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Papst predigt europäische Solidarität statt Egoismus

26.11.2014 – Papst-FranziskusVon VWheute-Brüssel-Korrespondent Thomas A. Friedrich.

Der argentinische Papst hat Europa nicht lange warten lassen. Kaum eineinhalb Jahre nach seiner Amtsübernahme als Pontifex der römisch-katholischen Kirche im Petersdom zu Rom, folgte Papst Franziskus der Einladung des Präsidenten des Europäischen Parlaments (EP), Martin Schulz, am gestrigen Dienstag ins Plenum nach Straßburg. Johannes Paul II. brauchte zehn Jahre Amtszeit, um als erstes Kirchenoberhaupt von der heiligen Stadt Rom den Weg ins EU-Parlament zu finden.

Dies war vor 26 Jahren – noch vor dem Fall der Berliner Mauer – als der Pole Karol Wojtyla seine Botschaft an die EU der damals zwölf Mitgliedstaaten richtete. Dies war noch fünf Jahre vor der EU-Osterweiterung. Der ehemalige deutsche Kardinal Joseph Ratzinger und Papst Paul II. ließen die demokratische Vertretung von 500 Millionen EU-Bürger bei ihren Reiseplanungen links liegen.

Franziskus bleibt auch bei seinem Besuch im wohlhabenden Straßburg seiner bescheidenen Art treu. Er rollt in der elsässischen Metropole mit einem Mitteklasse-Peugeot vor, der schon nicht mehr gebaut wird und unterstreicht damit erneut seine Abneigung gegen Pomp und Protokoll. Im Straßburger Plenum, dass bis auf den letzten Sitz fast alle 751 gewählten EU-Parlamentarier versammelte, überbrachte Papst Franziskus den Mitgliedern des Europäischen Parlamentes eine “Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung” .

Sein Befund: von Krisen geschüttelt, die das Vertrauen in die Institutionen zerstörten, von kollektivem Egoismus und individualistischer Gleichgültigkeit gezeichnet, die in Bindungslosigkeit und Wegwerf-Kultur mündeten, entferne sich Europa von den traditionellen Werten der Solidarität.

Franziskus vermisst die Lebenskraft und Energie, die Europa einst beseelt habe. Das Fazit des Pontifex stimmt nachdenklich: Europa sei müde, pessimistisch, gealtert, nicht mehr fruchtbar und lebendig, und “in der Gefahr allmählich seine Seele zu verlieren”, hält er den Europaparlamentariern vor. Und er legt die Finger in die europäischen Wunden:

Der Papst nimmt die Europas soziale Agenda auf, warnt vor Ausgrenzung, thematisiert das heiße Eisen der Migration und plädiert für die Bewahrung von Umwelt und Schöpfung. Sein Credo, “dass Europa den Himmel betrachtet und Ideale verfolgt”. Denn nicht die Verherrlichung Gottes bringe Fundamentalismus, Gewalt unter Menschen und Ausbeutung der Natur hervor, sondern gerade die Gottvergessenheit. Europa solle wieder “auf den Menschen schauen, ihn verteidigen und schützen”. “Den Armen auf den Straßen ebenso, wie den Jugendlichen ohne Arbeit und Ausbildung, den Alten in ihrer Einsamkeit und auch den Migranten, die Aufnahme und Hilfe brauchen”.

Franziskus beschwörend: “Es ist der Moment gekommen, den Gedanken eines verängstigten in sich selbst verkrümmten Europas fallen zu lassen, um ein Europa zu erwecken und zu fördern, das ein Vorreiter von Wissenschaft, Kunst, Musik, menschlichen Werten und auch Träger des Glaubens ist.” Der Nachklang der päpstlichen Botschaft lässt einige Stunden kleinkariertes Parteiengezänk in Straßburg vergessen. Seit heute ist schon wieder business as usual angesagt, wenn EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sein EU-Investitionsprogramm von 300 Mrd. Euro im Europaparlament vorstellt. (taf)

Bild: Papst Franziskus (Quelle: Vaticano)

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