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Schadeninflation kostet Risikokapital

20.07.2015 – Wiedemann“Extreme Inflationsszenarien lassen die Kosten für Schäden sehr deutlich steigen und belasten damit die Ertragslage des Unternehmens”, erklärt Marcel Wiedemann, Lehrstuhlinhaber an der Hochschule Esslingen. Das Fazit seines Beitrags für VWheute: “Inflation kann somit richtig teuer werden und sollte als Risiko nicht außer Acht gelassen werden”:

In Zeiten niedriger Zinsen stellt sich immer deutlicher die Frage, ob die Zinserträge aus Schadenrückstellungen noch ausreichen, um die Teuerung der Schäden – beispielsweise aus der gestiegenen Lebenserwartung oder des medizinischen Fortschritts wegen – auszugleichen? Man sieht schnell ein, dass Inflation damit ein echtes Risiko ist. Doch wie kann man Inflation modellieren und wie viel Risikokapital „kostet“ sie?

Das Thema Inflation wird im täglichen Leben oft auf die allseits bekannte Größe des Verbraucherpreisindex heruntergebrochen: die Entwicklung der Preise eines festgelegten Warenkorbs. Wie sieht nun aber ein solcher Index für ein Schadenportfolio aus bzw. gibt es überhaupt Wege, die Teuerungsraten davon zu bestimmen?

Ausgehend von einer Beschreibung, wie ein derartiges Unterfangen praktisch umgesetzt werden kann, habe ich mich der Frage gewidmet, wodurch die so erhaltene Schadeninflation eigentlich getrieben ist? Welche Marktgrößen – Verbraucherpreisindex, BIP, Gesundheitskosten, … – beeinflussen die Teuerung eines Schadenportfolios?

Es zeigt sich, dass mittels multilinearer Regressionsmodelle gute Ansätze gelingen können, signifikante Marktgrößen herauszufiltern. Auf Basis solcher Modelle kann gleichzeitig eine unternehmensweit einheitliche Meinung zur erwarteten zukünftigen Teuerung entwickelt werden. Dies stellt sicher, dass alle Player – Aktuariat, Asset-Management, Rückversicherung etc. – von gleichen Annahmen ausgehen und konsistent zueinander steuern.

Schließlich habe ich noch erste Ansätze einer stochastischen Inflationsmodellierung untersucht: Hiermit können die Auswirkungen der Inflation auf die Schadenrückstellungen simuliert und damit direkt analysiert werden. Dabei zeigt sich, dass extreme Inflationsszenarien die Kosten für Schäden sehr deutlich steigen lassen und die Ertragslage des Unternehmens damit stark belasten.

Bild: Marcel Wiedemann ist Professor für das Lehrgebiet „Mathematik für Ingenieure“ an der Hochschule Esslingen und Co-Leiter der DAV-Arbeitsgruppe „Zins und Inflation“. (Quelle: DAV)

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