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Solvency II: Mehr Diversifikation im Asset Management

19.04.2016 – florian_martin_kgalSolvency II führt faktisch “zu immer mehr Diversifikation auf und zwingt somit Versicherer sich mit Alternativen im Asset Management stärker zu beschäftigen”, sagt Florian Martin von KGAL Capital im Interview mit VWheute. Wer die neuen Freiheiten nutze “und die Gelder der Versicherten intelligent investiert, kann sich Wettbewerbsvorteile verschaffen”, so der Experte.

VWheute: Welche Herausforderungen in der Kapitalanlage sehen Sie derzeit aus Sicht eines Versicherers unter Solvency II?

Florian Martin: Die besondere Herausforderung für die Versicherer liegt unter anderem darin, dass der Zeitpunkt des Inkrafttretens von Solvency II mit den aktuell niedrigen Zinsen auf einem nie dagewesenen Niveau zusammenfällt. Die Versicherer wurden aus der jahrzehntelangen Vormundschaft der Anlageverordnung entlassen und befinden sich nun auf neuem, prinzipienbasierten Terrain. Der Gesetzgeber hat Ihnen einen hohen Freiheitsgrad verschafft, den es nun gilt, verantwortungsvoll und umsichtig für sich und vor allem für die Versichertengemeinschaft nutzbar zu machen.

VWheute: Wie trifft der Paradigmenwechsel im Asset Management speziell deutsche Versicherer gerade vor dem Hintergrund des neuen Regelwerks?

Florian Martin: In der Umstellung von den Quoten der Anlageverordnung hin zum prinzipienbasierten System des neuen Regelwerks liegt eine herausragende Chance für die Asset Manager der Versicherer. Den großen Versicherern, die ohnehin schon eigene Analysten und Anlagespezialisten beschäftigt haben, dürfte die Umstellung nicht allzu schwerfallen. Kleine und mittlere Häuser könnten sich hier vor neue Aufgaben gestellt sehen, da es immer notwendiger wird, sich eine eigene Meinung zu Märkten und Assetklassen zu bilden – ein alleiniges Vertrauen wie zum Beispiel auf Ratings Dritter ist nicht mehr möglich. Vielmehr fordert Solvency II de facto zu immer mehr Diversifikation auf und zwingt somit Versicherer sich mit Alternativen im Asset Management stärker zu beschäftigen. Für alle gilt: Wer die neuen Freiheiten nutzt und die Gelder der Versicherten intelligent investiert, kann sich Wettbewerbsvorteile verschaffen.

VWheute: Welche neuen Perspektiven sehen Sie derzeit für Kapitalanleger – vor allem mit Blick auf die derzeit niedrigen Zinsen?

Florian Martin: Die Zeiten, in denen Versicherer 90 Prozent Ihrer Anlagen in Anleihen geparkt hatten, sind endgültig vorbei. Mit diesen Rentenpapieren lassen sich heute weder ausreichend die passiven Zinsgarantien erwirtschaften, noch erfüllt diese einseitige Assetallokation die Anforderung an eine vernünftige Diversifikation. Sofern der Versicherer das nötige Solvency Capital Requirement (SCR) erfüllt, sind ihm eigentlich kaum Schranken oder Vorgaben bei der Kapitalanlage gesetzt. Solvency II betont stärker denn je, die Triade des Zielsystems als Grundlage für die Anlageentscheidungen: Schließung des Duration Gaps, Steigerung der Diversifikation und Stetigkeit in risikoadäquaten Renditen.

Als sinnvolle Bausteine für diese Zielerreichung bieten sich alternative Investments an, die meist eine zusätzlich Diversifikation bei hoher Duration und stetigen Erträgen bieten. Diese Alternativen sind zum Beispiel passend strukturierte Investitionen in Renewables oder auch Aircraft-Leasing. Natürlich leistet auch die Immobilie immer noch gut Dienste, wenn auch ohne Wirkung auf den Duration Gap. Bei sinnvollen Einsatz dieser Investments – so zeigen dies komplette Simulation auf der Gesamtbilanz von deutschen Versicherern – werden erst recht unter Solvency II neue Freiräume geschaffen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Florian Martin ist als Mitglied der Geschäftsleitung der KGAL Capital GmbH & Co. KG. für das Geschäft mit institutionellen Kunden zuständig und verantwortet die Ressorts Marketing, Finanzen/Steuern sowie Recht/Compliance. (Quelle: Newmark)

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