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Pflege: Profis in den eigenen vier Wänden gewünscht

14.09.2016 – ralf_suhr_uskDeutschland befindet sich bereits in einem Pflegenotstand. Und es wird noch viel schlimmer werden. Das ist das Fazit von Experten und Betroffenen auf dem 16. Continentale PKV-Forum. “Die Versorgungslücke in der Pflege wird im 2050 zwischen 200.000 und 500.000 Kräften liegen”, schätzt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege.

Betroffene können schon berichten schon heute von Problemen, qualifizierte Kräfte zu finden. Das bestätigte der Schauspieler Samuel Koch, der nach einem schweren Unfall bei einer Wetten-Dass-Show im Jahre 2010 weitgehend gelähmt ist. Koch vermittelte dem Auditorium zudem eindrucksvoll, wie wichtig ein harmonisches Miteinander zwischen Pflegebedürftigem und Pfleger ist.

Der Pflegewissenschaftler Suhr plädierte dafür allgemein eine frühzeitige Prävention gegen Pflegebedürftigkeit einzuführen. Damit könnten die Alltagseinschränkungen hinausgezögert werden. Selbst bei Pflegebedürftigen könnte mit spezieller Betreuung eine Verbesserung der kognitiven Leistung erzielt werden. Gleichzeitig plädierte Suhr dafür, Pflege und Beruf besser miteinander zu verbinden. Heute sei die Pflege von Angehörigen neben dem Job ein regelrechtes Tabuthema.

Laut einer Umfrage halten die Betroffenen ihre soziale Tätigkeit geheim, weil 64 Prozent Angst haben, ihren Beruf zu verlieren. 60 Prozent der Befragten sorgen sich, dass es bei Bekanntwerden der privaten Pflege zumindest zu beruflichen Nachteilen führen könnte. Rund 70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt.

Dort wünschten sich die meisten Pflegebedürftigen aber nicht von ihrem Partner oder Verwandten, sondern von Profis versorgt zu werden. “Man will nicht als Pflegefall zu Last fallen”, sagte Suhr. Doch eine solche Pflege muss man sich auch leisten können. Vielen Pflegebedürftigen dürfte aber ihr Wunsch, in den eigenen vier Wänden gepflegt zu werden, nicht erfüllt werden.

Sie müssen zwangsweise ins Heim, weil eine Pflege in ihrer Wohnung barrierefrei sei. Nur ein kleiner Teil der Seniorenhauhalte würde über eine behindertengerechte Ausstattung ihrer Wohnung verfügen. Auch hier sieht Suhr einen hohen Nachholbedarf. Zudem müsste die Qualität der Pflege verbessert werden. Einig war man sich in der Diskussion, dass vor allem sehr flexibel Pflege gewünscht wird. Dafür müssten aber die Rahmenbedingungen für die Pflege verbessert werden. Nach Einschätzung der Experten lässt vor allem in Heimen der Pflegeschlüssel keine wirklich individuelle Pflege zu. (usk)

Bild: Ralf Suhr ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (Quelle: usk)

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