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“Starker Druck auf Prämien und Vertragsbedingungen”

14.09.2015 – StefanMaterne_FH KoelnIm Interview mit der Versicherungswirtschaft erläutert Stefan Materne, Inhaber des Lehrstuhls für Rückversicherung an der Technischen Hochschule Köln, warum trotz Rekordergebnisse die Lage des Reinsurance-Marktes “schwierig” sei. Er beobachtet einen eindeutigen Trend: “Kapitalstarke Erstversicherer ändern ihre Strategie beim Einkauf von Rückversicherungsschutz.”

Die Rekordergebnisse der Reinsurance-Branche resultieren aus einem geringen Schadenaufwand des letzten Jahres, “derzeit ist die Situation durch den starken Druck auf Prämien und Vertragsbedingungen schwierig”, erklärt Stefan Materne, Leiter der Forschungsstelle Rückversicherung am Institut für Versicherungswesen an der Technischen Hochschule Köln.

Zum hohen Marktangebot für Rückversicherungsschutz bei stagnierender Nachfrage merkt er an, dass viele Erstversicherer ihre Vorgehensweise beim Rückversicherungseinkauf ändern. “Es werden Selbstbehalte über gesamte Versicherungskonzerne gebildet, statt kleinteilig auf Basis der einzelnen operativen Einheiten. Zudem wird der Rückversicherungseinkauf zentralisiert. Erstversicherer haben schließlich gut verdient und leisten sich höhere Selbstbehalte”, sagt Materne.

“Ein weiterer Trend geht hin zur Abgabe nur des höher exponierten Anteils des gezeichneten Portfolios.” Materne prognostiziert, dass in Zukunft die Rückversicherungs-Transaktionen im Bereich des money swappings (Geldwechselgeschäfte) abnehmen werden, der Transfer von volatilen Segmenten jedoch zunehme. “Dies zu leisten ist per se kein Problem für die meisten Rückversicherer, doch dafür muss natürlich die Prämie stimmen. Doch das kollidiert wiederum mit meiner These, dass derzeit die Preise nicht zu erhöhen sind, sondern sich eher in die andere Richtung bewegen”, resümiert der Versicherungswissenschaftler.

Einem Rückversicherer, der seine Marktposition ausbauen will, rät er: “Er müsste idealiter ein Unique Selling Proposition (USP) schaffen, eine Nische für sich erobern, in denen er seine Klientel nahezu exklusiv bedienen und dort auch die angemessenen Preise durchsetzen kann. Manche Rückversicherer versuchen dies durch Initiativen zur Kundenbindung über Service- und Kooperationsangebote sowie Spezialexpertise bezüglich Regionen, Sparten, usw. zu erreichen.”

Das Interview führte VW-Chefredakteur Heinz Klaus Mertes.

Bild: Stefan Materne, Inhaber des Lehrstuhls für Rückversicherung sowie Leiter der Forschungsstelle Rückversicherung am Institut für Versicherungswesen an der Technischen Hochschule Köln. (Quelle: Hochschule Köln)

bestellen_vwhLesen Sie das vollständige Interview mit Stefan Materne, in VW 09/15 (Einzelbeitrag 3,81 Euro)

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