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“Subjektives Risiko hat sich nicht geändert”

15.08.2016 – heiko_wuertz_hdiDer Bundesgerichtshof hat mit zwei Entscheidungen (AZ IV ZR 304/13 und IV ZR 51/14) klargestellt, dass die Abtretung des Freistellungsanspruchs des versicherten Managers an das Unternehmen, das ihn in Anspruch nimmt, zulässig ist. Für die Versicherer habe “sich das subjektive Risiko nicht geändert”, konstatiert Heiko Würtz von HDI gegenüber VWheute.

VWheute: Wird sich die Haftungsfrage für Manager durch das BGH-Urteil wirklich verbessern?

Heiko Würtz: Mit den aktuellen Entscheidungen des BGH hat sich die Haftungssituation deutscher Manager nicht geändert. Es wurden lediglich zwei Deckungsfragen in der D&O-Versicherung konkretisiert, die aus unserer Sicht in der aktuellen Schadenpraxis wenig Relevanz haben.

Dies gilt sowohl für die Streitigkeit der “Ernsthaftigkeit der Inanspruchnahme” als auch für die Abtretung von Versicherungsansprüchen, die in den gängigen Versicherungsbedingungen ohnehin nicht mehr allumfassend ausgeschlossen ist.

Insoweit wurde hier lediglich eine deutlichere Rechtssicherheit hinsichtlich zweier potenzieller Deckungsstreitpositionen gefunden, die im Einzelfall gegebenenfalls helfen könnte, die Regulierung von Schadenersatzansprüchen etwas zu beschleunigen.

VWheute: Erhöht das BGH-Urteil das subjektive Risiko in der D&O-Versicherung?

Heiko Würtz: Für uns, aus der Sicht des Versicherers, hat sich das subjektive Risiko nicht geändert. Die D&O-Versicherung wird ihre Schutzwirkung für die versicherten Personen auch weithin voll entfalten können. Hierbei wird neben der primären Prüfung der Haftung der Aspekt der Abwehr entsprechender Schadenersatzforderungen unverändert eine tragende Rolle spielen. Eine adäquate und zügige Schadenregulierung, die in erster Linie dem Schutz der Entscheidungsträger gilt, wird auch weiterhin ein entscheidendes Qualitätsmerkmal für den Versicherer sein.

Das zum Teil immer wieder herbeigeredete kollusive Zusammenwirken von vermeintlich geschädigten Unternehmen und versicherten Personen zu Lasten der Versicherer, war bislang und wird auch künftig eher die Ausnahme bleiben. Im Übrigen war die Abtretung von bereits rechtskräftig festgestellten Versicherungsansprüchen bereits in der Vergangenheit eine unstrittige Möglichkeit.

VWheute: Wird sich das Urteil auf die Wordings auswirken?

Sollten entsprechende D&O-Wordings bislang noch ein ausdrückliches und vollumfängliches Abtretungsverbot enthalten, werden diese sicherlich einer entsprechenden Anpassung unterzogen werden müssen.

Die Mehrzahl der verwendeten D&O-Bedingungen im deutschen Markt können jedoch weiterhin unverändert zugrunde gelegt werden. Hinsichtlich der Ernsthaftigkeit der Inanspruchnahme erscheint eine explizite Aufnahme entsprechender Nachweispflichten durch die Versicherer ebenfalls eher unwahrscheinlich.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Christoph Baltzer.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

bestellen_vwh“Für uns hat sich das subjektive Risiko nicht geändert”, in der Versicherungswirtschaft 08/16 (Zum Beitrag)

Bild: Heiko Würtz ist Leiter D&O Versicherungen der HDI Global SE. (Quelle: HDI)

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