigens ist zu beobachten, dass der Vertriebsweg der Autohersteller über ihre “Autohäuser” in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau stagniert.

Die LVM verfolgt ein anderes Modell: Als Service-Versicherer bietet die LVM ihren Kunden ein “Rundum-Sorglos-Paket” über die bundesweit tätige Ausschließlichkeitsorganisation an. Zahlreiche Tests und Auszeichnungen belegen die hohe Kundenzufriedenheit. Aktuell wurden wir vom Magazin Focus Money – und das bereits zum fünften Mal in Folge – als fairster Kfz-Versicherer ausgezeichnet. Wir sind davon überzeugt, dass wir uns mit diesem Modell aktuell und auch in der Zukunft als einer der erfolgreichsten K-Versicherer in Deutschland etablieren werden.“

VWheute: Wie verliefen die ersten Monate 2016 für den Konzern?

Mathias Kleuker: Bis einschließlich Mai konnten wir die Beiträge insgesamt im Konzern um 3,8 Prozent (2014: 3,3 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr steigern. Insbesondere in Sach und Rechtschutz konnten wir mit 9,8 Prozent (2014: 7,0 Prozent) und 8,0 Prozent (2014: 4,8 Prozent) sehr hohe Wachstumsraten erzielen. Die Muttergesellschaft LVM a.G. hat ein Wachstum von 4,7 Prozent (2014: 4,3 Prozent) erreicht. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen erreicht auch die Lebensversicherung ein leicht positives Wachstum von 0,2 Prozent (2014: -0,4 Prozent). Die Krankenversicherung wächst konstant mit 3,5 Prozent (2014: 3,4 Prozent).

Auf der Schadenseite war die Anzahl der Elementarschäden bis Ende Mai unauffällig. Allerdings war die darauffolgende Zeit von Starkregen- Sturm- und Hagelereignissen in weiten Teilen Deutschlands geprägt. Vom 22. Mai bis 25. Juni wurden alleine in der Sachversicherung 11.300 Elementarschäden gemeldet, die auf ein Schadenvolumen von knapp über 20 Mio. Euro geschätzt werden. Allein die Hagelereignisse vom 23. Mai und 24. Juni haben in der Kraftfahrtversicherung großen Aufwand verursacht. Bis zum 25. Juni gingen 6.400 Schadenmeldungen ein. Das Schadenvolumen dieser Schäden wird aktuell auf 11,6 Mio. Euro geschätzt. Insgesamt rechnen wir aber auch für 2016 mit einem positiven Jahresergebnis.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondentin Claudia Schmidt-Wehrmann.

Bild: Mathias Kleuker ist seit heute neuer Vorstandsvorsitzender der LVM (Quelle: LVM/Hinz)

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