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“Pervertierung des Versicherungsgedankens”

16.10.2015 – peter_wesselhoeft_ggwMit einer eindringlichen Warnung vor den möglichen Folgen von Telematik-Tarifen verabschiedet sich Peter Wesselhoeft beim diesjährigen Pressegespräch des VDVM in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbands. Im November wird der Vorstand neu gewählt, als neuer Präsident ist Georg Bräuchle von Marsh Deutschland im Gespräch.

Der VDVM sieht die Telematik in der Krankenversicherung sehr kritisch. Auch in der Kfz-Versicherung kann sie dazu führen, dass durch die Veränderung der Tarifstruktur faktisch ein ökonomischer Zwang zum Einbau besteht. Angesichts der ungleich sensibleren Daten sei aber der Einsatz von Telematik in der Krankenversicherung wesentlich problematischer.

Generell sei es fraglich, ob der Datenschutz bei Telematik-Tarifen wirklich gewährleistet werde. So würden die Versicherer die Datenerhebung häufig über Dienstleister vornehmen lassen, deren Server nicht in der Europäischen Union stehen und deshalb nicht den europäischen oder deutschen Sicherheitsstandards unterliegen. Noch gefährlicher könnte es sein, wenn die Daten dann von Internetgiganten wie Apple oder Google ausgewertet und dazu genutzt werden, “guten Risiken” besonders attraktive Angebote zu machen.

Generell könnten Telematik-Tarife eine Sogwirkung verursachen, indem sie zum Standard werden und die Prämien für die ausgesiebten verbleibenden Versicherten unbezahlbar werden. Dies würde auch die Vermittlung dieser Kunden für die Makler immer schwieriger und zeitaufwändiger machen, sodass die Courtage dafür nicht mehr auskömmlich wäre. Konsequenz könnte sein, dass diese ohnehin schon benachteiligten Gruppen nur noch über eine Honorar-Vergütung nach Zeitaufwand Zugang zu einer unabhängigen Beratung bekommen.

Wesselhoefts Fazit: Ohne Selbstbeschränkung der Branche könnte die Ausbreitung von Telematik-Tarifen zu einer vollständigen Entsolidarisierung der Versichertengemeinschaft führen. “Für mich ist das eine Pervertierung des Versicherungsgedankens”, sagt Wesselhoeft (mehr zum autonomen Fahren im DOSSIER). (sgk)

Bild: Peter Wesselhoeft (Quelle: GGW)

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