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Solvency II spiegelt nicht die Realitäten einzelnder Versicherer wider

06.03.2015 – Hein_Thorsten_SAS“Den meisten Versicherern fehlt es an einer integrierten Lösungsarchitektur, die für sämtliche Prozessschritte zur Umsetzung von Solvency II von Vorteil wäre”, sagt SAS-Versicherungsexperte Thorsten Hein. “Wer seine Rohdaten nicht in den Griff bekommt, wird weder seine Risikomodelle optimal nutzen können, noch den langfristig steigenden regulatorischen Berichtsanforderungen gerecht werden”, sagt er im Interview mit VWheute.

VWheute: Solvency II wird heute im Bundestag wohl durchgewunken (siehe DOSSIER). Ab 2016 wird es für Versicherer spätestens ernst. Wo genau sehen Sie in ihrer praktischen Arbeit die Defizite in der Umsetzung?

Thorsten Hein: Noch immer müssen sich Versicherer mit vielfachen Medienwechseln, inkompatiblen Datenstrukturen und –formaten sowie der damit verbundenen Fehlerkorrektur und Dokumentation – im Sinne auch der qualitativen Anforderungen – aufhalten. Besonders im Hinblick auf die geforderte Revisionssicherheit der gesamten Prozessketten ist dies kritisch zu hinterfragen. Da die regulatorischen Berichte, u.a. die QRTs (Quantitative Reporting Templates) in Zukunft auch immer früher abgegeben werden müssen und die Anforderungen an das regulatorische Berichtswesen in Zukunft ebenfalls steigen werden – z.B. in Form weiterer Berichte für die Europäische Zentralbank – sehen wir hier definitiv noch Handlungsbedarf. Dazu kommt noch die Tatsache, dass wir bislang bei der überwiegenden Zahl der Versicherer nur über die Berechnung des Standardmodells von Solvency II sprechen. Um wirklich Nutzen aus einer risikoorientierten Betrachtung der einzelnen Geschäftsbereiche zu ziehen, wäre allerdings ein – zumindest partielles – internes Modell von Nöten. Die regulatorischen Anforderungen an ein solches Modell sind allerdings noch wesentlich höher als beim Standardmodell. Wenn die Versicherer hier nicht auf Integration und weitest gehende Automatisierung setzen, bleibt kaum Zeit für die geschäftsrelevanten Analysen, für die ein solches Modell ja gedacht ist.

VWheute: Wo kommen Sie mit SAS da ins Spiel?

Thorsten Hein: Wir stellen eine integrierte, technische Lösungsarchitektur bereit, die sowohl die ganze Prozesskette von den operativen Datenbeständen bis zu den internen und externen Berichten, den sog. QRTs, lückenlos abdeckt. Wichtig ist hierbei allerdings, dass bereits etablierte Lösungsbausteine von Drittanbietern, z.B. aktuarielle Lösungen zur Bewertung von Kapitalanlagen und versicherungstechnischen Verbindlichkeiten, in diese Architektur integriert werden können. Datenmanagement und Datenqualität, in besonderem Hinblick auf die Revisionssicherheit der einzelnen Prozesse, sind hier essentiell. Mehr als 60 Prozent der Arbeitsaufwände bei der Implementierung eines Solvency II Infrastrukturprojekts fallen heute auf das Thema Datenmanagement. Bei der Auswertung der Rohdaten – hier kommt die Expertise von SAS ins Spiel – geht es um die zeitnahe Optimierung der eigenen Strategie und der damit verbundenen Geschäftsabläufe.

VWheute: Stichwort Datenmanagement: Kann die Umsetzung von Solvency II – Richtlinien dazu genutzt werden, sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen?

Einen Wettbewerbsvorteil kann man im Kontext von Solvency II nur erlangen, wenn man auf ein partielles oder gänzlich internes Modell setzt. Das Solvency II-Standardmodell spiegelt nicht die Realitäten der einzelnen Versicherer wider. Je ausgefeilter und präziser das interne Modell ist, desto größer ist auch der mögliche zu erzielende Wettbewerbsvorteil. Im gleichen Maße erhöhen sich aber auch die Anforderungen an das Datenmanagement. Wer hier nicht ein hohes Maß an Automatisierung vorweisen kann und seine Ressourcen nicht auf die Analyse der Modelle und der daraus resultierenden Maßnahmen konzentrieren kann, der wird auch keinen großen Nutzen aus diesem Vorhaben ziehen können.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Thorsten Hein ist verantwortlich für Business Development Insurance bei SAS. (Quelle: SAS)

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