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Sind EZB-Anleihekäufe noch zielführend?

20.10.2016 – klaus_wiener_gdvMit Spannung schauen Versicherer und Finanzdienstleister auf die heutige Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Frage, ob EZB-Präsident Mario Draghi das Wertpapier-Kaufprogramms anpassen oder gar beenden wird. Es “kommen immer mehr Zweifel auf, ob die Strategie massiver Anleihekäufe und negativer Einlagenzinsen noch zielführend ist”, konstatiert GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener.

Demnach vergrößere “der Verfall der Kapitalmarktrenditen die Probleme beim Aufbau einer adäquaten Altersvorsorge”, konstatiert Wiener in einem Beitrag für die GDV-Positionen. Den Grund sieht der GDV-Chefvolkswirt vor allem darin: Wenn “Sparziele wegen der Nullzinsen nicht mehr erreicht werden können, wird verstärkt konsumiert – zulasten der künftigen Kaufkraft”.

Zudem fürchtet der Ökonom, dass aufgrund ausbleibender Erträge aus dem Zinsgeschäft den Banken die Möglichkeit genommen werde, “Eigenkapital aufzubauen, um mehr Kredite zu vergeben. Ohne Kredite aber wird es keinen Aufschwung geben. Die EZB läuft so Gefahr, das Gegenteil von dem zu bewirken, was sie will: höheres Wachstum und höhere Inflation”, fürchtet der GDV-Chefvolkswirt.

“Die Europäische Zentralbank steckt in einem Dilemma zwischen Deflation und Marktverzerrung”, konstatiert Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). “Als sie im Frühjahr 2015 mit dem sogenannten Quantitative Easing (QE) – also dem massenhaften Ankauf von (Staats-)Schuldscheinen – begann, da war dies angesichts der bereits nahe null liegenden Zinsen gut begründet”, so der Ökonom.

Dabei befürchtet Hüther, dass “eine Rückkehr zur Normalität” immer schwerer werde und “die Verzerrungen zwischen Vermögensklassen und in den Vermögensstrukturen” nachhaltiger wirken, je länger das Quantitative Easing (QE) laufe. “Die EZB-Entscheidungen vom März 2016 überzeugen insoweit nicht: Ohne definierte Frist wurde das Programm zum Aufkauf von Vermögenswerten auf 80 Mrd. Euro pro Monat erhöht”, kritisiert der IW-Direktor. (vwh/td)

Bild: GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener (Quelle: GDV)

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