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Sinkende Garantien – mehr Engagement am Kapitalmarkt

08.06.2016 – Johannes_Loerper_ErgoVon Johannes Lörper, Vorstand der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. und der Ergo Leben. In der aktuellen Niedrigzinsphase lässt sich beobachten, dass sich viele Unternehmen von der klassischen Lebensversicherung abwenden. Stattdessen werden moderne Produkte mit neuen Garantien entwickelt und angeboten. Hierfür gibt es mehrere Konzepte.

Diesen Konzepten ist gemein, dass die ausgesprochene Garantie im Vergleich zur Klassik geringer ausfällt. Dies kann nicht nur durch einen geringeren Garantiezins erfolgen, sondern beispielsweise auch indem die laufende Überschussbeteiligung nicht garantieerhöhend wirkt. Mit sinkenden Garantien nimmt die Möglichkeit zur Partizipation an Entwicklungen des Kapitalmarktes zu. Bei manchen Produkten wird zusätzlich auf einen kollektiven Ansparprozess verzichtet, etwa bei fondsgebundenen Versicherungen, welche gegebenenfalls noch mit Garantieelementen angereichert sind.

Die oben beschriebenen Änderungen gehen mit folgenden Herausforderungen einher:

  1. Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Lebensversicherung?
    Gerade bei fondsgebundenen Produkten könnte sich der Kunde fragen, warum er in eine Lebensversicherung, und nicht etwa direkt in einen Fonds investieren soll. Tatsächlich liegt die Besonderheit eines solchen Produktes nicht in der Anspar-, sondern in der Entsparphase. Diese garantiert eine lebenslange Rente.
  2. Wie lassen sich unterschiedliche Produkte vergleichen?
    In der klassischen Lebensversicherung ist die Darstellung der prognostizierten Rendite weitestgehend standardisiert. Bei modernen Produkten gibt es allerdings, je nach Produktgestaltung, zahlreiche Möglichkeiten, die Entwicklung des Deckungskapitals fortzuschreiben. Dadurch wird ein Vergleich unterschiedlicher Produkte erschwert.
  3. Wie lassen sich Produkte in HGB darstellen?
    Bilanziell besteht die Notwendigkeit, die Produkte bzw. die Deckungsrückstellungen geeignet bewerten zu können. Bei reinen fondsgebundenen Versicherungen ist dies unproblematisch. Bei Produkten mit gehedgten Garantien fehlt allerdings bisher eine geeignete gesetzliche Regelung, auch wenn Konzepte bereits vorliegen. Aufsichtsrechtlich sind dadurch die Unternehmen dazu gezwungen, mehr Reserven zu stellen als ökonomisch notwendig wäre.
  4. Können die eingezahlten Beiträge garantiert werden?
    In der heutigen Zinslage sind 100-Prozent-Beitragsgarantien problematisch. Sie schränken die Möglichkeiten ein, an Entwicklungen des Kapitalmarktes zu partizipieren.

Für die Lösung der angesprochenen Herausforderungen sind Unternehmen und auch der Gesetzgeber gefragt. Doch man kann sie meistern. Und Unternehmen sollten sich nicht davon abhalten lassen, auch weiterhin nach Alternativen zur Klassik zu suchen.

Bild: Johannes Lörper ist Vorstand der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. und Vorstand der Ergo Lebensversicherungs AG. (Quelle: Ergo)

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